Sportreporterinnen in Brasilien "Lasst sie einfach ihre Arbeit machen"

Küsse, Grapschereien und Beleidigungen vor laufender Kamera - Sportreporterinnen in Brasilien wollen das nicht länger hinnehmen und haben eine Initiative gestartet.

Twitter/@deixaelatrabalhar

Sportjournalistinnen in Brasilien haben die Nase voll. Sie wollen sich gegen ständige Belästigungen und Beleidigungen wehren, die sie in ihrem Beruf erleben - und haben unter den Hashtags "Let Her Do Her Job" oder "DeixaElaTrabalhar" eine Aktion gegen Diskriminierung ins Leben gerufen. Auf Deutsch: "Lasst sie einfach ihre Arbeit machen."

Die Sportreporterinnen wollen damit darauf aufmerksam machen, dass sie selbst vor laufender Kamera immer wieder üblen Übergriffen ausgesetzt sind, wie der Guardian berichtet. Bruna Dealtry beispielsweise, Sportreporterin bei Esporte Interativo, berichtete Anfang des Monats über eine Siegesfeier nach einem Fußballspiel, als ein Mann versuchte, sie zu küssen. "Das war nicht cool", sagte Dealtry darauf und moderierte weiter. Aber das Erlebnis ließ sie nicht unberührt.

Später schrieb sie bei Facebook: "Heute habe ich diese Machtlosigkeit gefühlt, die Frauen in Stadien empfinden, aber auch in U-Bahnen oder sogar, wenn sie einfach auf der Straße laufen."

In derselben Woche war eine andere Reporterin bei laufender Moderation als "Hure" beschimpft worden. Nach diesen Vorfällen reichte es mehreren Sportjournalistinnen, die sich vorab per WhatsApp-Gruppe über ihre Erfahrungen ausgetauscht hatten. "Wir haben gemerkt, dass wir stärker auftreten und mehr werden müssen", sagte die ESPN-Reporterin Bibiana Bolson, die schon Vergewaltigungsdrohungen bekommen hat, wie der "Guardian" berichtet.

"Diese Kampagne ist wirklich wichtig", sagte ihre Kollegin Débora Gares. "Sie zeigt, dass es nicht lustig ist, uns zu beleidigen oder zu drangsalieren." Frauen seien in Nachrichtenredaktionen in Brasilien ebenso wie in Sportstadien als Reporterinnen immer noch deutlich in der Minderheit und würden zudem selten Spitzenpositionen erreichen, kritisierte sie.

Dem Bericht zufolge wird die Kampagne von Frauen ebenso wie von mehreren Männern unterstützt, hat jedoch auch schon erneute Beleidigungen provoziert: "Ich weiß nicht, was das soll. Geht zurück in die Küche", heißt es in einem Tweet.

fok



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