Bruchlandung in San Francisco: Aus heiterem Himmel

DPA

Zwei Passagierinnen sind tot, fast 200 Menschen verletzt: Der Crash einer Boeing 777 in San Francisco passierte bei bestem Wetter. Am Steuer saßen erfahrene Piloten - und die Airline hält einen Triebwerkschaden für unwahrscheinlich. Wie konnte es zum Unglück kommen?

San Francisco - Auf dem mehr als zehn Stunden dauernden Flug deutete nichts auf die Katastrophe hin, mit der die Reise endete. Keine Warnung aus dem Cockpit, kein Rumpeln - alles Routine beim Asiana-Flug 214 aus Seoul. Es ist ein klarer, sonniger Morgen in San Francisco, das Fahrwerk hat schon fast die Landebahn berührt, als es einen heftigen Knall gibt und die Maschine ins Schleudern gerät. Wenige Minuten später liegt die Boeing 777 auf der Landebahn in San Francisco - ausgebrannt, voller Löschschaum, das Heck abgerissen. Trümmerteile überall.

305 Menschen haben die Bruchlandung der aus Südkorea kommenden Maschine überlebt - zwei 16-jährige Chinesinnen nicht. Ihre Leichen finden eintreffende Feuerwehrleute auf der Rollbahn. Beide saßen in der hintersten Reihe. Noch ist nicht klar, ob sie während der Bruchlandung aus dem Flugzeug geschleudert wurden.

"Als ich die Explosion hörte und die schwarzen Rauchwolken sah, dachte ich nur: Oh mein Gott, jeder an Bord der Maschine ist tot", sagt Ki Siadatan, der in der Nähe des Flughafens wohnt und den "holprigen" Anflug der Maschine beobachtete.

Zum Glück können andere anfliegende Piloten wenige Sekunden nach dem Crash an den Tower funken, dass sie Überlebende auf der Rollbahn sehen. "Wir sehen Menschen. Sie brauchen Hilfe", zitiert die "Los Angeles Times" einen der ersten Funksprüche.

Dass so viele überlebten, ist wohl auch dem beherzten Einsatz von Crew und Passagieren zu verdanken. Mehrere Notausgänge wurden zügig geöffnet. Einige hielten ihre Mitreisenden an, ruhig, aber schnell die Maschine zu verlassen. Crew-Mitglieder zerschnitten Sicherheitsgurte von Passagieren, um diese schnell aus ihren Sitzen zu befreien.

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Flugzeugabsturz: Crash in San Francisco
Ins Wasser geflüchtet

Einige Passagiere sprangen nach Verlassen des Flugzeuges offensichtlich ins Wasser - der Flughafen liegt direkt an der Bucht von San Francisco. Die Verantwortliche der Feuerwehr sagte, einige Menschen seien aus dem Wasser gekommen, als die Retter eintrafen. "Aber das Flugzeug war ganz sicher nicht im Wasser." Weil es an Bord gebrannt habe, seien Passagiere möglicherweise ins Nasse geflüchtet.

49 Menschen mussten mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus, weitere 132 hätten leichte bis mittelschwere Verletzungen erlitten. Viele empfanden es als Wunder, dass sie die Bruchlandung überstanden haben.

Die Katastrophenhilfe hat offensichtlich funktioniert. Benjamin Levy, der laut der lokalen Zeitung "San Francisco Chronicle" in der 30. Reihe der Unglücksmaschine gesessen hat, nannte die Evakuierung überraschend geordnet. Teile des Airports wurden umgewidmet in ein Auffangzentrum für die Opfer.

Nur Stunden nach dem Vorfall konnte der Flugbetrieb auf zwei der vier Rollbahnen wieder aufgenommen werden. Passagiere berichteten am Abend über ganz normale Geschäftigkeit an den Schaltern und in den Wartezonen.

Die Ursachensuche läuft bereits auf vollen Touren. "Wir wollen verstehen, was passiert ist", sagte die Vorsitzende der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB, Debbi Hersman. Spekulationen machten die Runde. Wie konnte es mit der modernen Maschine einer etablierten Fluggesellschaft unter strahlend blauem Himmel überhaupt zu so einer Katastrophe kommen?

Die Flugaufsichtsbehörde FAA stufte den Vorfall offiziell als Bruchlandung ein. Möglicherweise seien die Räder gegen ein Hindernis geprallt, so dass der Pilot die Kontrolle über den Flieger verloren habe. In Frage kommt der Schutzwall, der die Landebahn vom Wasser trennt.

Zu tief, zu schnell

Den Eindruck, dass das Flugzeug zu tief angeflogen sei, hatte etwa Benjamin Levy, der in der Maschine saß. "Ich kenne den Flughafen ziemlich gut. Mir wurde deshalb klar, dass wir ein bisschen zu tief sind und zu schnell."

Levys Gefühl wurde später durch die Auswertung der Black Box bestätigt, die NTSB-Chefin Hersman am Sonntagabend präsentiert. Sieben Sekunden vor dem Aufprall schien alles normal, dann blieb die Maschine offenbar an der Ufermauer hängen, geriet ins Trudeln. Der Pilot sandte eine Warnung aus, versuchte das Flugzeug nochmal hochzureißen. Eineinhalb Sekunden später schlug die 777 auf der Landebahn auf.

Die Fluggesellschaft Asiana Airlines hält einen Triebwerksfehler indes für unwahrscheinlich. Vor dem Landeanflug habe es keine Notfall-Durchsage gegeben, sagte Asiana-Präsident Yoon Young Doo am Sonntag vor Journalisten in Seoul. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe die Gesellschaft davon aus, "dass es keine Probleme mit den Triebwerken gab".

Yoon sagte zudem, dass die vier Piloten an Bord alle sehr erfahren gewesen seien. Drei hätten jeweils mehr als 10.000 Flugstunden hinter sich, der vierte knapp 5000. Sie wechselten sich in Zweierschichten während des Langstreckenflugs ab.

Anhand der Zeugenberichte und der im Internet kursierenden Videoaufnahmen hält es der ehemalige Militärpilot Mike Barr für möglich, dass die Maschine zu niedrig angeflogen ist. Barr, der an der Universität Süd-Kalifornien Vorlesungen über Flugsicherheit hält, vermutet auch, das Flugzeug könnte an dem Wall hängen geblieben sein, der die Landebahn zum Wasser hin abschließt.

wbr/dpa/Reuters/AP

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insgesamt 126 Beiträge
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1. Jetzt wissen wir's
mwinter 07.07.2013
Niemals in den hinteren Reihen sitzen, nicht nur wegen dem Lärm!
2. Höhenmesser
Michael Wesemann 07.07.2013
Das sieht wie der klassische Fall eines falsch justierten Höhenmessers aus. Der ganze Unfallhergang lässt diesen Schluss zu. Mal schauen, was die Medien noch melden.
3.
SteveFfm 07.07.2013
Zitat von sysopZwei Passagierinnen sind tot, fast 200 Menschen verletzt... Bruchlandung in San Francisco: Aus heiterem Himmel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/bruchlandung-in-san-francisco-aus-heiterem-himmel-a-909895.html)
Passagierinnen? In Anbetracht der Tragödie sollte DER SPIEGEL wenigstens an dieser Stelle ein gutes Deutsch verwenden. Politisch-korrekte Gender-Mainstreaming-Formulierungen sind hier wirklich Fehl am Platze, mehr noch, sie sind geradezu abstoßend.
4. Gelbe Seiten
Welehamm 07.07.2013
Ich bin sicher, dass die NSA bald einen Unterhosenbomber oder sonst was entdeckt. Einfach dort mal nachfragen.
5. Wo kam denn die Maschine nun her?
Pingy 07.07.2013
SPON schreibt wiederholt die Maschine kam aus Singapur, dann wieder aus Seoul. Das sind zwei Städte die ca 4,500km auseinander liegen.
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