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Buch des Kirchenoberhaupts: Papst vergleicht indirekt Holocaust und Abtreibung

Kommende Woche erscheint in Italien das fünfte Buch von Papst Johannes Paul II. Bereits jetzt sind einzelne Passagen daraus bekannt geworden. So zieht das Oberhaupt der Katholischen Kirche in allgemeiner Form einen Vergleich zwischen dem Holocaust und der Abtreibung.

Indirekter Vergleich von Holocaust und Abtreibung: Papst Johannes Paul II.
DPA

Indirekter Vergleich von Holocaust und Abtreibung: Papst Johannes Paul II.

Warschau - In seinem neuen Buch, dessen deutsche Übersetzung in etwa "Gedächtnis und Identität: Gespräche zwischen Jahrtausenden" lautet, schreibt der Pontifex, ein rechtmäßig gewähltes Parlament habe die Wahl Adolf Hitlers in den 1930er Jahren ermöglicht und ihn mit der Macht ausgestattet, die der Einrichtung von Konzentrationslagern und der sogenannten Endlösung den Weg bereitet hätten. Heutzutage müssten die gesetzlichen Regelungen zur Abtreibung in Frage gestellt werden, fährt der Papst fort. "Parlamente, die solche Gesetze schaffen und verkünden, müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie ihre Machtbefugnisse überschreiten und in einem offenen Konflikt mit dem Gesetz Gottes und dem Gesetz der Natur verharren."

Das Buch ist im Wesentlichen eine Mitschrift von Gesprächen, die Johannes Paul II. im Jahr 1993 auf polnisch mit dem befreundeten Philosophen Krzysztof Michalski und dem inzwischen verstorbenen Geistlichen Jozef Tischner führte.

Der Papst warnt darin zudem die Staaten des früheren Ostblocks davor, unkritisch "negative kulturelle Muster" des Westens zu übernehmen. Während seines Kampfes gegen den Kommunismus habe dieser Teil Europas eine spirituelle Reife erreicht, dank derer einige für das menschliche Leben wichtige Werte weniger an Bedeutung verloren hätten als im Westen.

In den persönlichsten Passagen schreibt der gebürtige Pole, wie ihm sein Glaube geholfen habe, die Schmerzen nach dem Attentat von 1983 zu ertragen. Er erinnere sich an die Fahrt ins Krankenhaus. "Ich war für einige Zeit bei Bewusstsein. Aber ich hatte ein Gefühl, dass ich überleben würde. Ich litt, ich hatte Grund, mich zu fürchten, aber ich hatte dieses sonderbare Gefühl von Vertrauen."

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