Geschwärztes Logo nach Bruchlandung: Blackout in Bangkok

Von

Übermalte Airline-Logos: Alles im Lack Fotos
AFP

Warum wurde nach der Bruchlandung einer Thai-Airways-Maschine in Bangkok das Logo der Fluggesellschaft geschwärzt? Thai Airways wollte wohl Schaden von der Marke abwenden und erreichte damit das Gegenteil.

Bangkok - Es muss eine kuriose Szene gewesen sein, die sich am frühen Montagmorgen am Flughafen von Bangkok abspielte. Gerade erst war ein Airbus A330-300 der Thai Airways nach dem Aufsetzen über die Landebahn hinausgerutscht und schließlich bäuchlings neben der Piste liegengeblieben. In aller Hektik hatten sich die 288 Passagiere in Sicherheit bringen müssen, noch immer ragten die Notrutschen aus dem Rumpf heraus - da näherte sich ein ganz spezielles Aufräumkommando der Unglücksstelle.

Von einem Kran aus übermalten Arbeiter das Logo der Fluggesellschaft dick mit Farbe. Statt der goldenen Thai-Airways-Orchideenblüte waren an Rumpf und Leitwerk kurz darauf nur noch dunkle Flecken zu sehen. Medien in aller Welt - auch SPIEGEL ONLINE - zeigten die Fotos der unkenntlich gemachten Passagiermaschine, die jetzt aussah, als hätte sie jemand mit schwarzem Lackstift bemalt. Blieb die Frage: Wozu das Ganze? Wollte ernsthaft jemand verheimlichen, für welche Gesellschaft die Unglücksmaschine flog?

Erste Meldungen, wonach die hastige Übermal-Aktion ein Standardverfahren der Luftfahrtallianz Star Alliance sei, wurden von dieser energisch dementiert. "Diese Policy existiert bei uns nicht und hat auch noch nie existiert", sagt Markus Rüdiger, Sprecher des Airline-Verbunds, dem auch die Lufthansa angehört.

"Bis vor einigen Jahren wurde das oft so gemacht"

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE gab Thai Airways schließlich zu, die Schwärzung des Logos gehe auf eine firmeninterne Regel zurück. "Die Unkenntlichmachung eines Flugzeugs, das in einen Unfall verwickelt war, (...) entspricht unserem normalen Vorgehen", ließ die Pressestelle des Unternehmens wissen. "Diese Arbeiten werden automatisch von unserer Technik-Abteilung übernommen." Niemand habe sie gesondert angeordnet. Zudem seien die Firmenlogos erst übermalt worden, als die Crew und alle Passagiere die Unglücksstelle verlassen hätten.

Doch bei der Anstreich-Übung handelt es sich keineswegs um eine Erfindung von Thai Airways. "Bis vor einigen Jahren wurde das oft so gemacht, das war Standard", berichtet der Sprecher einer großen Fluggesellschaft, der nicht genannt werden will. Inzwischen sei man davon abgekommen - wohl nicht zuletzt, weil es Handykameras und soziale Netzwerke gibt. Auch Jens Friedemann, Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, stellt den Sinn solcher Lackiermaßnahmen in Frage. "Im Internetzeitalter machen die Leute am Flughafen ja sofort Fotos davon, die dann auch gleich online gehen", sagt er.

Trotzdem kommt es immer noch verblüffend oft vor, dass Fluggesellschaften zu Farbe und Pinsel greifen, um Schaden von der eigenen Marke abzuwenden. Als etwa im Februar eine Maschine der Alitalia bei der Landung in Rom von der Bahn abkam und im Gras landete, lackierten Arbeiter das Flugzeug vom Typ ATR-72 komplett um - strahlend weiß lag das Wrack schließlich auf der grünen Wiese. Als "Routinevorgehen auf der ganzen Welt" bezeichnete Airline-Chef Giancarlo Schisano die Aktion im Nachgang.

Offenbar hat sich noch nicht überall herumgesprochen, dass solche Vertuschungsaktionen eher nicht geeignet sind, das Image einer Firma zu retten - auch im Fall der verunglückten Thai-Airways-Maschine ist eher das Gegenteil der Fall. Längst interessiert sich die Öffentlichkeit eher für die ungelenk übermalten Logos als für die Havarie selbst. Jede Menge Spott gab es etwa in den sozialen Netzwerken. "Schhh, sagt's keinem weiter!", witzelte ein Twitter-User; ein anderer lästerte über die "bizarrste PR-Maßnahme aller Zeiten".

Immerhin ist das nachträgliche Bemalen verunglückter Flugzeuge in Deutschland nicht verboten, wie BFU-Sprecher Friedemann betont. Selbstverständlich ist es das nicht: Immerhin werden die Unglücksstellen üblicherweise abgesperrt; außer den Ermittlern von Staatsanwaltschaft und BFU darf niemand ans Wrack heran. Gern gesehen ist es sicher nicht, wenn dann ein Vertreter der Fluggesellschaft mit Lackeimer und Malerausrüstung anrückt. "Aber wenn es den Wunsch gäbe, ein Logo zu überstreichen, dann müsste man von Fall zu Fall entscheiden", sagt Friedemann. "Ein Gesetz gibt's jedenfalls nicht dagegen."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles zum Thema Flugzeugunglücke
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback