Bobbahn-Unfall mit einem Toten Verletzte lagen über eine Stunde im Eiskanal

Auf einem Kinderschlitten rasten drei Freunde nachts heimlich über eine Bobbahn - und prallten gegen einen Traktor. Ein 25-Jähriger starb, seine Kumpel wurden schwer verletzt. Die beiden warteten über eine Stunde im Eiskanal auf Hilfe.

Mini-Traktor im Eiskanal der Bobbahn in Winterberg
DPA

Mini-Traktor im Eiskanal der Bobbahn in Winterberg


Winterberg/Meschede - Die Suche nach einem kleinen nächtlichen Abenteuer endete für vier Männer aus Hamm in einem Desaster: Auf einem Kinderschlitten wollten drei von ihnen durch den Eiskanal einer Bobbahn in Winterberg rutschen. Doch bei voller Fahrt stießen sie auf ein unerwartetes Hindernis: Ein Mini-Traktor, mit dem üblicherweise die Eisfläche aufbereitet wird, parkte mitten im Zieleinlauf. Die drei Männer prallten auf das Gefährt.

Ein 25-Jähriger kam ums Leben, seine beiden 26 und 29 Jahre alten Freunde wurden schwer verletzt. Ein Anwohner der Wintersportanlage hörte ihre Hilferufe und alarmierte die Polizei - allerdings erst mehr als eine Stunde nach dem Unfall, wie die Staatsanwaltschaft Arnsberg jetzt bestätigte.

Die Leiche des 25-Jährigen soll nun obduziert werden, um Aufschluss über den Unfallhergang zu bekommen. "Bisher gibt es keinen Hinweis darauf, dass jemand anderes als die Geschädigten verantwortlich ist", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Klaus Neulken.

Bisherigen Erkenntnissen zufolge waren die vier Männer aus Hamm am späten Freitagabend nach Winterberg im Sauerland gefahren. Zunächst sollen sie mit dem Kinderschlitten auf Skipisten unterwegs gewesen sein. Gegen drei Uhr morgens hätte das Quartett dann den Zaun zum Bobbahn-Gelände überwunden. Drei Freunde wollten die Bahn hinunterfahren, der vierte im Bunde soll laut eigener Aussage versucht haben, sie davon abzuhalten. Drogen oder Alkohol waren laut Polizei nicht im Spiel.

Der 26-Jährige sei dann mit dem Auto zur Hauptstraße gefahren, um dort auf seine Kollegen zu warten. Kurz danach müssen die drei Männer im stockdunklen Eiskanal in den Trecker gerast sein. "Der Vierte hat sich wohl nichts dabei gedacht, als seine Freunde nach einer Stunde noch nicht zurück waren", sagte Staatsanwalt Neulken. Der Mann habe vermutet, dass das Trio den Eiskanal noch einmal hinunterfahre.

Der Anwohner meldete sich kurz nach vier Uhr bei der Polizei. Als die Rettungskräfte eintrafen, lagen die Verletzten vermutlich schon eine Stunde auf dem Eis. "Sie waren schwer verletzt und unterkühlt", sagte Neulken. Für den 25-Jährigen sei jede Hilfe zu spät gekommen.

ala/dpa

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