Gepanschter Alkohol: Bundesregierung warnt vor tschechischem Schnaps

Rund 20 Menschen sind in Tschechien an gepanschtem Alkohol gestorben. Nun mahnt das deutsche Außenministerium Reisende zur Vorsicht. An der Grenze zu Bayern hob die Polizei eine illegale Abfüllanlage für Hochprozentiges aus.

Kontrolle in tschechischer Kneipe: Angst vor gepanschtem Schnaps Zur Großansicht
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Kontrolle in tschechischer Kneipe: Angst vor gepanschtem Schnaps

Prag/Berlin - Das Auswärtige Amt hat Tschechien-Reisende vor dem Konsum hochprozentiger Getränke gewarnt. Es werde vom Kauf und Konsum von Spirituosen unklarer Herkunft abgeraten, heißt es in einem aktualisierten Reisehinweis.

In Tschechien sind rund 20 Menschen nach dem Trinken gepanschten Alkohols gestorben, mehr als 30 mussten ins Krankenhaus. Gewarnt wird wegen möglicher Verunreinigungen mit Methylakohol vor dem Trinken von Spirituosen der Marken Lassky Tuzemak, Tuzemak, Svestkova Vodka, Vodka Lunar, Hanacka Vodka, Merunka und Borovicka.

Die tschechische Regierung hat den Verkauf von Spirituosen mit mindestens 20 Prozent Alkohol landesweit untersagt - das Verbot greift bisher aber nicht wirklich.

Dass gepanschte Ware auf legalem Weg nach Deutschland gekommen sei, könne nahezu ausgeschlossen werden, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Die Warnung sei vor allem eine zur Sensibilisierung gedachte Vorsichtsmaßnahme. In einzelnen Bundesländern werde aber genauer hingeschaut.

Die sächsischen Behörden wurden nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums des Landes von der Europäischen Kommission darüber informiert, dass gepanschter Alkohol in Tschechien in kleinen Geschäften in der Region um Ostrau verkauft wurde. Die Vertriebswege sind noch unklar. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass mit Methanol verunreinigter Alkohol auch in Sachsen angeboten werde, sagte Ministeriumssprecher Ralph Schreiber. Regale in sächsischen Geschäften würden aber nicht kontrolliert, dafür gebe es bislang keinen Anlass.

Auch in Bayern sei bislang kein gepanschter Alkohol aus dem Nachbarland aufgetaucht, sagte eine Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Lebensmittelkontrolleure hielten aber die Augen offen und zögen verdächtige Produkte sofort aus dem Verkehr. Auch der Zoll achtet demnach verstärkt auf Alkoholimporte.

An der Grenze zu Bayern hob die tschechische Polizei eine illegale Abfüllanlage für Hochprozentiges in der Region Cheb (Eger) aus. Die Beamten stellten in der Fälscherwerkstatt fast 100.000 gestohlene Zollsiegel sicher. Ob dort auch Gift-Schnaps gepanscht wurde, blieb unklar. Laborergebnisse werden erst in einigen Tagen erwartet.

hut/dpa/dapd

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