Bischof Walter Mixa: Watschen im Namen des Herrn

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Nun erinnert er sich also doch: Nach Wochen des Leugnens räumt Walter Mixa ein, vor vielen Jahren Heimkinder geohrfeigt zu haben. Die moralische Autorität des Kirchenmannes ist damit schwer beschädigt, als Bischof von Augsburg und als Militärbischof dürfte er kaum noch zu halten sein.

Augsburger Bischof Mixa: "Die eine oder andere Watsch'n" Zur Großansicht
DPA

Augsburger Bischof Mixa: "Die eine oder andere Watsch'n"

Nun also doch, Herr Bischof Mixa, setzt bei Ihnen die Erinnerung ein: Sie seien kein Schläger gewesen, sagen Sie, sondern hätten nur ein bisschen geohrfeigt.

In einem SPIEGEL-Gespräch haben Sie mir vor kurzem noch erzählt: "Ich gehöre nicht zu denen, die gern von 'einerseits und andererseits' reden, wenn man lieber klar sein sollte."

Was also werden Sie in zwei Wochen zugeben, pardon, woran werden Sie sich klar erinnern?

Noch vor 14 Tagen jedenfalls haben Sie noch beteuert, "zu keiner Zeit körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt" zu haben. Jetzt, nach langem Zögern, haben Sie "ganz ehrlich" gesagt, dass Sie "als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschen von vor zwanzig Jahren natürlich nicht ausschließen" könnten.

Sie sagen, das sei damals "ganz normal" gewesen.

Moment mal bitte, Herr Bischof, vor 20 Jahren? 1990? Ganz normal? Sie waren von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer in Schrobenhausen, nicht in den fünfziger oder sechziger Jahren. Eines Ihrer Opfer berichtet ja auch von Schlägen ins Gesicht in den neunziger Jahren. Sie haben als Priester also kleine Kinder geschlagen, als es längst nicht mehr "normal" war!

Form der Verharmlosung

Nun ja, die Schläge im Namen des Herrn sind in katholischen Kinder- und Erziehungsheimen überall in Deutschland wirklich ein trauriges Kapitel - oder wie Sie vielleicht formulieren würden: jahrzehntelange "Normalität".

Solche Formen der Verharmlosung empfinden Opfer jedoch, die noch heute unter den Folgen dieser Erziehung leiden, als Verhöhnung. Acht Menschen sind es inzwischen, die in Ihrem Fall ausführlich berichten. Und es sieht so aus, als könnten es noch mehr werden.

Ihr Bistum aber hat vor Wochen die Vorwürfe umgehend und entschieden zurückgewiesen, sie als "Versuch der Diffamierung" bezeichnet und sogar mit rechtlichen Schritten gegen die Opfer gedroht.

Ist das eine christliche Aufarbeitung?

In Ihrer eigenen Kirche sehen inzwischen viele mit Grausen, wie Sie bisher auf die Vorwürfe reagiert haben. Einige, die ich am Donnerstag beim Jahresempfang der Caritas in Berlin sprach, nennen Ihr Vorgehen nur "unglücklich". Andere Katholiken beginnen sich Ihrer zu schämen und wünschen, dass Sie abtreten - mit welcher Begründung auch immer.

Fragwürde Geldgeschäfte

Es sind ja nicht nur die "Watsch'n": Als Bischof waren Sie in fragwürdige Geldgeschäfte verwickelt, bei denen als Entschuldigung bisher gelten soll, Sie hätten vielleicht den Überblick verloren. Sie haben auch über Frauen als "Gebärmaschinen" sinniert und darüber philosophiert, dass die sexuelle Revolution Schuld an den Missbrauchsfällen in Ihrer Kirche sei.

Welchen Wert, glauben Sie eigentlich, werden Ihre Äußerungen in Zukunft noch haben? Welche Autorität besitzen Sie noch in Ihrem Amt?

Als Militärbischof wären Sie gerade jetzt besonders gefragt, weil in Afghanistan deutsche Soldaten fallen. Sie müssten den Deutschen eine wichtige Stimme sein. Auch dieses Amt ist durch Sie beschädigt.

Der Vizepräsident des bayerischen Landtags, Franz Maget, ein Sozialdemokrat, fordert nun Ihren Rücktritt. Maget macht das in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vereins Kirche und SPD in München. Sie, Herr Mixa, sagt er, sollten Ihr Amt niederlegen, um weiteren Schaden von der katholischen Kirche abzuwenden.

Was meinen Sie, Herr Bischof?

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Forum - Ohrfeigen-Affäre - soll Bischof Mixa zurücktreten?
insgesamt 1559 Beiträge
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1.
sichersurfen 16.04.2010
Zitat von sysopBislang hat Bischof Mixa alle Misshandlungsvorwürfe abgetan - nun schließt der Kirchenmann nicht mehr aus, dass er Kinder geohrfeigt hat. Sollte er daher zurücktreten?
Er muß wohl zum Rücktritt getragen werden. Sein Herz ist ja so rein.
2. Ruecktritt ?
ernesto c 16.04.2010
Zitat von sichersurfenEr muß wohl zum Rücktritt getragen werden. Sein Herz ist ja so rein.
Stimmt: er hat das doch gebeichtet, vielleicht sogar beim Papst, und der Papst, und damit Jesus haben ihm laengst vergeben !
3. Ohrfeigen üblich???
Michael_G 16.04.2010
Mixa vertritt eine bizarre Meinung über die Erziehungspraktiken an Schulen vor 20 oder 30 Jahren. Ich bin 1966 eingeschult worden, 1970 aufs Gymnasium gekommen und mir hat lediglich auf der Grundschule der seinerzeit berüchtigte Rektor jemals eine runtergehauen. Ansonsten war uns Schülern völlig klar, dass körperliche Gewalt uns gegenüber verboten war und auch unsere Lehrer haben sich dementsprechend verhalten. Mit anderen Worten: Ohrfeigen waren also auch vor 30 Jahren verboten und dies war erzieherisches Allgemeingut. Offenbar hat Mixa da was nicht mitbekommen ...
4. sofort zurücktreten
dylan_z2002 16.04.2010
Mixa sollte sofort zurücktreten; er (und seine Berater) scheinen ja total weltfremd zu sein ... "Watschen" waren vor 20 und auch vor 30 Jahren nicht nur unüblich, sie waren sogar verboten; die Prügelstrafe war in deutschen Schulen nicht mehr erlaubt ... auch nicht für "Stadtpfarrer".
5. .
raka 16.04.2010
Zitat von sysopBislang hat Bischof Mixa alle Misshandlungsvorwürfe abgetan - nun schließt der Kirchenmann nicht mehr aus, dass er Kinder geohrfeigt hat. Sollte er daher zurücktreten?
Ja, das sollte er jetzt tun. Die Diskrepanz von "reines Herz" und "Watschen kann ich nicht ausschließen" ist zu groß. Besonders für einen Bischof der Katholischen Kirche.
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Merkel zum Missbrauch
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"Ein verabscheuungswürdiges Verbrechen"
"Ich glaube, wir sind uns alle einig: Sexueller Missbrauch an Kindern und an Schutzbefohlenen ist ein verabscheuungswürdiges Verbrechen. Und es gibt nur eine Möglichkeit, dass unsere Gesellschaft mit diesen Fällen klar kommt, und das heißt Wahrheit und Klarheit über alles, was passiert ist. Ich glaube, jedem ist bewusst, dass die Menschen, die so etwas erlebt haben, dass deren Leben einfach anders verläuft, als wenn sie das in jungen Jahren nicht erlebt hätten. Das begleitet sie ein ganzes Leben. Und völlige Wiedergutmachung wird und kann es nicht geben.

Ich sage auch: Es hat jetzt keinen Sinn, auch wenn uns die ersten Fälle aus dem katholischen Bereich zu Ohren gekommen sind, es hat keinen Sinn, es auf eine Gruppe zu beschränken. Es ist etwas, was sich in vielen Bereichen der Gesellschaft ereignet hat, und es ist vor allen Dingen auch etwas, was sich heute teilweise in anderer Form, aber mit gleichen Folgen, weiter ereignet. Deshalb bin ich froh, dass die drei Ministerinnen, Frau Leutheusser-Schnarrenberger, Kristina Schröder und Annette Schavan, gemeinsam ein Gesprächsforum bilden mit den Betroffenen, mit denen, aus denen auch diese Fälle bekanntwerden, und dass man sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft blickt.

Aber lassen Sie uns die Sache nicht zu einfach machen. Man muss über Verjährung sprechen, man kann über Entschädigung sprechen, aber insgesamt kommt es darauf an, und das ist eine Bewährungsprobe für unsere ganze Gesellschaft, dass Menschen, die so etwas erfahren haben, sich in dieser Gesellschaft wieder anerkannt, aufgehoben fühlen und wenigstens das Stück Wiedergutmachung bekommen, was man im Nachhinein noch schaffen kann."
Beratungstellen
Polizei
Auf der Seite polizei-beratung.de finden Sie durch Eingabe von Postleitzahl oder Wohnort Polizeiberatungsstellen in Ihrer Nähe.
Nummer gegen Kummer
Wenn Kinder und Jugendliche nicht wissen, an wen sie sich wenden können, hilft eine Telefon-Hotline weiter, die in ganz Deutschland zu erreichen ist - und zwar kostenlos, selbst mit leerer Handy-Karte. Die "Nummer gegen Kummer" lautet 0800-111 0 333. Im Jahr 2008 haben dort rund 3000 Kinder und Jugendliche angerufen, um über sexuellen Missbrauch zu sprechen. Mit den Leuten an der Hotline kann man auch über andere Probleme reden, etwa wenn man Stress mit den Eltern hat.
N.I.N.A. e.V.
Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen (N.I.N.A.)
Hotline: 01805/123465 (montags 9 bis 13 Uhr, dienstags und donnerstags 13 bis 17 Uhr; Anrufe kosten im Festnetz 14 Cent pro Minute)
Steenbeker Weg 151, 24106 Kiel
http://www.nina-info.de/
Zornrot e.V.
Die Beratungsstelle unterstützt Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, die direkt oder indirekt von sexualisierter Gewalt betroffen sind.
Hotline: 040/7217363 (montags bis freitags, 10 bis 12 Uhr, freitags auch 16 bis 17 Uhr)
Vierlandenstraße 38, 21029 Hamburg
http://www.zornrot.de/
Katholische Kirche
Bundesweite Telefon-Hotline „Hilfe für Opfer sexuellen Missbrauchs“
Telefon: 0800 120 1000 (kostenfrei), Di, Mi, Do von 13 bis 20.30 Uhr, www.hilfe-missbrauch.de
Odenwaldschule
Die Odenwaldschule hat als externe Ansprechpartnerin die Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller beauftragt.
Telefon: 0611/373258
Spiegelgasse 9, 65183 Wiesbaden
http://www.kanzlei-burgsmueller.de/