Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Torontos Skandal-Bürgermeister: Rob Ford patzt mit Oralsex-Spruch

REUTERS

Crack geraucht, viel zu viel Alkohol getrunken und vom Stadtrat zum Rückzug gedrängt - schlimmer kann es für Rob Ford nicht kommen? Doch! Torontos Bürgermeister soll eine Mitarbeiterin zum Oralsex aufgefordert haben. Mit seinem Dementi tritt der 44-Jährige direkt ins nächste Fettnäpfchen.

Toronto - Rob Ford kommt nicht zur Ruhe. Immer wieder tauchen neue Vorwürfe gegen Torontos Bürgermeister auf. Jüngste Episode im Fall des Skandal-Politikers: Der 44-Jährige hat bestritten, eine Mitarbeiterin unter Druck gesetzt und zum Oralsex aufgefordert zu haben. Zudem kündigte er rechtliche Schritte gegen ehemalige Mitarbeiter an, die mit der Polizei über seine Trinkgewohnheiten und seinen Drogenkonsum gesprochen hatten.

Ford hatte erst kürzlich eingestanden, Crack geraucht und jahrelang illegale Drogen gekauft zu haben - was er zuvor geleugnet hatte. Nun wehrte sich der Bürgermeister live im Fernsehen vor Reportern gegen den Vorwurf, er habe Oralsex mit einer Mitarbeiterin haben wollen. "Das habe ich nie im Leben zu ihr gesagt, ich würde das nie machen."

Dabei hätte er es belassen können. Doch Ford legte nach. Der Vater zweier Kinder erklärte in vulgären Worten, er sei "glücklich verheiratet" und habe genug Oralsex zu Hause.

Fotostrecke

8  Bilder
Rob Ford: Der Skandal-Bürgermeister von Toronto
Später entschuldigte sich der Bürgermeister - flankiert von seiner Frau Renata - während einer Pressekonferenz für diese Bemerkung. Die Wortwahl sei unverzeihlich gewesen. Von der Justiz veröffentlichte Polizeiprotokolle hätten ihn dazu getrieben, erklärte er. Die Dokumente legen nahe, dass der 44-Jährige sich womöglich mit einer mutmaßlichen Prostituierten vergnügte, betrunken Auto fuhr und Kokain schnupfte.

Diese Anschuldigungen nannte Ford "zu 100 Prozent Lügen". Seine Integrität als Vater und Ehemann sei angegriffen worden, daraufhin habe er "rotgesehen".

"Ich bin nicht perfekt"

Ford widersprach sich selbst. Es könne durchaus vorgekommen sein, dass er sich angetrunken hinters Steuer gesetzt habe. Dann schaltete Ford aber sofort wieder in seinen Verteidigungsmodus: "Ich bin nicht perfekt. Vielleicht seid ihr es, ich bin es nicht, okay?"

Diese Mischung aus Reue und Trotz kennzeichnete zuletzt viele seiner öffentlichen Auftritte. Er habe sich professionelle Hilfe gesucht, um seine Probleme in den Griff zu bekommen, sagte Ford. Er wollte aber nicht ins Detail gehen, wie diese Unterstützung aussieht.

Während er zu den Reportern sprach, trug er ein Trikot des Football-Teams Toronto Argonauts. Das Trikot mit der Nummer 12 zierte der Schriftzug "Mayor Ford" (Bürgermeister Ford). Der Club zeigte sich darüber alles andere als begeistert: "Die jüngsten Bemerkungen, während er unser Trikot trug, sind besonders enttäuschend", heißt es in einer Stellungnahme des Teams.

In dem Argonauts-Dress war Ford bereits bei der Stadtratssitzung am Donnerstag aufgetaucht. Viele der 44 Abgeordneten kehrten dem Bürgermeister aus Protest den Rücken zu, als er über lokalpolitische Themen sprach. Das Gremium hatte Ford am Mittwoch mit überwältigender Mehrheit aufgefordert, seine Amtsgeschäfte niederzulegen und seine privaten Probleme zu regeln.

Stadtrat entzieht Ford Befugnisse

Doch die Eingabe hat für Ford keine bindende Wirkung. Und der Bürgermeister lehnt einen Rücktritt kategorisch ab. "Er ist einer der stursten, dickköpfigen Menschen, die wir je gesehen haben", sagte Ratsmitglied Janet Davis. "Er scheint keine Selbsteinschätzung zu haben. Es ist unglaublich."

Am Freitag haben Mitglieder des Stadtrats einen Antrag zur Abstimmung vorgelegt, der dem Bürgermeister einige Befugnisse entzieht. Die Eingabe wurde mit 39 zu 3 Stimmen abgesegnet. Ford fehlt nun unter anderem die Macht, seinen Stellvertreter und Mitglieder des Exekutivkomitees zu feuern. Zudem soll er weniger Einfluss auf die Tagesordnung des Stadtrates nehmen können.

Ungewöhnlich verhalten fiel die Reaktion des Bürgermeisters aus. "Ich kann das nicht unterstützen und habe offenbar keine andere Wahl, als diese Entscheidung vor Gericht anzufechten", sagte Ford.

Für Montag ist bereits der nächste Schritt geplant. Dann will der Stadtrat einen Antrag einbringen, der Ford weiterer Befugnisse beraubt. 28 Abgeordnete sollen die Resolution bereits unterzeichnet haben. Sie würde dem Bürgermeister die Hoheit über den Etat entziehen und seinen Stellvertreter zum Vorsitzenden des Exekutivkomitees machen.

Die Premierministerin der Provinz Ontario, Kathleen Wynne, deutete an, die Regionalregierung sei bereit, einzuschreiten und eine Entfernung des Bürgermeisters aus seinem Amt zu genehmigen. Dafür müsse der Stadtrat diesen Schritt jedoch einstimmig beschließen und vom Regionalparlament unterstützt werden.

Das dürfte jedoch kaum geschehen. Fords Bruder Doug sitzt im Stadtrat. Und egal wie das Gremium weiter gegen den Bürgermeister vorgeht: Rob Ford scheint entschlossen zu sein, weiter das Rampenlicht zu suchen. Der Sender Sun News Network kündigte an, dass die Ford-Brüder eine eigene TV-Show mit dem Titel "Ford Nation" bekommen sollen.

wit/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 9.984.670 km²

Bevölkerung: 35,540 Mio.

Hauptstadt: Ottawa

Staatsoberhaupt: Königin Elizabeth II., vertreten durch Generalgouverneur David Lloyd Johnston

Regierungschef: Justin Trudeau

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Kanada-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: