Bilder des Christopher Street Day Nackt und bunt zum Sieges-Phallus

Sie trugen Leder, Pfauen-Federn oder auch fast nichts: Hundertausende Schwule und Lesben haben beim 25. deutschen Christopher Street Day in Berlin "Gay Pride" und Lebensfreude demonstriert - und zogen tanzend und küssend zur berühmtesten Phallus-Säule der Hauptstadt. Bilder einer Parade.


Wowereit rules: Der Bürgermeister eröffnete den CSD - wie zum Dank hatte sich ein  Teilnehmer den Spruch "We love Wowi!" auf die nackte Brust gepinselt Stolz wie ein Pfau: Ein Teilnehmer zeigt seine Federn Zungenkuss statt Polit-Predigt: Beim ersten CSD in Deutschland wurden noch Transparente geschwenkt - heute konzentrieren sich die Teilnehmerinnen lieber auf Dinge, die mehr Freude bereiten
Noch mehr rosa geht nicht: Ein Pärchen zeigt seine Zusammengehörigkeit Zeigt her eure Reize, lasst sie quellen hervor: Beim CSD fanden sich Voyeure und Exhibitionisten zusammen Farben des Regenbogens: Das Volksfest CSD ist längst viel bunter als die größere Love Parade und steht ihr beim Spaßfaktor nicht nach
Küsschen gefällig? Ein "Damen"-Quartett in Flirtlaune Kostüm-Verrücktheiten: Wer lieber nicht zu viel Haut zeigen wollte, konnte stattdessen Ideenreichtum demonstrieren Lass doch die Kirche Kirche sein: Inniger Kuss vor weihevollem Hintergrund
Nicht nur für die Jugend: Ob diese Dame wohl am Abend danach mit zur Party in den Club kommt? Tanz auf dem rosa Wagen: Der CSD ist inzwischen so sehr etabliert, dass auch Firmen wie Burger King zu den prominenten Sponsoren gehören Zeigt her eure Perlenketten: Vier ehrwürdige Damen mit feiner Gaderobe

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Berlin - Der Regierende Bürgermeister und bekennende Schwule Klaus Wowereit (SPD) hatte den CSD am Mittag auf dem Kurfürstendamm eröffnet. Mehr als 80 Lastwagen zogen im Schritt-Tempo zur Siegessäule, die wegen ihrer phallischen Form als Symbol der Berliner Schwulenszene gilt - auch wenn sie offiziell an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erinnert.

Plastikpenisse, Regenbogenfahnen und vereinzelt blanke Frauenbrüste wurden im Takt der von den Wagen schallenden Musik geschwungen. In extravaganten Kleidern, mit angeklebten Wimpern und Plateau-Schuhen präsentierten sich viele Schwule, Lesben oder auch Transsexuelle. Andere bemühten sich, mit Engelsflügeln, Jesuskreuzen, Hundeleinen, Gleitcremeflaschen und gepiercten Brustwarzen die bürgerliche Moral herauszufordern. "Akzeptanz statt Toleranz" hieß das Motto des Zugs, an dem nach Angaben der Veranstalter 600.000 Menschen teilnahmen.

Viele Besucher sahen in ihrer Technokluft allerdings auch aus, als hätten sie eigentlich zur Loveparade gewollt, die erst in zwei Wochen in Berlin stattfindet. Aus der einstigen Protestveranstaltung der Homosexuellen ist längst ein Volksfest geworden, an dem auch viele Heterosexuelle teilnehmen. Anders als die Loveparade ist der CSD jedoch weiterhin als Demonstration zugelassen.

Unter den Besuchern waren auch die Sängerin Ina Deter, die Feministin Alice Schwarzer und die frühere Grünen-Chefin Claudia Roth. Neben politischen Parteien, Lesbisch-schwulen-Bars und der Berliner Aids-Hilfe stellten auch Burger King und Red Bull eigene Festwagen.

Beim ersten CSD vor 25 Jahren ging es noch deutlich kleiner und politischer zu. 400 Schwule und Lesben seien damals dabei gewesen, erinnerte Bernd Gaiser, der den Protestzug nach eigener Aussage mit Freunden aus der damaligen Berliner Schwulenzeitung organisiert hatte. Musik habe es nicht gegeben. Stattdessen sei über ein Megafon ein Ende der Diskriminierung gefordert worden. Auf Transparenten sei anderen Schwulen Mut gemacht worden, sich in der Öffentlichkeit zu outen. Nur ein Lastwagen habe den Zug begleitet, sagte Gaiser. Ziel der Parade sei es auch gewesen, die damals zersplitterte und zerstrittene Schwulenszene in Berlin zusammenzubringen.

Mit dem CSD erinnerten die Demonstranten 1979 an eine Polizeirazzia in der Schwulen-Bar "Stonewall" in der New Yorker Christopher Street zehn Jahre zuvor. Inzwischen finden in rund 30 Städten Deutschlands und in vielen Ländern der Welt ähnliche Paraden statt.



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