Italienische Pfarrer auf Abwegen Bunga-Bunga in Albenga

Der eine baggert Ehefrauen an, der andere posiert nackt im Internet: Im norditalienischen Bistum Albenga-Imperia scheinen einige Pfarrer auf Abwegen. Nun will der Papst einen Helfer in die sündige Diözese schicken.

Von , Rom

Die Cattedrale di Albenga: In dem Bistum Albenga-Imperia treiben einige Pfarrer ihr Unwesen
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Die Cattedrale di Albenga: In dem Bistum Albenga-Imperia treiben einige Pfarrer ihr Unwesen


Albenga ist eine kleine Stadt an der Küste Liguriens im Nordwesten Italiens. Rund 23.000 Menschen leben dort, es gibt eine Kathedrale mit Grundmauern aus dem 11. Jahrhundert und einen Bischof, der seit einem Vierteljahrhundert die Messen liest - gerne in lateinischer Sprache. Bischof Mario Oliveri heißt der Geistliche, und derzeit hat er andere Sorgen als seine Messe und außerdem ungewohnte Gesprächspartner: Staatsanwälte und aufgeschreckte Emissäre aus Rom.

Skurrile Geschichten aus dem Innenleben des kleinen von Oliveri geleiteten Kirchenreichs beschäftigen die Öffentlichkeit schon seit Längerem. Zu seinem Bistum gehören die Nachbarstadt Imperia und etliche Kommunen im Umland. In einer davon geht es zum Beispiel um einen Pfarrer, der versetzt wurde, weil er eine Geliebte gehabt haben soll. Nicht gerade gut-katholisch.

Dessen Nachfolger machte keine bessere Figur, theologisch gesehen zumindest. Er posierte nackt auf einer Internetseite für Schwule. Bei offiziellen Kirchendingen außer Haus arbeitete er regelmäßig hinter der Theke einer Bar, die nicht nur Kaffee und Schnaps, sondern auch Sex mit Prostituierten angeboten haben soll. So erzählt man es jedenfalls im Ort, so steht es auf Blogs und in Lokalzeitungen.

Klatsch von "unbefriedigten Weibern"

Ein anderer Hirte brannte mit der Kirchenkasse durch. Dessen Nachfolger machte wegen eines engen Freundes von sich reden. Der Pfarrer stand nicht nur auf Bodybuilding, sondern erregte sich lautstark über die üble Nachrede von bösen "unbefriedigten Weibern" über sich selbst und seinen Freund.

Im Örtchen Diano San Pietro wiederum empörte sich der Hafenkommandant über den örtlichen Pfarrer. Der habe während der Prozession ungeniert seine Gattin angebaggert. Ein weiterer Gottesmann aus der Region baggerte ganz anders, aber nicht weniger dezent: Er präsentierte sich auf Facebook, nackt.

Viele solcher Geschichten kursieren in der Diözese. Manche sind vielleicht bloße Gerüchte, andere eher Schmunzel-Storys aus dem Kirchenleben. Aber nicht alle sind amüsant.

Ein Priester soll angeblich junge Touristinnen am Strand begrabscht haben. Andere Kirchendiener sollen sich an Menschen, die ihnen vertrauten, vergangen haben. "Dutzende Ermittlungen" hätten Staatsanwaltschaften der Region in den vergangenen Jahren gegen Kirchendiener eingeleitet, berichtet die Tageszeitung "La Repubblica".

Ein "Helfer" für den Bischof

Zumindest ein Fall ist öffentlich bekannt, in dem ein Pfarrer zu sieben Jahren und acht Monaten Haft verurteilt wurde, weil er einen Messdiener sexuell missbrauchte. In etlichen weiteren Fällen laufen die Ermittlungen demnach noch. Seit ein paar Wochen kümmert sich auch der Vatikan intensiver um die Gemeinde und den "Bischof der Skandale", wie die regionale Nachrichtenseite "Il Secolo XIX" Oliveri nennt.

Papst Franziskus schickte den Vatikan-Diplomaten Adriano Bernardini an die ligurische Küste, um den womöglich verruchten und verworfenen, gewiss aber verworrenen Vorgängen vor Ort nachzuspüren.

Bernardinis Bericht muss wohl desaströs ausgefallen sein. Denn seit Anfang dieser Woche berichten italienische Medien übereinstimmend, dass der Papst in Kürze dem Albenga-Bischof einen "Helfer" zur Seite stellen werde. Der werde faktisch die Amtsgeschäfte übernehmen, der 70 Jahre alte Oliveri dürfe freiwillig in den wohlverdienten Ruhestand gehen.

Seit einigen Wochen erschüttern weitere strafrechtliche Ermittlungen die Provinz. Luisa Bonello, eine Ärztin aus Savona, hatte den priesterlichen Missbrauch an einigen ihrer Patienten dokumentiert. Sie stand an der Spitze derjenigen, die Aufklärung im Bistum fordern, sie berichtete nach Rom und sprach sogar mit dem Papst.

Im Bistum wurde sie deshalb diskreditiert, sie sei "seelisch verwirrt" ließen Kirchenleute verbreiten. Ihren Beichtvater durfte die praktizierende Katholikin Bonello nicht mehr besuchen. Einen Tag vor einer geplanten Reise nach Rumänien, wo sie eine Kinderambulanz eröffnen wollte, wurde sie tot aufgefunden, vermutlich Suizid. Die genauen Umstände sind ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eröffnet, wegen "Anstiftung zum Suizid".

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alexxa2 24.10.2014
1. Tja, wer 2014
noch seine Kohle d. Verein im Rachen schmeißt, ist selber schuld. Und wir wissen nichtmal die Hälfte was dort passiert.Kinderschänder unter (luxus) Hausarrest, ist nur eine offizielle Perversion.(von vielen)
mfgkw 24.10.2014
2. Und das im Jahr 2014
Das sind Zustände wie im Mittelalter hier, oder in fundamentalistisch gesegneten Gegenden der großen Religionen im Nahen Osten. Europa ist nicht durchgehend viel weiter, und die katholische Kirche nicht prinzipiell besser als Islamisten oder jüdische Fundamentalisten :-( Das Problem ist wohl nicht welche Religion, sondern nur ob überhaupt Religion.
raber 24.10.2014
3. Erfolglose Anzeigen gegen Priester
Wieso sind die "Dutzende Ermittlungen" der regionalen Staatsanwaltschaften erfolglos? Seit Jahren eingeleitet und nur ein Fall endet mit Haft? Zusammenspiel von Staat und Kirche?
ambesten 24.10.2014
4. der Fisch Italien
stinkt nicht nur vom Kopf . Da stinkt alles.
Jasper Fetherstone 24.10.2014
5. Bernardo Gui
Zitat von mfgkwDas sind Zustände wie im Mittelalter hier, oder in fundamentalistisch gesegneten Gegenden der großen Religionen im Nahen Osten. Europa ist nicht durchgehend viel weiter, und die katholische Kirche nicht prinzipiell besser als Islamisten oder jüdische Fundamentalisten :-( Das Problem ist wohl nicht welche Religion, sondern nur ob überhaupt Religion.
Tja, eben nicht, denn im Mittelter hätte der Papst dieser Diözese nicht einen "Helfer", sondern einen Bernardo Gui geschickt :-)
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