Bradying: Der Trend zum bedröppelt Dasitzen

Für keinen war die Niederlage der New England Patriots im Super Bowl so bitter wie für Quarterback Tom Brady. Niedergeschlagen saß er auf dem Rasen, das Foto wurde zum Symbol für die Trauer der Verlierer. Nun wird die Szene zur Vorlage für einen Trend: Bedröppelt dazusitzen ist in.

Bradying: Der Trend zum bedröppelten Dasitzen Fotos
AP

Hamburg - Tom Brady bekam den Football, tänzelte zwei Schritte zurück, Blick nach vorne, ein Gegner stürmte auf ihn zu. Brady schüttelte ihn ab, lief in den freien Raum und warf einen langen Pass. Sah gut aus, verhinderte aber die Niederlage der New England Patriots nicht: Ein Gegenspieler pflückte den Ball aus der Luft, es war eine der spielentscheidenden Szenen des Super Bowl, den die New York Giants schließlich gewannen.

Eine traurige Sache für alle, die sich den Patriots verbunden fühlen. Keiner aber war so niedergeschlagen wie Quarterback Brady: Für ihn wäre es der vierte Finalsieg gewesen, mehr hat noch kein Quarterback geschafft. Nach dem misslungenen Pass sank er zu Boden, saß auf dem Rasen, die Beine ausgestreckt, das Kinn auf der Brust, die Ellbogen auf den Oberschenkeln, die Hände zusammengelegt.

Der sitzende Brady wurde zum Symbol der Patriots-Trauer - und führt nun zu einem neuen Trend: Die Seite Bradying.com zeigt Fotos von Menschen in allen möglichen Situationen, wie sie dasitzen, Kinn auf der Brust, Beine ausgestreckt. Jugendliche auf dem gefliesten Boden eines Ladens, ein Mann neben Aktenschränken, ein Mädchen im Wohnzimmer.

Bis vor kurzem befasste sich die Seite offenbar (irgendwie) mit Haaren und Frisuren, nicht weiter von Belang, nun berichten US-Zeitungen über den neuen Trend. Auf Facebook gibt es bereits eine Seite "Bradying", die Zahl der Fans steigt. Dass so etwas durchaus zu einer Art Volkssport werden kann, zeigt das Beispiel Planking: Menschen posten und verschicken Fotos, auf denen sie irgendwo langgestreckt, steif und mit Gesicht nach unten liegen.

Ein anderer Football-Spieler hat bereits einen ähnlichen Trend gesetzt: Tim Tebow, der so gläubig ist, dass er auch auf dem Spielfeld regelmäßig auf ein Knie niedergeht und die Hände faltet. Tebowing bedeutet, kurz zu beten, "selbst wenn jeder um dich herum etwas vollkommen anderes tut", so die Erklärung der dazugehörigen Internetseite.

Bradying könnte Tebowing nun ablösen. Was es bedeutet, wenn Menschen nicht mehr beten, sondern bedröppelt irgendwo rumsitzen, kann reflektieren, wer will.

bim

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