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Bosnien-Herzegowina: Riesiges Erdloch schluckt Bäume und Dorfteich 

50 Meter breit und 30 Meter tief ist der Krater, der im bosnischen Sanica einen kompletten Teich mitsamt umstehenden Bäumen verschlang. Von einem Moment auf den anderen sackte die Erde ab - und noch immer wächst die Grube weiter.

AP

Sanica/Sarajewo - Hübsch muss es gewesen sein, draußen am Teich vor den Toren Sanicas. Kinder angelten in dem von Weiden umstandenen Tümpel mit seinem grünlichen Wasser; in der Nähe grasten Kühe.

All das ist jetzt vorbei. Ungläubig starrt Rezak Motanic in den gigantischen Krater, an dessen Stelle einmal der Weiher lag. Zwei Wochen ist es her, dass sich an der Stelle ein Erdloch auftat, das den Tümpel mitsamt Wasser und Fischen verschluckte. Auch die Bäume am Ufer verschwanden in der Grube.

"Am Tag bevor es passierte, habe ich noch hier gesessen und Sliwowitz getrunken", sagt Anwohner Cemal Hasan, der die Ereignisse mit eigenen Augen verfolgt hat. "Es herrschte Panik", berichtet er. "Fische sprangen aus dem Wasser, und ein großer Pflaumenbaum wurde hinabgezogen, als hätte ihn jemand am Haken."

Noch immer wächst das Ungetüm

Etwa zwanzig Meter breit war der Teich, und rund acht Meter tief. Ungleich größer dagegen das neu entstandene Erdloch, das die Einwohner Sanicas den "Abgrund" nennen: 50 Meter in der Breite und 30 Meter in der Tiefe misst das Ungetüm, und noch immer wächst es.

Was den Krater verursacht hat, dazu hat die Bevölkerung ganz eigene Theorien. "Vielleicht hat sich eine riesige unterirdische Höhle geöffnet", spekuliert Milanko Skrbic. "Oder ein Vulkan." Ein weiterer populärer Erklärungsversuch besagt, dass Fische eine deutsche Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zur Explosion gebracht haben könnten - solche Sprengkörper habe nämlich eine alte Frau nach Kriegsende im Teich entsorgt. "Sie starb, als eine der Bomben in ihren Armen detonierte", erzählt Cemal Hasan, während er am Kraterrand steht.

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50 Meter großes Erdloch in Bosnien: "Es herrschte Panik"
Wissenschaftler freilich halten derlei Erklärungsversuche für Humbug. Ihnen zufolge ist es nicht ungewöhnlich, dass Teiche und kleine Seen plötzlich absacken. Ursache für solche Vorgänge könnten demnach schwindende Grundwasservorkommen sein, Effekte, die zum Beispiel durch Bewässerung in der Landwirtschaft verursacht werden.

Für kaum glaubhaft halten aufgeklärte Zeitgenossen daher auch eine weitere, gruselige Geschichte, die man sich in Sanica erzählt. Danach hängt das Verschwinden des Teichs mit dem Ableben seines Besitzers zusammen. "Tage vor seinem Tod sagte Hasan: Wenn ich sterbe, nehme ich alles mit", berichtet Motanic. "Und genau so ist es passiert."

rls/AP

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