Tödlicher Brand in Backnang: Türkischer Vizepremier fordert lückenlose Aufklärung
Bei dem Großbrand in Backnang sind vermutlich eine türkische Mutter und ihre sieben Kinder ums Leben gekommen. Der Botschafter der Türkei und Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann sind auf dem Weg zum Unglücksort. Hinweise auf Brandstiftung gibt es bisher nicht.
Backnang - Das Feuer brach mitten in der Nacht aus, der erste Notruf ging gegen 4.30 Uhr ein: Mindestens acht Menschen, darunter sieben Kinder, sind bei einem Brand im schwäbischen Backnang gestorben. Bei den Opfern handelt es sich laut Polizei vermutlich um eine türkischstämmige Mutter und ihre Kinder im Alter von sechs Monaten bis 16 Jahren.
Die Leichen seien im ersten Obergeschoss des Gebäudekomplexes gefunden worden. Dort war das Feuer ausgebrochen. Nach ersten Angaben starben die Opfer im Schlaf- und Kinderzimmer an Rauchvergiftungen und verbrannten dann.
"Das macht uns alle traurig", schrieb der türkische Vizeministerpräsident Bekir Bozdag auf Twitter. "Von Deutschland erwarten wir, den wahren Grund des Brands ohne Platz für Zweifel aufzuklären und der Öffentlichkeit mitzuteilen", so Bozdag.
Die genaue Brandursache ist noch unklar. In Frage kommt laut Polizei vor allem ein technischer Defekt an einem Holzofen. Es gebe keine Hinweise auf einen ausländerfeindlichen Anschlag oder Brandstiftung, sagte ein Sprecher. Gegen 4.30 Uhr hatten vermutlich Besucher einer benachbarten Disco die Rettungskräfte alarmiert. Bei Eintreffen der Feuerwehr schlugen die Flammen schon aus den Fenstern, berichtet ein Sprecher.
Kretschmann auf Weg zum Unglücksort
Im Erdgeschoss des ausgebrannten Gebäudes ist ein deutsch-türkischer Kulturverein untergebracht. Drei Menschen - vermutlich ein elf Jahre alter Junge, dessen Onkel und Großmutter - konnten die Einsatzkräfte von einer Art Balkon retten. Der Vater der toten Kinder war laut Polizei zum Zeitpunkt des Unglücks nicht zu Hause.
Der türkische Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslioglu, reist gemeinsam mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zum Unglücksort. Auch Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) fuhr nach Backnang, um sich einen Überblick zu verschaffen. "Die Rettungskräfte haben getan, was sie tun konnten", sagte er.
Der Komplex, eine frühere Lederfabrik, besteht aus mehreren Gebäuden, die miteinander verbunden sind. 13 Menschen waren in den beiden hauptsächlich betroffenen Wohnungen gemeldet. Wegen der komplizierten Bauweise und viel verarbeitetem Holz seien die Löscharbeiten kompliziert gewesen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Im Untergeschoss mussten zwei Gaststätten evakuiert werden, die bei Ausbruch des Feuers noch gut besucht waren. Insgesamt waren mehr als 100 Einsatzkräfte vor Ort.
Erst am Vormittag war das Feuer gelöscht. Ein Sachverständiger soll die Brandstelle nach Absprache mit einem Statiker begutachten. Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU), sprach von einem tragischen Brandereignis. "Unsere tief empfundene Anteilnahme gilt allen Angehörigen."
hut/dpa/AFP
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