Biowaffen in London Auch al-Qaida experimentierte mit Ricin

Der Fund des tödlichen Giftstoffs Ricin in London beunruhigt die Ermittler. Denn, wie jetzt bekannt wurde, hat sich auch Osama Bin Ladens Terrorgruppe al-Qaida mit der Herstellung der biologischen Waffe beschäftigt. In Labors in Afghanistan waren entsprechende Spuren entdeckt worden.


In der Wohnung über der Apotheke wurden Spuren des Giftstoffs gefunden
AP

In der Wohnung über der Apotheke wurden Spuren des Giftstoffs gefunden

London - Wie viel des todbringenden Giftstoffs Ricin in der britischen Hauptstadt hergestellt wurde, ist bislang noch völlig offen. Die sechs Männer, die bereits am Sonntag nach einer Razzia festgenommen wurden, werden derzeit von Scotland Yard-Mitarbeitern verhört. Nach einem Bericht der BBC soll es sich bei den Verdächtigen um Algerier handeln. Ob die Männer mit dem Mittel einen Anschlag planten, ist ungewiss. Unklar ist auch, ob sie eine Verbindung zu Terrorgruppen haben. Bislang wurde der Stoff nicht als biologisches Kampfmittel verwendet, sagte der Biologe Richard Sullivan dem britischen TV-Sender "Sky Television".

Allerdings, so berichtet der Online-Dienst der "Times" am Mittwoch, wurden bereits vor rund 14 Monaten Spuren biologischer Kampfmittel, darunter auch Ricin, in den Trümmern eines al-Qaida-Labors im afghanischen Kabul gefunden. Angeblich soll es auch Spuren zum Irak geben. In einem Bericht von CIA-Direktor George Tenet an den US-Kongress heißt es, eine Gruppe im Nordirak mit Verbindungen zu al-Qaida scheine mit dem Gift Ricin experimentiert zu haben. Auch von Milzbranderregern ist die Rede.

Sicherheitskräfte sperren das Haus ab, das in einer Einkaufsstraße im nördlichen London liegt
AP

Sicherheitskräfte sperren das Haus ab, das in einer Einkaufsstraße im nördlichen London liegt

Ricin ist ein Eiweiß aus dem Samen der Rizinuspflanze. Es ist Experten zufolge leicht herzustellen und zu lagern. Ricin, für das es kein bekanntes Gegenmittel gibt, gilt als hochgradig giftig. Bereits eine geringe Menge kann tödlich sei, wenn der Stoff über die Nahrung eingenommen oder eingeatmet wird. Es verursacht Grippe ähnliche Symptome, die nach einigen Tagen zum Tod führen.

Die verdächtigen Nordafrikaner seien durch einen Hinweis aufgeflogen, berichtet die BBC. Bei der Razzia seien außer den geringen Spuren des Giftstoffs auch Ausrüstung gefunden worden, um das Mittel zu produzieren.



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