Bischof vor Gericht Beichtgeheimnis gegen Strafrecht

Ein katholischer Bischof steht in Frankreich vor Gericht, weil er einen pädophilen Priester nicht der Justiz überantwortet hat.


Caen - Pierre Pican, Bischof von Bayeux und Lisieux in der Normandie, beruft sich auf das Beichtgeheimnis. Er wusste seit Anfang 1997 von den Verfehlungen des Pfarrers René Bissey, der wegen sexueller Misshandlung von elf Kindern im September 1998 festgenommen und zu 18 Jahren Haft verurteilt wurde.

Der 66 Jahre alte Bischof verweigerte im Prozess gegen Bissey im Oktober letzten Jahres als Zeuge die Aussage, da bereits gegen ihn ermittelt wurde. Die Klage einer Kinderschutzorganisation brachte ihn selbst vor ein Schwurgericht. Zum Auftakt des Prozesses in Caen fiel ein heute 22-jähriges Opfer des Priesters in Ohnmacht. Die Aussage des jungen Mannes hatte zur Verhaftung Bisseys geführt.

Bischof Pican hatte dem Priester Anfang 1997 zunächst empfohlen, sich psychiatrisch behandeln zu lassen und ihn dann in einem Wohnheim untergebracht. Schließlich ernannte er ihn aber zum Pfarrer in einem Dorf in der Normandie, wo Bissey wenig später festgenommen wurde. Der geständige Priester hat Berufung gegen die langjährige Haftstrafe eingelegt.

Der Fall wirf ein Schlaglicht auf das schwierige Verhältnis der französischen katholischen Kirche mit pädophilen Geistlichen. Im November letzten Jahres betonte die Vollversammlung der Bischöfe in Lourdes, sexuelle Misshandlung von Kindern dürfe nicht verschwiegen und die Täter müssten der Justiz übergeben werden. Im Dezember 2000 informierte der Bischof von Evreux, Jacques David, die Staatsanwaltschaft vom Verdacht gegen einen Geistlichen in seinem Sprengel.



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