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Verbote für Flüchtlinge: Tabuzone Schwimmbad

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Bornheim: Bade-Verbot für Flüchtlinge Fotos
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Die Stadt Bornheim verbietet männlichen Flüchtlingen den Zugang zum Schwimmbad - weil offenbar Frauen belästigt wurden. Andere Kommunen haben ähnliche Probleme. München versucht, mit Plakaten gegenzusteuern.

Das Hallenbad in Bornheim - Tabuzone für männliche erwachsene Flüchtlinge: Diese Nachricht hat die Stadt bei Bonn in die Schlagzeilen gebracht. Grund waren Beschwerden über das Verhalten von Flüchtlingen in der Schwimmhalle; Badegäste hatten gemeldet, belästigt worden zu sein. Insgesamt wurden der Stadt zufolge sechs Vorfälle registriert.

Stadtsprecher Rainer Schumann bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass das Verbot in der kommenden Woche wieder aufgehoben werden soll. Das am Donnerstag verhängte Verbot dürfte also rund eine Woche lang Bestand haben. Die Kurzzeitmaßnahme als reine Symbolpolitik?

"Aus Sicht der Stadt war es erforderlich, um die Besucher und Mitarbeiter des Schwimmbades zu schützen", sagt Schumann. "Trotz aller Willkommenskultur gelten hier diese Regeln." Man habe "ein Zeichen setzen wollen, dass die Rechte der Frauen unantastbar sind".

Die Reaktion der Bornheimer Bürger war gemischt. Laut Schumann gab es verständnisvolle Rückmeldungen, aber auch irritierte Nachfragen: "Wie können Sie so einen Schritt machen?" Von der Stadt hieß es, es gehe nicht um einen Generalverdacht gegen Flüchtlinge, sondern um klare Regeln.

Ausweiskontrolle an der Schwimmbadkasse

Bornheims Sozialdezernent Markus Schnapka war in drei Flüchtlingseinrichtungen in der Nähe des Hallenbades gegangen und hatte die Entscheidung dort persönlich bekannt gemacht. Es habe lebhafte Debatten gegeben, sagt Schumann. In den Einrichtungen sind etwa 350 Menschen untergebracht.

Auch sonst stieß die Stadt auf Kritik. Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen sprach sich gegen ein generelles Schwimmbadverbot für männliche Flüchtlinge aus. Es sei praktisch schwierig durchzusetzen; zudem sei fraglich, ob es juristisch haltbar sei. Aus Bornheim hieß es, die Flüchtlinge hätten Ausweise, mit denen sie bisher preiswerter ins Schwimmbad gekommen seien. Anhand dieser Ausweise könne man sie erkennen und ihnen den Zutritt verweigern.

Das pauschale Kurzzeitverbot mag einzigartig sein - aber mit dem Problem dahinter ist die Stadt nicht allein. In Hermeskeil in Rheinland-Pfalz wurden Mitte Dezember ebenfalls Klagen über das Verhalten von Flüchtlingen im örtlichen Hallenbad laut - nun müssten Flüchtlinge einen Badepass vorzeigen, wie der "Trierische Volksfreund" berichtet. Nur Flüchtlinge, die die Baderegeln verstanden und akzeptiert hätten, dürften ins Bad.

München setzt auf mehrsprachige Flyer

Vielleicht hätte den Kommunen ein Blick nach München geholfen. Dort versucht man seit 2013, mit Plakaten Abhilfe zu schaffen. Man habe seinerzeit vermehrt Probleme mit Migranten gehabt, die nicht schwimmen konnten und dennoch ins Becken gesprungen seien, heißt es von Stadtwerke-Pressesprecherin Bettina Hess.

Baderegeln in München: "Egal, welche Badekleidung eine Frau trägt, sie ist zu achten" Zur Großansicht
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Baderegeln in München: "Egal, welche Badekleidung eine Frau trägt, sie ist zu achten"

"Dazu kommt, dass der Grundsatz der Akzeptanz von Frauen - egal in welcher Kleidung - leider nicht von allen Badegästen respektiert wird, deshalb der explizite Hinweis darauf." Generell merke man die steigende Zahl von Flüchtlingen in der Stadt. Fälle von Belästigung - durch Deutsche oder Migranten - bezeichnet Hess aber als Ausnahme.

Die Plakate hängen in den Kassenbereichen aller Bäder der Stadtwerke München. Auf den Tafeln sind die Regeln für Badbesucher dargestellt, mehrsprachig und auch für Analphabeten verständlich. Zudem gibt es entsprechende Flyer auf Arabisch, Somali, Dari, Paschtu, Englisch und Französisch. Diese werden auch in Erstaufnahmeeinrichtungen und Flüchtlingsunterkünften verteilt.

Im Informationsmaterial heißt es zum Beispiel:

  • "Keine verbale oder körperliche sexuelle Belästigung gegenüber Frauen in jeglicher Bekleidung!"
  • "Keine Alltagskleidung im Schwimmbad. Badehose, Badeanzug oder Bikini aus schwimmtauglichen Materialien sind Pflicht!"
  • "Egal, welche Badekleidung eine Frau trägt, sie ist zu achten und zu respektieren."
  • "Den Anweisungen des Badepersonals ist Folge zu leisten, egal, ob Mann oder Frau."
  • "Rücksicht nehmen, besonders auf Kinder und ältere Menschen."

Hess zufolge ist das Feedback der Badegäste positiv - und das Interesse anderer Badbetreiber groß. Man werde "geradezu überschwemmt von Anfragen". Plakate und Flyer habe man schon deutschlandweit verschickt.

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Mit Material von dpa

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