Blasphemievorwurf in Pakistan: Hexenjagd in der Mädchenschule

Von , Islamabad

Eine Lehrerin soll blasphemisches Unterrichtsmaterial ausgeteilt haben. Es gibt keine Beweise, doch Eltern attackieren die Schule. Die Polizei in Pakistan nimmt die Frau und den Schulleiter fest. Vorwürfe wegen Gotteslästerung häufen sich - und haben selten etwas mit Religion zu tun.

Blasphemievorwurf: Unterstützung für die Schulleitung der Farooqi-Mädchenschule Zur Großansicht
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Blasphemievorwurf: Unterstützung für die Schulleitung der Farooqi-Mädchenschule

Plötzlich stehen sie da, am frühen Morgen: Hunderte von Menschen, aufgebracht, wütend, mit fortschreitender Zeit auch gewaltbereit. Die Polizei ist überfordert, sie hat nicht damit gerechnet. Die Demonstranten - Eltern, Schüler und ein paar Religionsgelehrte - versammeln sich vor der Farooqi-Mädchenschule in der pakistanischen Millionenmetropole Lahore, benannt nach dem Besitzer und Schulleiter Asim Farooqi. Irgendwann fliegen Steine, werden Möbel und Computer aus dem Gebäude gezerrt und angezündet, auch ein Auto geht in Flammen auf.

Wogegen sich ihre Gewalt am Mittwoch richtet, wissen sie selbst nicht. Sie sind gekommen, weil sie Gerüchte gehört haben: Die Lehrerin Arifa Ahmed soll in der vergangenen Woche Fotokopien mit gotteslästerlichem Inhalt an ihre Schülerinnen verteilt haben. Manche pakistanischen Zeitungen berichten dagegen, sie habe einen blasphemischen Kommentar an den Rand der Hausaufgabe eines Sechstklässlers geschrieben. Im Grunde genommen ist der exakte Vorwurf den Menschen auch egal - das Wort Blasphemie genügt, um sie zu mobilisieren.

Ein Lehrer an einer Koranschule in der Nachbarschaft hat Anzeige erstattet, weil ihm die Gerüchte ebenfalls zu Ohren gekommen sind. Er sagt: "Wir haben das getan, um das Problem auf legalem Wege anzugehen und Unruhen zu verhindern." Gewalt, sagt er, sei keine Lösung und schade dem Ansehen des Islam.

Gotteslästerung ist in Pakistan eine Straftat. Wer den Koran schändet, muss mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen, eine Beleidigung des Propheten Mohammed kann sogar mit der Todesstrafe geahndet werden. Zwar wurde bislang niemand nach diesem Gesetz hingerichtet, doch nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden mindestens 50 Menschen, denen Blasphemie vorgeworfen wurde, infolge von Selbstjustiz ermordet.

Das Blasphemiegesetz, unter britischer Kolonialherrschaft eingeführt, wurde in der heutigen radikalen Form erst in den achtziger Jahren vom islamistischen Militärdiktator Zia ul-Haq durchgesetzt. Seither wurden mehr als 1200 Menschen angeklagt, derzeit sind etwa hundert Verfahren anhängig.

Nur selten geht es dabei um Religion. "Der Vorwurf der Blasphemie ist in Pakistan zu einem Instrument der Hexenjagd geworden", sagt Raza Rumi, Direktor des liberalen Think-Tanks Jinnah Institut in Islamabad. "Es geht in Wahrheit darum, Gegner bei Streitigkeiten zu schaden." Religion werde hier missbraucht für Querelen, die mit dem Glauben nichts zu tun hätten.

So landen Menschen unschuldig im Gefängnis

Die pakistanische Menschenrechtsaktivistin Tahira Abdullah kritisiert die Gesetzeslage als "extrem schlecht". "Wenn einer jemandem Geld schuldet, wirft er ihm einfach Blasphemie vor, dann kommt der Beschuldigte für viele Jahre in Haft. Wird er entlassen, muss er aus Angst vor Lynchjustiz für immer untertauchen. Derjenige, der den Vorwurf erhebt, ist seine Schulden los. So geht es bei Landstreitigkeiten, bei Problemen mit dem Chef, bei Ärger mit den Nachbarn oder wenn einem einfach das Gesicht eines anderen nicht passt." So landeten Menschen unschuldig im Gefängnis. "Bei Blasphemie wird die Schuldfrage immer erst hinterher geklärt", sagt Abdullah.

Auch im jüngsten Fall heißt es, die Hintergründe für den Vorwurf lägen jenseits der Religion, nämlich in Streitigkeiten mit anderen Schulen in der Region. "Die Farooqi-Mädchenschule hat einen guten Ruf, und offensichtlich haben andere Schulen Interesse, diesen Ruf zu beschädigen", sagt ein Abgeordneter, der - wie alle Politiker, wenn es um das Thema Blasphemie geht - namentlich nicht genannt werden will. Außerdem heißt es, ein Lehrer, der kürzlich entlassen wurde, wolle eine Rechnung mit seinem alten Arbeitgeber begleichen.

Plötzlich richten sich die Vorwürfe auch gegen den Schulleiter. Er sei ein "schlechter Mann", zitiert die "Express Tribune" ein Kind in der Menge. "Seine Schule sollte zerstört werden." Ein Vater sagt der Zeitung: "Er ist eine sehr unanständige Person und sollte bestraft werden. Er kassiert hohe Schulgebühren und nimmt keine Rücksicht auf Beschwerden."

Schulleiter Farooqi, der insgesamt drei Schulen in Lahore betreibt, versuchte, die bedrohliche Lage zu entschärfen, indem er die Lehrerin entließ. Doch es nutzte nichts. Auf Druck der Masse, sagt ein Polizist, habe man sowohl die Lehrerin als auch den Schulleiter am Donnerstag festgenommen. "Es geschieht zu ihrem eigenen Schutz", sagt er. "Sonst würden die beiden womöglich Opfer des Mobs."

Blasphemievorwürfe und Selbstjustiz

Um die Vorwürfe gegen die Lehrerin und den Schulleiter zu prüfen, hat am Freitag eine Kommission die Arbeit aufgenommen. Abgeordnete des nationalen Parlaments und der Provinz Punjab, Religionsgelehrte und Polizisten sollen sich die Angelegenheit genauer anschauen und Stellung beziehen. Ausdrücklich sollen sie auch die Verantwortlichen für die gewalttätigen Proteste benennen.

Es ist der aktuellste Fall in einer Reihe von Blasphemievorwürfen in Pakistan. In der vergangenen Woche sollten mehrere Pädagogen in Lahore verurteilt werden, weil sie vor drei Jahren ein Schulbuch veröffentlicht hatten, das unter anderem die Aufgabe beinhaltete, bei sechs vorgegebenen Personen die Heldenhaftigkeit zu beschreiben. Zu den genannten Figuren zählte der Prophet Mohammed ebenso wie der "Sir Qurban" genannte Leiter ebenjener Schule. Daraufhin wurde diesem vorgeworfen, er stelle sich mit dem Propheten auf eine Stufe. Ein Urteil wurde nur deshalb nicht gefällt, weil die Angeklagten nicht vor Gericht erschienen.

Nirgendwo sonst auf der Welt kam es im September nach Veröffentlichung des Mohammed-Schmähvideos auf YouTube zu solch heftigen Gewaltausbrüchen wie in Pakistan.

Weltweit Schlagzeilen machte der Fall des Mädchens Rimsha Masih, einer Christin, der vorgeworfen wurde, Seiten eines Koranlehrbuchs verbrannt zu haben. Dabei ist sie erst 14 Jahre alt und geistig zurückgeblieben. Alles deutet darauf hin, dass muslimische Nachbarn die Christen aus dem Armenviertel in Pakistans Hauptstadt Islamabad vertreiben wollten. Tatsächlich flohen die Christen für mehrere Wochen - aus Angst vor Gewalt.

Die Angst, sich kritisch zu äußern, ist größer als jeder Reformwille

Und noch immer sitzt Asia Bibi, eine Christin aus einem Dorf in der Provinz Punjab, im Gefängnis. Sie wurde im November 2010 zum Tode verurteilt, weil sie angeblich Jesus über Mohammed stellte. Alle Indizien deuten aber vielmehr auf einen Streit unter Nachbarinnen hin.

Auch dieser Fall erregte weltweit Aufmerksamkeit. Damals setzten sich Politiker für die Frau ein. Provinz-Gouverneur Salman Taseer forderte ebenso eine Reform des Blasphemiegesetzes und Freiheit für Asia Bibi wie der Minderheitenminister Shahbaz Bhatti. Beide bezahlten ihr Engagement mit dem Leben: Sie wurden innerhalb weniger Wochen Anfang 2011 umgebracht.

Seit fünf Jahren existiert eine Regierungskommission, die den Auftrag hat, Reformvorschläge zu erarbeiten. Bislang hat sie nichts vorgelegt. Die Angst, sich öffentlich kritisch zum Thema Blasphemiegesetz zu äußern, ist größer als jeder Reformwille.

Dabei drängt die Zeit. "Die Zahl der Missbräuche des ohnehin schlechten Gesetzes nimmt zu", warnt Zaman Khan von der unabhängigen Menschenrechtskommission in Pakistan. "Niemand hat das Recht, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen", sagt er. Aber so lange dieses Gesetz unverändert bestehe, werde es Blasphemievorwürfe und Selbstjustiz geben.

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Ähem...
Zappa_forever 02.11.2012
Zitat von sysopEine Lehrerin soll blasphemisches Unterrichtsmaterial ausgeteilt haben. Es gibt keine Beweise, doch Eltern attackieren die Schule. Die Polizei in Lahore nimmt die Frau und den Schulleiter fest. Vorwürfe wegen Gotteslästerung häufen sich - und haben selten etwas mit Religion zu tun. Blasphemie in Pakistan: Hexenjagd in Mädchenschule - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/blasphemie-in-pakistan-hexenjagd-in-maedchenschule-a-864935.html)
...umformulieren? Die Beweg- und Hintergründe haben vielleicht wenig mit Religion zu tun. Sobald die Religion aber als Begründung ins Feld geführt wird ist sie mitten im Geschehen.
2. Was wohl Frau Hani Yousuf dazu sagt?
RacingGreen 02.11.2012
Wo doch die pakistanische Emanzipation viel weiter ist, als hierzulanden. TsTs. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/emanzipation-und-feminismus-was-der-westen-von-pakistan-lernen-kann-a-847477.html
3. Wird ihnen eigentlich jemals auffallen...
MarkusRiedhaus 02.11.2012
Das es gar keine Rolle spielt ob Religion "involviert" wäre, sondern dass Religion allein schon schädlich ist wenn man behaupten kann es wäre so? Das ist ja die Krux. Würde man irgendwo jemanden nicht mögen und sagen: Guck mal der ist ein Schwarzer! und würde dann ein rassistischer Mob auftauchen und die Person zu meucheln, so hat der Hass auf Person X nicht zwangsläufig mit der Hautfarbe zu tun. Rassismus wäre aber dennoch sofort ein Reflex der immer zieht um Mord und Totschlag zu generieren. So ist das auch mit der Religion. Solange man noch "Jehova" rufen kann und alle die Steine erheben "Er hat Jehova gesagt!" ist Religion nun einmal schädlich. Das kann man nicht weg relativieren. Wer das tut verschleiert nur die vielen Gesichter des Bösen.
4. Ist der Ruf erst ruiniert...
Meckermann 02.11.2012
Keine Sorge, da kann man nichts mehr kaputtmachen.
5.
heinz4444 02.11.2012
Das ist wie Europa vor 500 Jahren.
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Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
AP
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
REUTERS
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.