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Nach Auftritt bei Kundgebung: Bischof erteilt Pegida-Pfarrer Predigtverbot

Ein katholischer Pfarrer ist bei einer Pegida-Kundgebung in Duisburg mitmarschiert und beschwor den seit 1400 Jahren währenden "Glaubenskrieg" mit dem Islam. Sein Dienstherr reagierte prompt.

Münster - "Gehört denn der Islam zu Deutschland? Das ist doch ein unmögliches Wort, was die Frau Merkel da gesagt hat", kritisierte Pfarrer Paul Spätling bei einer Pegida-Demonstration am Montag in Duisburg. Etwa 500 Anhänger der Bewegung hatten sich auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof versammelt, als der 66-Jährige anhub, sich von der Pegida-feindlichen Stimmung in Teilen der katholischen Kirche zu distanzieren.

"Ich bin zum ersten Mal da, weil bei der Pegida-Demo in Köln die Lichter am Dom ausgeschaltet wurden", sagte Spätling. Der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff hatte Anfang Januar aus Protest gegen eine Demonstration der Kögida die Beleuchtung des Doms abschalten lassen. Spätling hält das "für sehr betrüblich". "Mir ist wichtig zu zeigen, dass auch Katholiken auf eurer Seite stehen", betonte der Pfarrer laut "Der Westen" - und erzürnte damit offenbar den für ihn zuständigen Bischof von Münster, Felix Genn.

"Wir weisen die Aussagen von Herrn Pfarrer Spätling entschieden zurück. Wir distanzieren uns mit Nachdruck von seinem völlig verzerrten Bild von Geschichte und Gegenwart", heißt es in einer Erklärung des Bistums. Spätling hatte in seinem Vortrag an die Glaubenskriege im Mittelalter erinnert und auf den historischen Kampf gegen "die Türken" verwiesen. Dann war er an der Spitze von Pegida-Anhängern durch die Stadt marschiert, in der Hand eine Ikone.

Für Bischof Genn hat der Pfarrer aus Emmerich damit sichtbar seine Autorität als Pfarrer und Priester missbraucht. Spätling bediene undifferenzierte Klischees über den Islam. "Er schürt mit seinen Aussagen eine Feindlichkeit gegen den Islam, die wir für gefährlich erachten", heißt es in der Erklärung des Bistums.

Genn beließ es nicht bei einer Rüge - er entzog Spätling die Predigtbefugnis. Damit ist es dem Geistlichen untersagt, "innerhalb und außerhalb von Kirchen öffentlich im Namen der Kirche zu sprechen".

Eine Bemerkung am Rande lässt auf vorherige Unzufriedenheit mit dem Gerügten schließen: Spätling habe "ohnehin schon nahezu keine priesterlichen Dienste mehr wahrgenommen", hieß es. Spätling war im Oktober 2008 vom damaligen Weihbischof Franz-Josef Overbeck nach Emmerich versetzt worden. Wie die "Rheinische Post" berichtet, soll der Seelsorger in der dortigen Gemeinde "nicht sonderlich bekannt" sein und ein zurückgezogenes Leben dem öffentlichen Auftritt vorziehen.

4000 Gegendemonstranten waren am Montag nach Duisburg gekommen, auf Pegida-Seite sollen laut Polizei auch 250 Vertreter der aggressiven Hogesa-Bewegung teilgenommen haben, der "Hooligans gegen Salafisten".

ala

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