Büro-Wettstreit Ich kleb' dir gleich eine

In französischen Büros geht derzeit der Verbrauch von Klebezetteln steil nach oben: Mit den Post-its verschönern Mitarbeiter die Glasfassaden der Gebäude. So entstehen aufwendige Kreationen - Hauptsache, das eigene Motiv ist besser als das des Nachbarn.

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Paris - Französische Bürohäuser werden immer mehr zum Wettkampfgebiet. Alle sind beteiligt - Banken, Versicherungen, Medienunternehmen, Industriekonzerne. Das Spielfeld: die Glasfassaden der Gebäude. Die Ausrüstung: unzählige bunte Klebezettel. Der Wettbewerb begann im Gewerbegebiet Montreuil östlich von Paris, berichtet der "Guardian". Inzwischen habe der Klebezettel-Klamauk auch Pariser Wohnungen und andere Städten wie Lille oder Lyon erfasst.

"Als wir das erste Mal davon hörten, dass in Montreuil dieser Post-it-Krieg ausgebrochen ist, stellten wir uns Franzosen im Anzug vor, die sich mit Post-its bewerfen", kalauerte das englische Magazin "Don't Panic". Tatsächlich geht es bei "La guerre des Post-it" ("Post-it-Krieg") darum, die ausgefallensten, aufwendigsten und kreativsten Motive an die Glasflächen zu zaubern.

Und kreativ zeigen sich die Büroarbeiter allemal. Unter zahlreichen anderen Motiven wurden beispielsweise verewigt: Ein "Standbild" aus dem Computerspiel-Klassiker Tetris, die berühmte herausgestreckte Zunge als Markenzeichen der Rolling Stones, das Batman-Symbol, das Apple-Logo, der Kopf von Cartoonfigur Homer Simpson, Charaktere aus "Super Mario", das Konterfei von Marilyn Monroe und selbst das berühmte Antlitz der Mona Lisa. Der Wettbewerb hat inzwischen sogar eine eigene Website.

Derzeitiger Champion der Zettelkleber ist der Videospieleentwickler Ubisoft, wie der "Guardian" und der "New Zealand Herald" berichten. Das Bild des Unternehmens - eine Figur aus dem Computerspiel "Assasin's Creed" - bestand aus mehr als 3000 Klebezetteln und war drei Stockwerke hoch.

Der Wettstreit hat für die Firmen neben dem Prestige auch einen ganz handfesten Vorteil. Ein Beteiligter im Büro des Energiekonzerns GDF Suez sagte dem "Guardian", der "Krieg der Klebezettel" sei sehr gut für das Betriebsklima. Er bringe Leute zusammen, die sich sonst nie getroffen hätten.

ulz

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