Bischofsbotschaften zu Weihnachten "Prostitution ist moderne Sklaverei"

Die Themen sind militärische Konflikte, Kirchenaustritte und Fragen der Sexualität: Deutsche Bischöfe haben zu Weihnachten kontroverse Themen angesprochen - und zu mehr Solidarität aufgerufen.

Erzbischof Thissen: Frauen besser vor Menschenhandel schützen
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Erzbischof Thissen: Frauen besser vor Menschenhandel schützen


Deutschlandweit haben Bischöfe zu Weihnachten den Gläubigen Besinnliches und Kritisches für die Feiertage mitgegeben. Kein Blatt vor den Mund nahm dabei der Hamburger Erzbischof Werner Thissen, als er in seiner Weihnachtspredigt Prostitution als "moderne Sklaverei" verurteilte. "Es gibt in Deutschland mehrere hundert Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels aufgrund sexueller Ausbeutung", sagt Thissen am Dienstag in der Christmette im Hamburger St.-Marien-Dom laut vorab verbreitetem Redetext. "Die Dunkelziffer einer solchen Ausbeutung ist um ein Vielfaches höher."

Prostitution widerspreche der Würde des Menschen, betonte der Erzbischof. Thissen unterstützt daher die Absicht der schwarz-roten Bundesregierung, Frauen besser vor Menschenhandel und Zwangsprostitution zu schützen. "Die momentane Rechtslage fördert das Geschäftsmodell Prostitution und so auch den Menschenhandel mit jungen Frauen aus armen Ländern wie Bulgarien oder Rumänien. Das darf nicht sein, und deshalb muss Prostitution geächtet werden."

Hannovers Landesbischof Ralf Meister forderte ein stärkeres Engagement für Flüchtlinge. Die Tatsache, dass weltweit 45 Millionen Menschen auf der Flucht seien, sei auch eine "Anfrage an die Weihnachtsbotschaft und an das christliche Gewissen", sagte der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Zwar könne Deutschland nicht alle Flüchtlinge aufnehmen. "Aber wir müssen überlegen, wie wir ganz praktisch helfen können, etwa durch Spenden, durch internationale Organisationen vor Ort, durch Kirchengemeinden, die Wohnungen für Flüchtlinge suchen."

Der scheidende Kölner Kardinal Joachim Meisner äußerte sich zu der Frage, ob die Einstellung der katholischen Kirche zu Liebe und Sexualität noch zeitgemäß ist. Für ihn gibt es derzeit keinen Reformbedarf. "Die Kirche hat sich dem Worte Gottes anzupassen und nicht der Meinung der Menschen", sagte Meisner im Deutschlandfunk.

Die hohe Zahl an Kirchenaustritten könne nicht mit der Haltung der Kirche zu Fragen der Sexualität begründet werden. Die evangelische Kirche habe in diesem Bereich "die totale Angleichung an den Zeitgeist" definiert. "Wie ich höre, sind die Austrittszahlen da noch größer als bei uns."

Meisner kritisierte auch das Zentralkomitee der Katholiken, das sich kürzlich in einer Stellungnahme für eine aufgeklärte, beziehungsorientierte und lebensfreundliche Sexualmoral ausgesprochen hatte. Das Gremium müsse sich die Frage stellen, ob es seinem Auftrag treu geblieben sei, das Evangelium in der Welt "sichtbar und wirksam werden zu lassen".

Er sorge sich um die Menschen, die sich ihren Glauben selbst zurechtbögen "und die ihn nicht ehrfürchtig entgegennehmen", wie ihn Christus ihnen anvertraut habe. Was die Ehe angehe, so sage Christus folgerichtig: "Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen." Meisner ist mit seinen streng konservativen Haltungen auch unter Katholiken umstritten.

sto/dpa/AFP



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