Bischof Mixa unter Druck "Watschen kann ich nicht ausschließen"

Bislang hat Bischof Mixa alle Misshandlungsvorwürfe abgetan - nun schließt der Kirchenmann nicht mehr aus, dass er Kinder geohrfeigt hat. In Frankreich wurde zeitgleich ein Brief öffentlich, in dem sich ein Kardinal explizit für die Vertuschung sexuellen Missbrauchs bedankt.

Bischof Walter Mixa: "Die eine oder andere Watsche"
ddp

Bischof Walter Mixa: "Die eine oder andere Watsche"


Augsburg - Der Augsburger Bischof Walter Mixa schließt nicht mehr aus, dass er in seiner Zeit als Schrobenhausener Stadtpfarrer Kinder geschlagen hat. Es könne sein, dass er vor 20 oder 30 Jahren in seiner Zeit als Stadtpfarrer in Schrobenhausen "die eine oder andere Watsche" verteilt habe, sagte Mixa am Freitag der "Bild am Sonntag". Eine entsprechende Pressemitteilung gab inzwischen auch das Bistum Augsburg heraus.

"Das war damals vollkommen normal, und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch", sagte der Bischof. Bisher hatte er entsprechende Vorwürfe von Opfern stets strikt zurückgewiesen. Noch vor zwei Wochen hatte der Bischof demselben Blatt zu den Vorwürfen der Kindesmisshandlung gesagt: "Ich habe ein reines Herz."

Jetzt erklärte er sein Bedauern über die Züchtigungen. "Meine Einladung zum Gespräch an die Frauen und Männer, die Vorwürfe gegen mich erhoben haben, bleibt bestehen", so der Bischof. Prügelvorwürfe allerdings wies Mixa erneut zurück: Schwere körperliche Züchtigung von Kindern habe er zu keinem Zeitpunkt angewandt, betonte er.

Sonderermittler bestätigt Schläge

Die Ermittlungen des Sonderbeauftragten Sebastian Knott haben Tätlichkeiten Mixas als Stadtpfarrer bestätigt. In einer eidesstattlichen Erklärung habe ein ehemaliges Heimkind erklärt, ihm sei im Jahr 1976 von Mixa "mit voller Wucht ins Gesicht" geschlagen worden, berichtete Knott am Freitag in Schrobenhausen. Der Betroffene sei als 16-Jähriger vom Heim weggelaufen und von der Polizei zurückgebracht worden. Ein anderes Heimkind berichtete, im Zeitraum von 1990 bis 1997 von Mixa eine Ohrfeige bekommen zu haben. Bischof Mixa arbeitete von 1975 bis 1996 als Stadtpfarrer in Schrobenhausen.

Die Behörden sehen dennoch keinen Grund zum Eingreifen. Die Regierung von Oberbayern werde keine "heimaufsichtlichen Maßnahmen" für das Kinder- und Jugendzentrum St. Josef ergreifen, hieß es am Freitag. Es gebe derzeit keine Hinweise auf eine aktuelle Kindswohlgefährdung. Unterstützt vom örtlichen Jugendamt seien alle Heimkinder im Jugendhilfezentrum befragt worden.

In seiner Funktion als Vorsitzender des Münchner Vereins Kirche und SPD forderte Maget, dass Mixa sein Amt zumindest bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Kindesmisshandlung und möglicherweise finanzieller Unregelmäßigkeiten ruhen lasse. "Jeder Bischof hat das Recht, jederzeit sein Amt niederzulegen, davon sollte Bischof Mixa jetzt Gebrauch machen, um weiteren Schaden von der katholischen Kirche abzuwenden", sagte Maget laut Mitteilung.

Kardinal dankte Bischof für Vertuschung sexuellen Missbrauchs

Derweil kam heraus, dass ein ranghoher Kardinal der katholischen Kirche im Jahr 2001 einem französischen Bischof ausdrücklich dafür gedankt hat, einen Missbrauchsfall zu vertuschen.

Der frühere Präfekt der Kongregation für den Klerus im Vatikan, Kurienkardinal Darío Castrillón Hoyos, beglückwünschte damals Bischof Pierre Pican in einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben für seine Entscheidung, einen pädophilen Priester nicht den Behörden gemeldet zu haben.

Pican, Bischof der Diözese Bayeux-Lisieux im Westen Frankreichs, war damals wegen der Vertuschung zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte einen Priester gedeckt, den ein Gericht wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung Minderjähriger zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt hatte.

"Sie haben gut gehandelt und ich freue mich über einen Bischofskollegen, der in den Augen der Geschichte und aller anderen Bischöfe auf der Welt das Gefängnis dem Verrat an einem Priesterbruder vorgezogen hat", heißt es in dem Schreiben Hoyos', das die katholische französische Internet-Seite Golias veröffentlichte. Der Kurienkardinal hatte seine Ämter im Vatikan im vergangenen Jahr aus Altersgründen niedergelegt.

Der Vatikan teilte mit, das Dokument vom September 2001 zeige erneut die Bedeutung der inzwischen vorgenommenen Reformen im Vatikan. Die Zuständigkeit für Missbrauchsfälle liege nun zentral bei der Glaubenskongregation, sagte Sprecher Federico Lombardi. Damit solle ein "rigoroser und kohärenter" Umgang mit pädophilen Priestern gewährleistet werden.

Prozess gegen Holocaust-Leugner Williamson in Regensburg

Vor dem Amtsgericht Regensburg hat am Freitag der Prozess um die Leugnung des Holocaust durch den britischen Bischof Richard Williamson begonnen. Der zur erzkonservativen Piusbruderschaft gehörende Geistliche muss sich wegen Volksverhetzung verantworten, weil er die Existenz der Gaskammern zur Vernichtung der Juden im Dritten Reich bestritten hatte. Gegen einen Strafbefehl über 12.000 Euro legte Williamson Einspruch ein.

Williamson erschien entgegen einer Anordnung nicht persönlich vor Gericht. "Bischof Williamson wäre gerne gekommen, die Piusbruderschaft hat ihm nahegelegt, nicht zu kommen, um genau zu sein, sie hat es ihm verboten", sagte sein Verteidiger Matthias Loßmann zum Prozessauftakt. Die Leugnung des Holocausts ist nach dem sogenannten Volksverhetzungsparagrafen 130 strafbar, das Strafmaß reicht von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft.

Der Fall hatte im vergangenen Jahr weltweit für Aufsehen gesorgt und Papst Benedikt XVI. breite Kritik eingebracht. Der Papst hatte beinahe zeitgleich mit Bekanntwerden der Aussagen Williamsons dessen Exkommunikation aufgehoben.

Williamson hatte in einem in einem Priesterseminar der Piusbruderschaft nahe Regensburg aufgenommenen Interview des schwedischen Fernsehsenders SVT 1 dem Strafbefehl zufolge den Holocaust geleugnet. Demnach sagte er: "Ich glaube, es gab keine Gaskammern (...) Ich glaube, dass zwei- oder dreihunderttausend Juden in Nazi-Konzentrationlagern umkamen, aber nicht so." Er glaube nicht, "dass sechs Millionen Juden vergast wurden".

ala/dpa/ddp/apn

Forum - Ohrfeigen-Affäre - soll Bischof Mixa zurücktreten?
insgesamt 1559 Beiträge
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Seite 1
sichersurfen 16.04.2010
1.
Zitat von sysopBislang hat Bischof Mixa alle Misshandlungsvorwürfe abgetan - nun schließt der Kirchenmann nicht mehr aus, dass er Kinder geohrfeigt hat. Sollte er daher zurücktreten?
Er muß wohl zum Rücktritt getragen werden. Sein Herz ist ja so rein.
ernesto c 16.04.2010
2. Ruecktritt ?
Zitat von sichersurfenEr muß wohl zum Rücktritt getragen werden. Sein Herz ist ja so rein.
Stimmt: er hat das doch gebeichtet, vielleicht sogar beim Papst, und der Papst, und damit Jesus haben ihm laengst vergeben !
Michael_G 16.04.2010
3. Ohrfeigen üblich???
Mixa vertritt eine bizarre Meinung über die Erziehungspraktiken an Schulen vor 20 oder 30 Jahren. Ich bin 1966 eingeschult worden, 1970 aufs Gymnasium gekommen und mir hat lediglich auf der Grundschule der seinerzeit berüchtigte Rektor jemals eine runtergehauen. Ansonsten war uns Schülern völlig klar, dass körperliche Gewalt uns gegenüber verboten war und auch unsere Lehrer haben sich dementsprechend verhalten. Mit anderen Worten: Ohrfeigen waren also auch vor 30 Jahren verboten und dies war erzieherisches Allgemeingut. Offenbar hat Mixa da was nicht mitbekommen ...
dylan_z2002 16.04.2010
4. sofort zurücktreten
Mixa sollte sofort zurücktreten; er (und seine Berater) scheinen ja total weltfremd zu sein ... "Watschen" waren vor 20 und auch vor 30 Jahren nicht nur unüblich, sie waren sogar verboten; die Prügelstrafe war in deutschen Schulen nicht mehr erlaubt ... auch nicht für "Stadtpfarrer".
raka, 16.04.2010
5. .
Zitat von sysopBislang hat Bischof Mixa alle Misshandlungsvorwürfe abgetan - nun schließt der Kirchenmann nicht mehr aus, dass er Kinder geohrfeigt hat. Sollte er daher zurücktreten?
Ja, das sollte er jetzt tun. Die Diskrepanz von "reines Herz" und "Watschen kann ich nicht ausschließen" ist zu groß. Besonders für einen Bischof der Katholischen Kirche.
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