Minenbetreiber meldet Rekordfund Ein Diamant, so groß wie ein Tennisball

Eine kanadische Minenfirma will den größten Rohdiamanten geborgen haben, der in den vergangenen hundert Jahren entdeckt wurde. Mit 1111 Karat wäre es der zweitgrößte der Geschichte.

Der Lucara-Diamant ist laut Unternehmensangaben der zweitgrößte Diamant, der jemals geborgen wurde.
Lucara Diamond

Der Lucara-Diamant ist laut Unternehmensangaben der zweitgrößte Diamant, der jemals geborgen wurde.


Es soll der größte Fund seiner Art seit mehr als einem Jahrhundert sein: In Botswana im Süden Afrikas ist ein riesiger Diamant entdeckt worden. Der 1111 Karat schwere Edelstein stamme aus dem Karowe-Bergwerk, teilte der kanadische Minenbetreiber Lucara mit. Der farblose Diamant sei in etwa so groß wie ein Tennisball und von unschätzbarem Wert. Sollten die Angaben des Unternehmens stimmen, wäre der Stein der zweitgrößte jemals entdeckte Diamant.

"Solange er nicht vollständig analysiert wurde, ist es unmöglich, seinen Wert zu bestimmen", sagte der Branchenexperte Kieron Hodgson. "Fest steht aber, dass er ein äußerst teurer Diamant werden kann." Sein Wert hänge unter anderem von möglichen Einschlüssen und der endgültigen Färbung ab.

Der größte Rohdiamant der Welt, bekannt als Cullinan, war 1905 in der südafrikanischen Premier-Mine gefunden worden. Der Edelstein mit 3106,7 Karat wurde später in 105 Juwelen gespalten, die größten Einzeldiamanten sind Teil der britischen Kronjuwelen.

Ungeschliffen: Dieser Brocken soll 1111 Karat schwer und ein Vermögen wert sein.
Lucara Diamond Corporation

Ungeschliffen: Dieser Brocken soll 1111 Karat schwer und ein Vermögen wert sein.

Die Aktie des Bergbauunternehmens Lucara schoss nach der Meldung über den Fund des Diamanten in die Höhe. An der Börse von Toronto stieg der Kurs bis zum Mittag um 31 Prozent. Botswana ist hinter Russland der zweitgrößte Diamantenproduzent der Welt.

Geschliffen könnte der Lucara-Diamant weitere Rekorde brechen. Die größten und berühmtesten Diamanten der Welt erzielen bei Auktionen immer wieder neue Höchstpreise. In der vergangenen Woche wechselte der "Blue Moon" als teuerster blauer Diamant der Geschichte für 40 Millionen Euro den Besitzer.

kes/AFP



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insgesamt 7 Beiträge
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Sabbelbacke 19.11.2015
1. Und wem gehört der Diamant nun?
"Botswana ist hinter Russland der zweitgrößte Diamantenproduzent der Welt." Mit dem Unterschied, das Botswana davon nichts haben wird. Hier erleben wir die Auswirkungen des Kolonialismus in Reinform, der seit Jahrzehten (-hunderten?) ganz Afrika ausplündert und sich wundert wenn dann alles flieht. Die englische Krone besteht fast nur aus geraubtem Gold und Edelsteinen. Und was macht der "Pöbel": Er jubelt der Queen zu wenn sie inner Gold-strotzenden Kutsche vorbeifährt. Kranke Welt.
Bueckstueck 19.11.2015
2.
Zitat von Sabbelbacke"Botswana ist hinter Russland der zweitgrößte Diamantenproduzent der Welt." Mit dem Unterschied, das Botswana davon nichts haben wird. Hier erleben wir die Auswirkungen des Kolonialismus in Reinform, der seit Jahrzehten (-hunderten?) ganz Afrika ausplündert und sich wundert wenn dann alles flieht. Die englische Krone besteht fast nur aus geraubtem Gold und Edelsteinen. Und was macht der "Pöbel": Er jubelt der Queen zu wenn sie inner Gold-strotzenden Kutsche vorbeifährt. Kranke Welt.
Aha. Es buckeln also nur Kanadier in dem Bergwerk. Wusste ich nicht. Dein Populismus und meine Polemik beiseite - natürlich hat Botswana was davon: Arbeit, Steuereinnahmen und Schmiergeld für die Politiker (tschuldigung, schon wieder Polemik..). Sicher nicht so viel wie wenn das Land selbst in der Lage wäre seine Ressourcen auszubeuten - was es nicht ist - aber besser als gar nichts. Das erste Poblem ist Korruption, nicht de Tatsache das ausländische Konzerne auf dem Kontinent tätig sind.
PriseSalz 19.11.2015
3. Kann man auch anders sehen...
Zitat von Sabbelbacke"Botswana ist hinter Russland der zweitgrößte Diamantenproduzent der Welt." Mit dem Unterschied, das Botswana davon nichts haben wird. Hier erleben wir die Auswirkungen des Kolonialismus in Reinform, der seit Jahrzehten (-hunderten?) ganz Afrika ausplündert und sich wundert wenn dann alles flieht. Die englische Krone besteht fast nur aus geraubtem Gold und Edelsteinen. Und was macht der "Pöbel": Er jubelt der Queen zu wenn sie inner Gold-strotzenden Kutsche vorbeifährt. Kranke Welt.
Botswana, wie viele andere Länder, haben es selber in der Hand ob sie sich ausbeuten lassen oder nicht. Mit Steuern und Sonderabgabe z.B. könnten sie einen Großteil der Gewinne ausländischer Konzerne nationalisieren (Europa vs. Google oder Amazon lässt grüßen...), ohne dass diese die Segel streichen. Oder sie könnten eigene Firmen gründen, auf dem internationalen Arbeitsmarkt ließe sich leicht das entsprechende Fachwissen rekrutieren. Warum dies nicht geschieht, überlasse ich dem Vorstellungsvermögen der geneigten Leser, aber Korruption dürfte darin wohl eine Rolle spielen. Ich jedenfalls bin es leid immer die Kolonialzeit für dieses ganze Versagen heranzuziehen. So schlimm es auch war, es ist vorbei. Botswana & Co. haben alle Möglichkeiten dieser Welt ihre Entwicklung selber zu bestimmen. Sie wollen es offensichtlich nicht. Ich habe Jahrzehnte Arbeit in der Entwicklungshilfe gebraucht um das zu kapieren.
Skepsis 19.11.2015
4. von wegen selbst schuld
Zitat von PriseSalzBotswana, wie viele andere Länder, haben es selber in der Hand ob sie sich ausbeuten lassen oder nicht. Mit Steuern und Sonderabgabe z.B. könnten sie einen Großteil der Gewinne ausländischer Konzerne nationalisieren (Europa vs. Google oder Amazon lässt grüßen...), ohne dass diese die Segel streichen. Oder sie könnten eigene Firmen gründen, auf dem internationalen Arbeitsmarkt ließe sich leicht das entsprechende Fachwissen rekrutieren. Warum dies nicht geschieht, überlasse ich dem Vorstellungsvermögen der geneigten Leser, aber Korruption dürfte darin wohl eine Rolle spielen. Ich jedenfalls bin es leid immer die Kolonialzeit für dieses ganze Versagen heranzuziehen. So schlimm es auch war, es ist vorbei. Botswana & Co. haben alle Möglichkeiten dieser Welt ihre Entwicklung selber zu bestimmen. Sie wollen es offensichtlich nicht. Ich habe Jahrzehnte Arbeit in der Entwicklungshilfe gebraucht um das zu kapieren.
Wenn Sie tatsächlich Jahrzehnte in der Entwicklungszusammenarbeit (so heißt das heute etwas geschmeidiger) aktiv waren, sollte Ihnen der Begriff des „Ressourcenfluchs“ geläufig sein. Gerade die rohstoffreichen Länder kommen eben nicht „auf die Beine“, weil sich politische und militärische Eliten (vielfach gestützt von ihrer jeweiligen Kolonialmacht) gleich nach der Unabhängigkeit die Verfügungsgewalt über die natürlichen Reichtümer gesichert haben und diese munter ausbeuten lassen, ohne auf die Bevölkerungsmehrheit Rücksicht nehmen oder diese gar beteiligen zu müssen. Westliche Firmen und Staaten (mittlerweile auch China und Co.) haben seit jeher freudig mit den Gewaltherrschern kooperiert, ihnen für die Rohstoffe Geld und Waffen geliefert und zur Not auch mal selbst militärisch mit Hand angelegt, wenn Aufstände oder gar die Gefahr des „Kommunismus‘“ drohten. Dieses Grundprinzip hat sich bis heute kaum geändert. Im Ergebnis haben wir die billigen Rohstoffe (Öl, Uran, Coltan, Tropenholz etc.pp.) und die Afrikaner das bekannte Elend. Wer ist also schuld? Nebenbei gesagt stellt Botswana hier eine bemerkenswerte Ausnahme dar. Trotz seines Diamantenreichtums hat es eine prosperierende Wirtschaft, ein vergleichsweise gut funktionierendes Staatswesen und (lt. Transparency International) die geringste Korruption in ganz Afrika. Manche Kulturwissenschaftler führen das auf die spezifische präkoloniale Gesellschaftsordnung Botswanas zurück, die zu erläutern den Raum eines Zeitungskommentars bei weitem sprengen würde. Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind übrigens die indigenen „Ureinwohner“ der San (bzw. „Buschleute“), aber das ist eine andere traurige Geschichte.
PriseSalz 20.11.2015
5. Sip
Liebe(r) Skepsis, ich stimme Ihnen völlig zu, letztendlich sagen ja auch Sie dass es in den Händen der jeweiligen Länder liegt. Spezifischer, in den Händen der Mächtigen dort. Und klar, das Fußvolk darbt, während eine Elite in Schampus badet. Auch klar, es heißt seit einiger Zeit 'Entwicklungszusammenarbeit', einen Begriff der von den Neusprechtruppen vornehmlich der GAWI, sorry, GTZ, sorry, GIZ eingeführt wurde. Deswegen vermeide ich ihn. Denn 'Hilfe' ist genauer; Zusammenarbeit kann ich kaum erkennen, die Regeln setzt immer noch das BMZ (angeleitet von den entsprechenden Leuten der GIZ, der KfW oder, mehr International, eine der 'Entwicklungsbanken' wie dem BID). In Einzelfällen habe ich aber schon eine echte Zusammenarbeit erlebt. Liegt am Personal.
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