Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Brand in Backnang: Minister geleiten Leichen in die Türkei

Trauerfeier in Backnang: Abschied von sieben Kindern und ihrer Mutter Zur Großansicht
DPA

Trauerfeier in Backnang: Abschied von sieben Kindern und ihrer Mutter

Bewegender Abschied in Backnang: Rund tausend Menschen versammelten sich zu einer Trauerzeremonie für die Opfer der Brandkatastrophe. Die Leichen werden in die Türkei ausgeflogen, Baden-Württembergs Integrationsministerin kritisierte das Misstrauen von türkischer Seite gegen die Ermittler.

Backnang - Tausend Trauernde haben im schwäbischen Backnang in einer bewegenden Zeremonie Abschied von den Opfern der Brandkatastrophe genommen. Die acht mit türkischen und deutschen Flaggen geschmückten Särge wurden durch die Menschenmenge von einem Hof nahe der Moschee getragen. Bei dem Feuer in einem Haus, das nur wenige Schritte entfernt liegt, waren am Sonntagmorgen eine 40 Jahre alte Mutter und sieben ihrer zehn Kinder ums Leben gekommen.

Die Türkei entsandte zwei Minister nach Deutschland, um die Leichen der acht Todesopfer zur Beisetzung in die Türkei zu bringen. Der türkische Vizepremier Bekir Bozdag drückte den Hinterbliebenen das Mitgefühl des ganzen Landes aus. "Millionen türkische Bürger leiden mit uns und teilen unseren Schmerz", sagte Bozdag. Er wünsche der Familie ganz viel Stärke und vertraue darauf, dass die Ursache des Brandes restlos aufgeklärt werde. Bozdag wurde begleitet von Forstminister Veysel Eroglu, der wie die Opfer aus der westtürkischen Provinz Afyonkarahisar stammt, sowie etwa 20 Abgeordneten des türkischen Parlaments.

"Ganz Baden-Württemberg ist heute in Trauer vereint", sagte der baden-württembergische Vize-Ministerpräsident Nils Schmid bei dem Totengebet. Mit Tränen in den Augen und zittriger Stimme sprach er über "Kinder, die nie wieder auf der Straße spielen werden mit ihren Freunden". Den Trauernden versicherte er, sie könnten sich darauf verlassen, dass sich Bürger - egal aus welchem Land - hier zu Hause fühlen können. Das Land werde alles daransetzen, die Ursache für den Brand herauszufinden.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte die Leichen nach der Obduktion freigegeben. Damit gilt als sicher, dass die acht Mitglieder der türkischstämmigen Familie am giftigen Rauch erstickt sind. Der türkische Botschafter hatte am Montag angekündigt, dass die Leichen rasch überführt werden. Die Eile begründet sich damit, dass im Islam Gestorbene eigentlich binnen weniger Stunden beerdigt werden müssen. Allerdings sollen die Leichen in der Türkei erneut obduziert werden, sagte ein Sprecher der Polizei in Backnang.

Das fehlende Vertrauen der türkischen Seite in die Ermittler belastet aus Sicht von Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney das Verhältnis zu Deutschland. Eine erneute Obduktion diene "nicht der Totenruhe, aber auch nicht dem gegenseitigen Vertrauen", sagte Öney. "Wenn es Vertrauen gegeben hätte, würde die türkische Seite nicht auf eine Autopsie bestehen."

Als sehr wahrscheinliche Ursache für das Flammeninferno haben die Ermittler einen technischen Defekt ausgemacht. Die Untersuchungen laufen aber weiter.

wit/dpa/AFP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Großbrand: Einsatz in Backnang

Karte


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: