US-Erweckungsprediger Billy Graham ist tot

"Gottes Maschinengewehr" war sein Spitzname. Jetzt ist der umstrittene US-Pastor und Präsidentenberater Billy Graham gestorben. Er wurde 99 Jahre alt.

AFP

Der einflussreiche US-Pastor Billy Graham ist tot. Er sei im Alter von 99 Jahren gestorben, teilte die Billy Graham Evangelistic Association über einen Sprecher mit. Der konservative Prediger hatte über viele Jahre hinweg großen politischen Einfluss ausgeübt.

Graham galt lange als "Amerikas Pastor", war wegen seiner konservativen Moralvorstellungen aber auch nicht unumstritten. Er war Berater mehrerer Präsidenten, darunter Lyndon B. Johnson, Gerald Ford und George Bush senior. Dem jüngeren Bush soll er in den Achtzigerjahren beim Kampf gegen seine Alkoholsucht geholfen haben. Zur Zeit des Kalten Krieges gehörte er zu den führenden Stimmen des US-Anti-Kommunismus.

Auszüge aus einem vertraulichen Gespräch mit dem ehemaligen Präsidenten Richard Nixon, die 2002 veröffentlicht wurden, lösten Kritik an Graham aus. Er äußerte sich darin abfällig über Juden, sagte unter anderem, liberale Juden hätten die Medien im Griff und könnten die USA den Bach hinab schicken. Später sagte er, er könne sich nicht an diese Aussagen erinnern. Dennoch entschuldigte er sich für sie.

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Billy Graham: Amerikas Pastor

Der aktuelle Präsident Donald Trump äußerte sich bei Twitter zu dem Tod Grahams: "Der großartige Billy Graham ist tot. Keiner war wie er! Christen und alle Religionen werden ihn vermissen. Ein ganz besonderer Mann", schrieb er.

Mit Massenevangelisationen wurde der Baptistenpfarrer einem Millionenpublikum bekannt. Sein Auftreten brachte ihm den Spitznamen "Maschinengewehr Gottes" ein. Graham ging 2005 in den Ruhestand. Über Jahre war er schwer krank.

Graham wuchs auf einem Bauernhof auf und hatte nach eigener Schilderung im Alter von 16 Jahren ein religiöses Erweckungslerlebnis. Er studierte am Florida Bible Institute und wurde zunächst Baptistenprediger. Doch das Leben und Predigen in einer Kirchengemeinde reichte ihm nicht. Ende der vierziger Jahre begann er damit, auf eigene Faust als evangelikaler Prediger in Zelten zu predigen.

Er erreichte in den folgenden Jahren ein Massenpublikum. 1957 predigte er über 16 Wochen hinweg im New Yorker Madison Square Garden, insgesamt rund 2,4 Millionen nahmen nach Angaben der Billy-Graham-Bibliothek an diesen Massen-Gottesdiensten in der Arena der Ostküstenmetropole teil.

Graham verbreitete seine Botschaften aber auch über das Radio und Fernsehen - er gilt als Begründer des Genres der TV-Predigt. In den fünfziger Jahren weigerte er sich, Weiße und Schwarze in seinem Publikum räumlich voneinander zu trennen - weshalb ihm ein Einfluss auf das Ende der Rassentrennung in den Südstaaten der USA zugeschrieben wird.

Graham war auch als Autor aktiv - er verfasste 31 Bücher, von denen die meisten in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Mit seiner 2007 verstorbenen Ehefrau Ruth Bell Graham war er fast 64 Jahre lang verheiratet, aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Einer seiner Söhne, Franklin Graham, trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde ebenfalls evangelikaler Prediger.


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bbr/AFP/AP/dpa/Reuters



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