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Brindisi: Bombe explodiert vor Berufsschule in Süditalien 

Eine Schülerin ist ums Leben gekommen, weitere wurden verletzt: Vor einer Berufsschule in der süditalienischen Stadt Brindisi ist am Morgen eine Bombe explodiert, das Gebäude wurde evakuiert, die Gegend weiträumig abgesperrt. 

AP/ SKY TG24

Hamburg - In der italienischen Hafenstadt Brindisi ist am Morgen um kurz nach 8 Uhr eine Bombe explodiert. Wie die Zeitungen "La Repubblica" und "La Stampa" übereinstimmend berichten, hat sich die Detonation vor der Berufsschule "Morvillo Falcone" ereignet. Eine Schülerin ist ums Leben gekommen, weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Italienische Medien hatten zwischenzeitlich berichtet, ein zweites Mädchen sei seinen Verletzungen erlegen. Dies wurde später vom Zivilschutz dementiert. Viele der Verwundeten erlitten Brandverletzungen. Die Angaben zur Zahl der Verletzten schwankt zwischen sieben und zehn.

Ein Sprecher des Zivilschutzes sagte, noch sei unklar, ob es eine oder zwei Detonationen und wie viele Sprengkörper es gegeben habe. Offenbar bestand der Sprengsatz aus mehreren miteinander verbundenen Gasflaschen. Die Explosion sei gewaltig gewesen.

"Ein Anschlag der Organisierten Kriminalität", sagt der Bürgermeister

Die Bombe war laut "La Stampa" in einem Mülleimer deponiert. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa hingegen meldet, die Bombe sei auf einer Mauer deponiert worden. Sie wurden durch die Explosion stark beschädigt.

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Italien: Explosion vor Berufsschule
Die Schüler wurden in Sicherheit gebracht, das Gebäude evakuiert und die Gegend weiträumig abgesperrt. In wenigen Metern Entfernung befindet sich ein Gericht. Der Bürgermeister von Brindisi, Cosimo Consales, machte die Mafia für die Explosion verantwortlich. "Es ist ein beispielloser Anschlag der Organisierten Kriminalität", sagte er dem TV-Sender TeleNorba.

"Das ist nicht die übliche Vorgehensweise der Mafia", sagt die Innenministerin

Italiens Innenministerin Anna Maria Cancellieri äußerte sich zurückhaltender. "Wir können mehr sagen, wenn sich die Ermittlungsrichtung konkretisiert hat", sagte die Ministerin. Cancellieri warnte vor voreiligen Schlüssen. Hinweise auf die Mafia als Urheber des Anschlags gebe es bisher keine. "Das ist nicht die übliche Vorgehensweise der Mafia", sagte sie in einem Telefoninterview mit dem italienischen Sender Sky.

Auch der Anti-Mafia-Staatsanwalt Cataldo Motta sagte, das Attentat trage nicht die Handschrift des organisierten Verbrechens, weil bei der Bombe Benzin und nicht - wie bei der Mafia üblich - Dynamit verwendet worden sei. Der nationale Polizeichef Antonio Manganelli sprach ebenfalls von Zweifeln an der Mafia-Theorie.

Die Cosa Nostra ist in der Vergangenheit immer wieder gezielt gegen einzelne Personen wie Richter und Staatsanwälte vorgegangen. Cancellieri sagte, sie habe nach dem Anschlag mit Premier Mario Monti telefoniert, der sich derzeit zum G8-Gipfel in den USA aufhält.

Die Berufsschule bildet nach eigenen Angaben Fachleute für die Mode- und Tourismusbranche aus und hat rund 600 Schüler. Sie wird vor allem von Mädchen besucht. Die Stadt Brindisi hat rund 90.000 Einwohner und liegt in der Region Apulien.

Die "Francesca-Morvillo-Falcone"-Schule ist nach der Ehefrau des bekannten Mafia-Jägers Giovanni Falcone benannt. Falcone war am 23. Mai vor 20 Jahren mit seiner Frau und drei Leibwächtern bei einem Mafia-Attentat in Sizilien getötet worden. In Brindisi wurden am Samstag die Teilnehmer eines Anti-Mafia-Marsches erwartet, die am 11. April in Rom gestartet waren. Der Marsch steuert verschiedene italienische Städte an.

In Italien ist es in den vergangenen Wochen zu mehreren Anschlägen auf die Steuerbehörde Equitalia gekommen. Zudem wurde dem Chef einer Tochter des Rüstungskonzerns Finmeccanica ins Bein geschossen. Hinter diesen Angriffen werden Anarchisten vermutet.

han/dpa

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