Breno-Aussagen: Ermittler befragen Bayern-Physiotherapeuten

Er habe Schlaftabletten aus dem Medizinschrank der Bayern genommen, sagte Breno vor Gericht. Wie die Staatsanwaltschaft nun mitteilte, wurde deswegen auch beim FCB ermittelt. Der Fußballer könnte einem Gutachter zufolge in der Brandnacht vermindert schuldfähig gewesen sein.

Breno mit Anwalt Leitner (l.) und Übersetzerin: "Depressive Entwicklung" Zur Großansicht
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Breno mit Anwalt Leitner (l.) und Übersetzerin: "Depressive Entwicklung"

München - Wie Staatsanwalt Nikolaus Lanz vor dem Landgericht München sagte, wurde ein Physiotherapeut des FC Bayern München von der Polizei vernommen. Hintergrund sind Aussagen aus dem Brandstiftungs-Prozess gegen Breno. Der 22-Jährige hatte vor Gericht angegeben, regelmäßig Schlafmittel aus dem Medizinschrank der Bayern genommen zu haben.

Die Aussage sei "Anlass nachzuprüfen", sagte Lanz. "Das müssen wir von Amtswegen aufklären", so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es gehe um Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz. Den Angaben zufolge stießen die Ermittler beim FC Bayern tatsächlich auf einen unverschlossenen Medizinschrank.

Breno muss sich derzeit vor dem Landgericht München wegen schwerer Brandstiftung verantworten. In der Verhandlung am Dienstag hatte er angegeben, regelmäßig ein Schlafmittel eingenommen zu haben. Er habe es beim FC Bayern aus der medizinischen Abteilung "einfach mitgenommen", hieß es in einer Erklärung, die Brenos Anwalt Werner Leitner verlas. Zuvor hatte ein Manager des Spielers ausgesagt, Breno habe vom Club Schlafmittel bekommen. Daraufhin nahm die Staatsanwaltschaft laut Lanz die Ermittlungen auf.

Die Bayern weisen den Vorwurf des Breno-Managers entschieden zurück. "Grundsätzlich gibt es beim FC Bayern keine Schlafmittel", hatte der damalige Sportdirektor Christian Nerlinger in der vergangenen Woche gesagt. "Es bleibt bei dieser Aussage", bestätigte Bayern-Sprecher Markus Hörwick am Dienstag.

Einem Staatsanwaltschaftssprecher zufolge fanden die Polizisten bei ihren Ermittlungen den Beipackzettel eines Schlafmittels. Zudem habe der leitende Physiotherapeut des Clubs angegeben, dass es das Präparat in der medizinischen Abteilung gebe.

Breno möglicherweise vermindert schuldfähig

Im Prozess gegen Breno sagten am Mittwoch Psychiater aus. Er habe den Fußballer am Tag nach der mutmaßlichen Tat so niedergeschlagen erlebt, dass er ihm geraten habe, sich in stationäre Behandlung zu begeben, sagte Alexander Bilas. Bei Breno habe es bereits seit etwa dreieinhalb Jahren eine "depressive Entwicklung" gegeben, die sich in den acht Monaten vor dem Brand verschlechtert hatte.

Die Staatsanwaltschaft legt Breno zur Last, im September vergangenen Jahres aus Frust über eine langwierige Knieverletzung seine gemietete Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald angezündet zu haben.

Laut Gutachter Henning Saß war Breno in der Brandnacht möglicherweise vermindert schuldfähig. "Man kann nicht ausschließen, dass die Voraussetzungen für den Paragraphen 21 dann auch noch vorgelegen haben können", sagte Saß. Dieser Paragraph im Strafgesetzbuch bezieht sich auf die verminderte Schuldfähigkeit. Am Dienstag hatte eine Gutachterin Breno für schuldfähig erklärt.

Zu einem starken Alkoholkonsum kam in der Brandnacht laut Saß außerdem noch eine persönliche Ausnahmesituation gekommen - mit Ärger über die berufliche und private Situation sowie eine gewisse Isolation. Saß bescheinigte dem 22-jährigen Brasilianer eine "noch nicht sehr gut gefestigte, unreife Persönlichkeit". Zudem sei auch das Verhältnis zu seiner Frau und seinem ehemaligen Manager nicht problemlos gewesen. Breno sei "der Schwächste in dieser eigenartigen Dreier-Konstellation".

Der Manager hatte vor Gericht angegeben früher ein Verhältnis mit Brenos heutiger Frau gehabt zu haben. Der Fußballprofi habe das vor der Hochzeit auch gewusst.

hut/dpa/dapd

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1. Aha
Stelzi 04.07.2012
Und so wird aus "Die Bayern verteilen an ihre Spieler Schlafmittel" ein schnödes "Der Breno hat bei den Bayern Schlafmittel gestohlen".
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