Brand in russischer Klinik: 38 Tote - Hinweise auf Sicherheitsmängel

Von , Moskau

In der psychiatrischen Klinik von Ramenski nahe Moskau hielten sich 41 Personen auf, als das Gebäude in Brand geriet. 38 Menschen starben. Die Ermittlungen laufen, womöglich wurden Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten.

Die Feuerwehr brauchte lange, bis sie im Dorf Ramenski, 70 Kilometer nordwestlich von Moskau, eintraf. Weit nach Mitternacht hatten die Brandmelder des psychiatrischen Krankenhauses Nummer 14, einem eingeschossigen Gebäude mit Blechdach, Alarm geschlagen. 38 Patienten waren in dem Gebäude, drei Pflegekräfte.

Krankenschwester Wiktoria hatte den Brandherd als erste entdeckt, ein brennendes Sofa. Sie versuchte das Feuer selbst zu löschen, hatte aber keinen Erfolg, die Flammen schlugen immer wieder hoch.

Zwischen der nächsten Feuerwache und Ramenski liegen 50 Kilometer und ein Gewässer. Es gibt keine Brücke, die Fähre ist außer Betrieb. Als die Feuerwehr nach rund einer Stunde in Ramenski eintraf blieb den Rettern nur noch, das Feuer zu löschen und die Toten zu bergen. Allerdings hatten die ersten beiden Feuerzüge laut einem Bericht des Internetportals lifenews.ru kein Löschwasser.

Krankenschwester Wiktoria hatte sich und zwei Patienten ins Freie gerettet, in den Trümmern lagen 38 Leichen: 36 Patienten und zwei Krankenschwestern sind tot. Manche der Opfer starben an Rauchvergiftung, manche verbrannten. Die meisten fanden die Bergungstrupps noch in den Überresten ihrer Betten: Sie hatten am Abend starke Beruhigungsmittel verabreicht bekommen, weil viele an Schizophrenie litten.

Mehr als 11.000 Brandopfer in einem Jahr

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Brand bei Moskau: Zerstörung in der Psychiatrischen Klinik Nr. 14
Ermittlungen wurden aufgenommen, die Behörden schließen auch Brandstiftung nicht aus. Allerdings gibt es Hinweise auf Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften: Bei einer Überprüfung im Vorjahr sowie einer unangemeldeten Inspektion im Januar 2013 waren nach Angaben des Zivilschutzes kleinere Fehler bemängelt worden.

Der Gouverneur des Gebiets Moskau ordnete eine Sicherheitsüberprüfung aller Krankenhäuser und Schulen an, für Samstag werden alle öffentlichen Veranstaltungen und Feiern abgesagt. Er bat um Vorsicht mit voreiligen Schlüssen, "damit beschäftigen sich Spezialisten".

Aber Russlands Medien sind schon voll mit Spekulationen über die Frage, wie es zu der Tragödie kommen könnte. Ein Schuldiger ist schnell ausgemacht: Dmitrij, 26, eingeliefert wegen Drogensucht. Um die Entzugserscheinungen zu lindern habe er im Aufenthaltsraum geraucht und das Sofa entzündet. Oder war doch die langsame Reaktion der Feuerwehr entscheidend für das Ausmaß der Katastrophe? Die Fähre? Oder die hohe Medikamentendosis?

Russland schaut am Freitag geschockt auf die niedergebrannten Mauern in Ramenski, dabei sind Brandkatastrophen im Riesenreich traurige Routine. Die Schlimmste ereignete sich 2009 in Perm, dort starben mehr als hundert Menschen in einem brennenden Nachtclub. Aber auch geschlossene Pflegeeinrichtungen ähnlich der Klinik in Ramenski sind oft betroffen. 2007 forderte ein Brand in einem Altersheim in Südrussland 63 Tote, 2009 ein Feuer in einem Serniorenheim in der Teilrepublik Komi 25 Opfer.

Schwere Brandkatastrophen ereignen sich auch in Deutschland, zuletzt starbenin Backnang acht Menschen. In Russland aber kommt es beinahe täglich zu verheerenden Feuern mit Toten und Verletzten, weil Richtlinien für Gebäudesicherheit und Brandschutz zu lax gehandhabt werden. Das Ergebnis ist eine erschreckende Statistik: Laut Russlands Katastrophenschutz starben 2012 11.630 Menschen bei Feuern. In Deutschland liegt die Zahl der Todesfälle bei Bränden bei rund 500 im Jahr.

Mit Material von dpa

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