Homosexualität im Profisport: Boxer Orlando Cruz outet sich

In der harten Welt des Profiboxens ist es eine Premiere: Der Federgewichtler Orlando Cruz hat sich als homosexuell geoutet. Er sei ein "stolzer, schwuler Mann" in einem machomäßigen Sport, teilte der 31-Jährige mit. Das Echo ist groß.

Orlando Cruz: "Stolzer, schwuler Mann" Fotos
AP

San Juan - Als wahrscheinlich erster aktiver Profiboxer hat sich Orlando Cruz aus Puerto Rico zu seiner Homosexualität bekannt. Der 31-Jährige sagte der Nachrichtenagentur AP, er sei ein "stolzer, schwuler Mann". Er fühle sich erleichtert, habe aber mit sich gerungen, an die Öffentlichkeit zu gehen. "Ich habe mich geistig weiterentwickelt, um so einen großen Schritt in meinem Leben und meinem Beruf zu gehen", sagte er. "Ich wusste, es würde Vor- und Nachteile in meinem Sport bedeuten, der so machomäßig ist."

Cruz ist in seiner Gewichtsklasse (bis 57 Kilogramm) die Nummer vier der Weltrangliste des Boxverbandes WBO. Er hat eine Bilanz von 18 Siegen in 21 Kämpfen. Am 19. Oktober steigt er in Florida gegen den Mexikaner Jorge Pazos in den Ring. "Ich habe mehr als 24 Jahre gekämpft, und während ich meine aufsteigende Karriere jetzt fortsetze, möchte ich ehrlich mir selbst gegenüber sein", sagte Cruz. Seine Homosexualität habe er "viele, viele Jahre versteckt".

"Ich will als der Mensch wahrgenommen werden, der ich bin", heißt es laut dem Sportsender ESPN in einer Mitteilung von Cruz. "Ich bin ein Profisportler, der im Ring immer sein Bestes gibt. Ich will, dass die Leute weiter mein Können als Boxer, meinen Charakter, meine Fairness sehen." Er wolle aber auch Jugendlichen zeigen, dass man alles im Leben erreichen könne - und dass die eigene Sexualität dabei kein Hindernis sein sollte.

"Das ist ein sehr mutiger Schritt. Es gibt immer welche, die den Kampf als Erste führen. Er muss in seinem privaten Umfeld einen guten Rückhalt haben", sagte der frühere Weltmeister Henry Maske. Tatsächlich dankte Cruz vor allem seiner Mutter und seiner Schwester für die bedingungslose Liebe. Auch sein Vater habe ihn immer unterstützt.

Das Outing von Cruz bekam in den Medien große Aufmerksamkeit. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken seien überwiegend positiv gewesen, schreibt AP. Unter anderem habe Sänger Ricky Martin, der sich 2010 geoutet hatte, seine Unterstützung bekundet.

In einigen Twitter-Beiträgen wurde auch die Frage aufgeworfen, ob andere Boxer noch gegen Cruz kämpfen wollten. Dommys Delgado, die Vorsitzende der Boxkommission von Puerto Rico, schob solche Kommentare beiseite: "Orlando ist ein exzellenter Boxer mit sehr guten Chancen, Champion zu werden", sagte sie. "Wir wissen, dass Boxen ein Macho-Sport ist. Wer nicht gegen ihn kämpfen will, soll es bleiben lassen."

Homosexualität ist im Leistungssport noch immer ein Tabuthema. Bisher haben sich nur wenige aktive Profis geoutet. In Deutschland gab es zuletzt erneut eine Debatte über schwule Fußballer - ausgelöst durch ein anonymes Interview mit dem Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung.

hut/AP/sid

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