Bombenentschärfung Koblenz wird zur Geisterstadt

Die Entschärfung einer Kriegsbombe hält Koblenz in Atem: 45.000 Menschen müssen ihre Häuser verlassen, wichtige Gebäude sind bereits evakuiert. Am Sonntag soll die Stadt komplett von allen überregionalen Straßen- und Bahnverbindungen abgetrennt sein.

dapd

Koblenz - Koblenz leert sich zusehends: Vor der großen Bombenentschärfung an diesem Sonntag ist die Evakuierung in vollem Gange. Etwa 200 Häftlinge eines Gefängnisses wurden mit Bussen in andere Anstalten gefahren, teilte ein Sprecher der Stadt am Samstag mit. Außerdem wurden am Morgen die ersten pflegebedürftigen Menschen aus privaten Haushalten in Sicherheit gebracht.

Es ist eine logistische Herausforderung: Insgesamt müssen bis Sonntag rund 45.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Für sie stehen sieben Betreuungsstellen mit 12.000 Plätzen in Schulen in Koblenz, Vallendar und Lahnstein zur Verfügung. Insgesamt sind rund 2500 Helfer aus dem ganzen Land im Einsatz.

Außerdem müssen 180 Patienten aus Krankenhäusern, 350 Bewohner von sieben Altenheimen und insgesamt 130 Pflegebedürftige aus der Gefahrenzone gebracht werden. Am Sonntagmorgen soll die Evakuierung der Stadt abgeschlossen werden. "Wir hoffen, dass gegen Mittag dann der Kampfmittelräumdienst mit seiner Arbeit beginnen kann", sagte der Sprecher.

Die 1,8 Tonnen schwere britische Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg war am 20. November entdeckt worden. Grund war das Niedrigwasser, das der Rhein derzeit führt und das an mehreren Stellen im Stromverlauf Blindgänger aus dem Krieg ans Tageslicht gefördert hat.

Bombe muss im Trockenen liegen

Die Mine zählt zu den größten, die von den Briten eingesetzt wurden. Die Sprengkörper sollten großflächige Zerstörungen anrichten - über Wohngebieten wurden derartige Luftminen in Kombination mit Brandbomben abgeworfen. Unweit der Flugmine wurden nun im Rhein zudem eine 125 Kilo schwere Fliegerbombe und ein Tarnnebelfass aus Weltkriegszeiten gefunden, die ebenfalls am Sonntag entschärft werden sollen.

An der Fundstelle im Rhein pumpten Experten am Samstag weiter Wasser um die riesige Luftmine ab. Denn diese kann nur entschärft werden, wenn sie im Trockenen liegt. Dazu wurde um die Fliegerbombe herum ein Damm aus Sandsäcken errichtet.

Die Stadt gab zudem bekannt, dass Koblenz am Sonntag von allen überregionalen Straßen- und Bahnverbindungen abgetrennt wird. Von 8 Uhr morgens an halten keine Züge mehr am Koblenzer Hauptbahnhof, die Zufahrtsstraßen werden schon vor den Toren der Stadt gesperrt.

yes/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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MünchenerKommentar 03.12.2011
1. Die eigentlich interessante Frage ...
... ist doch, wie groß das Loch wird, wenn das Ding doch hochgehen sollte, und bis zu welchem Abstand es noch Schäden an Gebäuden geben würde, und ab wann nur noch die Fenster kaputt gehen würden. Recherche?
Benzino.Napoloni 03.12.2011
2. aberkannt !!
Ich bin heilfroh, dass ich in einer Gesellschaft lebe, bei der die öffentlichen Hilfeleistungsgemeinschaften -wie z.B. Feuerwehren, Polizei, Rotes Kreuz u.ä., Kampfmittelräumer und die vielen Helfer, die mir nicht einfallen oder bekannt sind- dermaßen gut funktionieren ! Vielen, vielen Dank an alle eingesetzten Kräfte, die ja für uns (nicht nur) ihren Ar... riskieren !!!
schlummi1 03.12.2011
3. Früher war alles einfacher.
Wenn die damals im krieg auch bei jeder bombe alle abgehauen wären ( 45.000 pro bombe), hätte es weniger todesopfer gegeben. Na ja neudeutsche gründlichkeit halt. Eine brücke reparieren dauert ja auch inzwischen jahre.
Zereus 03.12.2011
4. ...
Zitat von MünchenerKommentar... ist doch, wie groß das Loch wird, wenn das Ding doch hochgehen sollte, und bis zu welchem Abstand es noch Schäden an Gebäuden geben würde, und ab wann nur noch die Fenster kaputt gehen würden. Recherche?
Wikipedia sagt: Ansonsten gilt bei Bombenentschärfungen wohl die Grundregel, dass 1 Meter Abstand pro Kilogramm Sprengstoff eingehalten werden muss. Macht bei einer 1,8 Tonnen-Bombe eben 1800 Meter.
Emil Peisker 03.12.2011
5. Belobigung...
Zitat von Benzino.NapoloniIch bin heilfroh, dass ich in einer Gesellschaft lebe, bei der die öffentlichen Hilfeleistungsgemeinschaften -wie z.B. Feuerwehren, Polizei, Rotes Kreuz u.ä., Kampfmittelräumer und die vielen Helfer, die mir nicht einfallen oder bekannt sind- dermaßen gut funktionieren ! Vielen, vielen Dank an alle eingesetzten Kräfte, die ja für uns (nicht nur) ihren Ar... riskieren !!!
Ihr Titel ist wohl ein Tippfehler, oder? Sie schrieben "aberkannt", aber ich nehme an, dass Sie die daneben liegende Taste und damit "anerkannt" meinten, ja?
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