BND-Erkenntnis "Al-Qaida wirbt in Deutschland Kämpfer für Irak an"

Nach Erkenntnissen des deutschen Geheimdienstes BND beteiligen sich extremistische Islamisten aus Europa an den Anschlägen gegen das US-Militär im Irak. Die Professionalität der Attentate weise darauf hin, dass al-Qaida inzwischen eine wichtige Rolle dabei spiele.


Nahezu täglich sterben im Irak Soldaten der Besatzungsmächte bei Anschlägen
REUTERS

Nahezu täglich sterben im Irak Soldaten der Besatzungsmächte bei Anschlägen

Berlin - "Wir haben Erkenntnisse, dass auch in Deutschland Kämpfer - extremistische Islamisten - aufgebrochen sind, um im Irak mitzukämpfen", sagte BND-Präsident August Hanning am Mittwochabend in den ARD-Tagesthemen. Der Irak drohe wie Afghanistan in den achtziger Jahren zu einem Kristallisationspunkt für islamische Extremisten zu werden. Der Bundesnachrichtendienst gehe auch davon aus, dass die Extremisten-Organisation al-Qaida inzwischen eine wichtige Rolle bei den Anschlägen im Irak und den Angriffen auf die dortigen Besatzungsmächte spielten.

"Wir haben Anhaltspunkte, dass auch in Europa geworben wird für die Teilnahme an dem Krieg im Irak", sagte Hanning der ARD. Außer Deutschland als Ausgangsland der Kämpfer nannte er auch Großbritannien und das weitgehend muslimische Bosnien.

Die "Professionalität der Anschlagsausführung" im Irak, die hohen Opferzahlen und die Tatsache, dass sich die Attentate gegen zivile Ziele richteten, ließen darauf schließen, "dass al-Qaida aktiv ist und auch mitwirkt an den Anschlägen", sagte der deutsche Geheimdienstchef weiter. Im Irak waren unter anderen auch der Sitz der Vereinten Nationen (Uno) und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) Ziel von Anschlägen.

BND-Chef August Hanning
DPA

BND-Chef August Hanning

Da in der islamischen Welt ein Gefühl der Demütigung durch den Westen empfunden werde, "fürchten wir, dass wir in Irak eine ähnliche Situation bekommen wie in Afghanistan unter sowjetischer Besatzung", sagte Hanning. "Irak könnte ein Kristallationspunkt werden für islamistische Extremisten." Während der sowjetischen Besatzung Afghanistans von Ende Dezember 1979 bis Februar 1989 entwickelten sich zahlreiche Widerstandsgruppen im Land, die ihren Kampf religiös begründeten.

Zugleich warnte der BND-Präsident vor weiteren Anschlägen in Saudi-Arabien. "Wir haben Warnungen auf Anschläge gegen diplomatische Vertretungen, aber auch gegen Wohngebiete von Ausländern." Zunehmend gebe es aber auch Warnungen, dass das Königshaus selbst Ziel von Attentaten sein könnte. "Das ist in der Tat eine neue Qualität", sagte Hanning. Bei einem Anschlag auf ein Ausländer-Wohnviertel in der saudiarabischen Hauptstadt Riad am 8. November wurden mindestens 17 Menschen getötet. Die USA warnten anschließend davor, dass die al-Qaida das Königshaus des Landes stürzen wolle. Bin Laden ist in Saudi-Arabien geboren, wo eine sehr konservative Auslegung des Islams praktiziert wird.

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