Gewalt bei WM-Feiern in Kolumbien Bogotá verbietet Mehl und Rasierschaum

Aus Angst vor Ausschreitungen hat Kolumbiens Hauptstadt Bogotá vor dem WM-Viertelfinale den Verkauf zweier beliebter Partyartikel verboten: Mehl und Rasierschaum sind ab sofort tabu. Zuletzt hatte es bei Siegesfeiern Tote und Verletzte gegeben.

AFP

SPIEGEL ONLINE Fußball
Bogotá/Hamburg - Kolumbiens Hauptstadt Bogotá hat für das WM-Viertelfinale gegen Brasilien den Verkauf von Mehl und Rasierschaum verboten. Die Polizei will damit Ausschreitungen auf den Straßen verhindern. In dem fußballverrückten Land werden Fans bei Siegesfeiern häufig mit Schaum eingeseift und mit Mehl-Paketen beworfen. Beides führt nach Angaben der Behörden regelmäßig zu Schlägereien.

Auch der Verkauf von Alkohol ist für die Begegnung zwischen den Südamerika-Rivalen am Freitag (22 Uhr/ARD) verboten, zudem soll ein erhöhtes Polizeiaufgebot für Sicherheit sorgen. Zuletzt war es am Rande von WM-Spielen der kolumbianischen Nationalelf zu Gewaltausbrüchen gekommen.

So wurden nach dem Sieg gegen Uruguay am vergangenen Samstag landesweit mehr als 3200 Schlägereien mit 34 Verletzten gezählt. Auch von Todesopfern war die Rede, über deren Zahl herrscht allerdings Uneinigkeit. So teilte Bogotás geschäftsführender Bürgermeister Ricardo Bonilla mit, in der Hauptstadt seien nach dem Spiel acht Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei hingegen spricht lediglich von Verletzten im Zusammenhang mit den Siegesfeiern.

Generelles Alkoholverbot für Bogotá

Unumstritten ist offenbar, dass es bereits nach dem Auftaktsieg gegen Griechenland in Bogotá neun Tote gab. Bonilla sprach daraufhin für die folgenden Spieltage der "Cafeteros" ein generelles Alkoholverbot für die Stadt aus, um die Gewaltexzesse einzudämmen - eine Maßnahme, die zumindest bei den beiden anderen Vorrundensiegen Kolumbiens griff.

Auch andere Städte und Kreise nutzten das sogenannte Ley seca - auf Deutsch "trockenes Gesetz" - um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Zudem wurde teilweise für Jugendliche eine Sperrstunde verhängt. Eine landesweite Statistik über Todesfälle bei den Jubelpartys wird nicht geführt.

Kolumbiens Fußballfans gelten als außerordentlich begeisterungsfähig. So ergab eine Umfrage, die vor der WM im Auftrag der "New York Times" durchgeführt wurde, dass sich nur sechs Prozent der Einwohner nicht für Fußball interessieren. Das gelbe Trikot der kolumbianischen Elf ist im Land allgegenwärtig, auch an Tagen, an denen die Nationalmannschaft spielfrei hat.

"Hoffentlich haben wir keine Gründe zu leiden, und damit meine ich: keine Morde und Schlägereien", sagte Bonilla mit Blick auf das Spiel gegen Brasilien. "Wir wollen nur das schönste Fest unter Kolumbianern." Auch Staatspräsident Juan Manuel Santos meldete sich vor dem Viertelfinale zu Wort. "Lasst uns in Ruhe feiern", forderte er. "Lasst uns beweisen, dass wir ein Land sind, das zu feiern versteht."

rls/sid/AFP/AP



insgesamt 11 Beiträge
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sappelkopp 03.07.2014
1. Da sollten wir uns mal...
Zitat von sysopAFPAus Angst vor Ausschreitungen hat Kolumbiens Hauptstadt Bogotá vor dem WM-Viertelfinale den Verkauf zweier beliebter Party-Artikel verboten: Mehl und Rasierschaum sind ab sofort tabu. Zuletzt hatte es bei Siegesfeiern Tote und Verletzte gegeben. http://www.spiegel.de/panorama/brasilien-gegen-kolumbien-bogota-verbietet-mehl-und-rasierschaum-a-978902.html
...ein Beispiel nehmen, Mehl und Rasierschaum. Bei uns braucht es erst mal Alkohol ohne Ende, bis Stimmung aufkommt.
Rindi 03.07.2014
2.
Zitat von sappelkopp...ein Beispiel nehmen, Mehl und Rasierschaum. Bei uns braucht es erst mal Alkohol ohne Ende, bis Stimmung aufkommt.
Du hast den Bericht aber schon gelesen, oder? Da steht was von Alkoholverbot in KOLUMBIEN (wegen den massiven Ausschreitungen) und Toten bei Siegesfeiern. Sollen wir uns daran ein Beispiel nehmen?
Tiananmen 03.07.2014
3.
Zitat von sappelkopp...ein Beispiel nehmen, Mehl und Rasierschaum. Bei uns braucht es erst mal Alkohol ohne Ende, bis Stimmung aufkommt.
Wenn Sie den Artikel gelesen hätten, wären Sie auf das verhängte Alkoholverbot - Leya seca - gestossen und sogar auf eine Ausgangssperre für Jugendliche. Also: lesen, nicht bloß sappeln. ;- )
Andr.e 03.07.2014
4. Lesen hilft!
Zitat von sappelkopp...ein Beispiel nehmen, Mehl und Rasierschaum. Bei uns braucht es erst mal Alkohol ohne Ende, bis Stimmung aufkommt.
Im Artikel geht es auch und gerade um Alkohol. Mehl und Rasierschaum scheint mir auch eher ein Stimmungskiller... :-)
mike75074mike 03.07.2014
5. die können's!
das mit den Mehlpackungen ist cool! wenn so ein Paket aufplatzt gibt das im Umkreis von gefühlten 100 qm eine Riesensauerei, bei 10 Paketen nicht dran zu denken wie lange Putzkolonnen brauchen würden um alles wieder zu säubern. Von 100 Paketen ganz zu schweigen. Das könnte eine neue Welle in den Bundesligastadien werden: Mehl statt Pyro und ist nebenbei viel billiger! Arme Menschen haben uns eins vorraus: sie sind erfindungsreich!
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