Bombenserie in Ägypten Viele Tote bei Terroranschlägen in Scharm el Scheich

Der ägyptische Badeort Scharm el Scheich und das nur einige Kilometer entfernte Naama Bay sind in der Nacht zu Samstag von einer Reihe Explosionen erschüttert worden. Bisher spricht die Polizei von 30 Toten und hundert Verletzten. Mehrere Touristenhotels wurden schwer getroffen.


Kairo - Bei einer Reihe von Explosionen im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich sind am Freitagabend mindestens 30 Menschen getötet worden. Nach Polizeiangaben wurden etwa hundert Menschen verletzt. Viele von ihnen sollen sich in einem kritischen Zustand befinden, sagte ein Arzt des International Hospital in Scharm el Scheich.

Die Polizei sprach von drei bis sieben Detonationen in der Nähe mehrerer Hotels. Sie erklärte bisher nicht, ob auch ausländische Touristen unter den Opfern sind.

Zunächst, so bestätigte die Polizei der Agentur Reuters, sei ein Sprengsatz in der Nähe des Basars von Scharm el Scheich detoniert. Etwa eine Viertel Stunde später seien drei Bomben im nur sechs Kilometer entfernt gelegenen Naama Bay explodiert - im Mövenpick Hotel, im Ghazala Hotel und auf einem Touristenmarkt. In Naama Bay befinden sich zahlreiche Luxushotels, die besonders bei Tauchern und anderen Touristen aus Europa beliebt sind.

"Das Hotel ist total nieder gebrannt"

Die Sprengsätze sollen nach ersten Angaben aus Sicherheitskreisen in Fahrzeugen deponiert gewesen sein. "Das Hotel ist total niedergebrannt, zerstört", sagte ein Augenzeuge über das Ghazala Hotel. "Die Explosion war sehr schwer, das ganze Hotel hat gewackelt. Wir sahen überall Rauch und hörten Sirenen", berichtete eine britische Touristin aus Naama Bay. Ein anderer Zeuge sagte, dass sich die erste Explosion am Touristenmarkt ereignet habe: "Ich habe das Feuer am Himmel gesehen." Obwohl sich die Anschläge nach 1.00 Uhr Ortszeit ereigneten, dürfte der Basar, der ein beliebtes Ziel von Urlaubern ist, wegen der hohen Temperaturen am Tag noch sehr belebt gewesen sein.

In den letzten Jahren waren in Ägypten immer wieder ausländische Urlauber ins Visier von Attentätern geraten. Am 7. Oktober 2004 wurden bei drei Anschlägen auf ein Hotel und zwei Feriensiedlungen in Taba 34 Menschen getötet, die meisten von ihnen Israelis. Taba liegt nicht weit von Scharm el Scheich entfernt auf der Sinai-Halbinsel. Am 7. April dieses Jahres starben zwei Franzosen und ein US-Bürger, als sich ein Selbstmordattentäter auf einem Touristenmarkt in der Altstadt von Kairo in die Luft sprengte. Drei Wochen später wurden bei Angriffen in Kairo mehrere ausländische Urlauber verletzt. Der schlimmste Anschlag hatte sich im November 1997 ereignet: In Luxor töteten islamistische Attentäter 62 Menschen, unter ihnen 58 Urlauber.

Scharm el Scheich ist ein Ort mit großer Symbolkraft. Mehrfach fanden dort Nahost-Gipfeltreffen statt - zuletzt im Februar, als Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, Israels Regierungschef Ariel Scharon, Ägyptens Staatschef Husni Mubarak und Jordaniens König Abdullah II. dort zusammen trafen. Mubarak verfügt in dem Badeort über eine eigene Residenz. Im Jahr 2000 nahm der damalige US-Präsident Bill Clinton in Scharm el Scheich an einem Nahost-Gipfel teil, im Juni 2003 dann sein Nachfolger George W. Bush.



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