Titisee-Neustadt - Fünf Tage nach dem Brand mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt ist mit einer Trauerfeier in Titisee-Neustadt der Toten gedacht worden. An dem ökumenischen Gottesdienst im katholischen Münster St. Jakobus nahmen auch Bundespräsident Joachim Gauck, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) teil.
"Wir können nicht so recht fassen, was sich da in den Räumen der Caritas-Werkstätte abspielte. Wir können nicht begreifen, was geschehen ist", sagte Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch in seiner Predigt. Es helfe, zu wissen und zu spüren, dass es andere gebe, "die mit mir leiden, die mitleiden", so Zollitsch. "Wie viele Menschen haben am Montag und in den Tagen danach angepackt und haben in beeindruckender Weise alles Menschenmögliche getan, um noch Schlimmeres zu verhindern." Sie hätten "Herz und Haus geöffnet", um Hilfe zu leisten. Es gebe aber keine einfachen und schnellen Antworten auf Tragödien wie diese. "Da verstummen die Worte, da versagen Erklärungen."
Zollitsch leitete gemeinsam mit Badens evangelischem Landesbischof Ulrich Fischer den Gottesdienst. "Wir spüren schmerzlich eine tiefe Trostlosigkeit im Herzen. Sorgen quälen uns", sagte Fischer. Die Einsatzkräfte hätten "die Grenze der menschlichen Hilfe schmerzlich erfahren".
Kretschmann sicherte den Hinterbliebenen weitere Unterstützung zu. "Wir werden Sie in ihrer Trauer und ihrem Schmerz nicht alleine lassen", sagte er. Dies gelte für die behinderten Menschen und ihre Betreuer, für Angehörige und die Rettungskräfte. Ganz Deutschland trauere mit ihnen und werde weiter solidarisch sein. "Begreifen können wir das alles nicht", sagte Kretschmann. "Aber wir können hoffen, glauben, beten und einander beistehen."
Hilfe für Behinderte müsse weiter einen hohen Stellenwert haben und dürfe angesichts des Unglücks nicht infrage gestellt werden. "Es sind Menschen, deren unsere besonders Fürsorgepflicht gilt. Unser Mitgefühl und unsere Hilfe muss und wird über den Tag hinausgehen", sagte Kretschmann.
Bei dem Feuer in einer Behindertenwerkstatt waren am Montag 14 Menschen ums Leben gekommen. Ursache war eine Gasverpuffung. Das Gas war aus einer Konstruktion aus mobilem Gasofen mit angeschlossener Gasflasche entwichen.
Gauck sprach bei der öffentlichen Trauerfeier nicht, sondern spendete den Hinterbliebenen hinterher bei einem Treffen persönlich Trost. "Es ist ein schwerer Weg, den wir zu beschreiten haben. Wir sollten ihn gemeinsam gehen", sagte der Bundespräsident. Er spüre eine große Solidarität und einen Zusammenhalt. Als Staatsoberhaupt sei er dankbar dafür. Er empfinde dies als Segen und als Stärke. "Es ist eine Kraft, die uns in der Trauer trägt." Behinderteneinrichtungen seien ein wichtiges Netzwerk für bedürfte Menschen und ein Signal für die Gesellschaft. "Jeder von uns sollte sich fragen, wie er die Welt bewohnbarer und schöner machen kann."
hut/dpa/AFP
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