Unwetterschäden in NRW Aufräumen mit Panzern und Kettensägen

Vier Tage nach dem schweren Unwetter über NRW herrscht in der Region noch immer der Ausnahmezustand. In Düsseldorf hilft jetzt die Bundeswehr mit schwerem Gerät, die zerfetzten Bäume wegzuräumen.

Von Simone Utler, Düsseldorf


Im Grafenberger Wald ist nichts wie sonst an diesem Wochenende. Auf dem Parkplatz, wo normalerweise Jogger und Spaziergänger ihre Autos abstellen, steht am Freitag ein Pionierpanzer vom Typ "Dachs". Vom nahe gelegenen Spielplatz ertönt kein Kinderlachen, sondern das Fauchen von Motorsägen. Seit dem Morgen ist die Bundeswehr in dem Wald im Düsseldorfer Osten im Einsatz und unterstützt die Feuerwehr beim Beseitigen der Sturmschäden.

Tief "Ela" hatte am Montagabend Gewitter mit Orkanböen über Nordrhein-Westfalen wüten lassen. Allein in Düsseldorf wurden 17.000 Bäume beschädigt oder entwurzelt. Der Stadt brachte das den Spitznamen "Dschungeldorf" ein - wobei viele Anwohner diesen Begriff als zu verniedlichend sehen und eher von "Katastrophengebiet" sprechen. Zwar sind die Hauptverkehrsstraßen inzwischen freigeräumt, Gehwege und Grünflächen sind aber auch am Tag vier nach dem Unwetter noch von sturmzerfetzten Bäumen übersät.

Bei den Aufräumarbeiten soll jetzt die Bundeswehr helfen. Insgesamt 300 Soldaten kamen am Donnerstag in der Landeshauptstadt an, mit dabei: zwei Kettenfahrzeuge mit Bagger und Räumschild, 40 bis 50 Jeeps und Lastwagen sowie Dutzende Kettensägen. "Am Morgen haben wir uns einen Überblick verschafft, nun arbeiten wir uns von zwei Seiten vor", sagt Bundeswehrsprecher Uwe Kort über den Einsatz der mobilen Kettensägentrupps. Im Wald habe der Sturm besonders heftig zugeschlagen: Etliche Bäume seien so stark beschädigt, dass sie gefällt werden müssen.

Buchenziehen mit dem Panzer

Fotostrecke

10  Bilder
Bundeswehr in Düsseldorf: Aufräumen nach Sturm "Ela"
"Hier haben wir ordentlich was zu tun", sagt Stabsunteroffizier Sven Härtling, der den "Dachs" fährt und in den vergangenen Stunden eine entwurzelte Buche aus dem Wald gezogen hat. "Das war schwieriger, als wir gedacht hatten", sagt Härtling. Inzwischen sind zwei seiner Kameraden dabei, den einst knapp 30 Meter hohen Baum in kleinere Stücke zu zerteilen. Später werden Soldaten Stamm, Geäst und Laub mit Lastwagen zu einem der vier Abladeplätze bringen, die in Düsseldorf eingerichtet wurden.

Bundeswehr und Feuerwehr arbeiten eng zusammen und haben ihre Einsatzgebiete aufgeteilt. "Wir bearbeiten mit unserem schweren Gerät überwiegend die Waldgebiete an der Peripherie der Stadt, die Feuerwehr ist weiter im Stadtgebiet im Einsatz", sagt Kort. Zunächst bis Sonntagabend, 24 Uhr sind die Soldaten für den Einsatz in Düsseldorf angefragt. "Dann müssen wir aktuell sehen, wie die Lage ist und was politisch gewünscht wird."

An Arbeit dürfte es bis dahin nicht mangeln. Rund tausend Helfer waren am Freitag laut Feuerwehr im ganzen Stadtgebiet im Einsatz. "Insgesamt wurden seit Montagnacht 3100 Schadensorte gemeldet", sagt Tobias Schülpen, Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr. Davon hätten die Helfer schon 3000 abgearbeitet - allerdings seien noch einige schwere und besonders umfangreiche Einsätze offen. "Zum Beispiel die Räumung der gesamten Rennbahnstraße hier im Wald." Diesen Job erledigt nun die Bundeswehr. "Wir müssen unsere Hilfskräfte auch mal auslösen, denn die sind seit vier Tagen fast nonstop im Einsatz", sagt Schülpen. Wie lange die Aufräumarbeiten noch dauern werden, kann er nicht schätzen. "Aber beim Öffnen der Hauptverkehrswege waren wir schneller als zuerst gedacht."

"Keiner kann sagen, wo noch abgebrochene Äste hängen"

Insgesamt hat "Ela" die Stadt nach ersten Erkenntnissen deutlich schwerer getroffen als das Orkantief "Kyrill" im Januar 2007. Damals waren laut Feuerwehr 800 Bäume beschädigt worden. Schülpen schätzt, dass der Sachschaden diesmal in die Millionenhöhe geht. Hinzu kommen die Personenschäden: Drei Menschen sind in Düsseldorf gestorben, elf wurden bei dem Sturm verletzt, sieben Einsatzkräfte verletzten sich bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten.

Auch jetzt ist die Gefahr noch nicht gebannt. Die Feuerwehr gibt Verhaltenshinweise an die Bevölkerung aus, abgesperrte Bereiche soll man demnach weiträumig meiden. "Wir haben noch etliche unsichere Gebiete, denn keiner kann sagen, in welcher Baumkrone noch abgebrochene Äste hängen, die beim nächsten Windstoß runterkommen können - und wahrlich keine kleinen Ästchen sind", sagt Schülpen.

Unterdessen geht das große Aufräumen auch in anderen betroffenen Städten weiter. Landesweit sind nach Angaben des Feuerwehrverbands VdF NRW rund 18.000 Helfer im Einsatz und räumen die Straßen frei. Insgesamt habe es in ganz NRW rund 23.000 Einsätze gegeben. "Bei weiterem Bedarf stehen noch genügend frische Feuerwehr-Einsatzkräfte zur Verfügung, um Hilfe zu leisten", sagte Bernd Schneider, stellvertretender Vorsitzender des VdF NRW.

In Düsseldorf, Essen und Neuss sind wegen der Sturmschäden zahlreiche Kitas geschlossen, Parks und Friedhöfe dürfen wegen der Gefahr durch herunterfallende Äste nicht betreten werden. Für das Wochenende sagten mehrere Kommunen Veranstaltungen unter freiem Himmel ab.

In weiten Teilen Nordrhein-Westfalens ist zudem der Bahnverkehr weiter gestört. Essen, Recklinghausen, Herne und Gelsenkirchen waren am Freitag noch vom Netz abgeschnitten. Die Bahn setzte Hunderte Mitarbeiter für Aufräumarbeiten an den Trassen ein, zehn spezielle Reparaturwagen waren auf den Schienen unterwegs. Die Bahn will mindestens bis Montag ihre kostenlose Hotline geschaltet lassen.

Auch in Düsseldorf müssen Menschen, die normalerweise öffentliche Verkehrsmittel nutzen, viel Geduld aufbringen. Heide Syben brauchte am Donnerstagabend für eine Strecke, die sonst knapp 60 Minuten dauert, über zweieinhalb Stunden. Sie musste vier Mal umsteigen, ewig auf den Schienenersatzverkehr warten und dann noch laufen. Allerdings wundert sie das nicht: "Ich lebe seit 70 Jahren in Düsseldorf und habe noch nie so einen Sturm erlebt wie den am Montagabend."

Mit Material von dpa



insgesamt 91 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-facebook-10000523851 13.06.2014
1. Die selbe
Bundeswehr, die von vielen ausgebuht und angefeindet wird ?
XDB 13.06.2014
2. Das war kein Orkan
sondern eine schwere Gewitterlage mit Orkanböen. Warum hat man nun auch noch wieder einen Namen (Ela) angeführt? Wollen Sie ähnlich der BILD die Leute verdummen? Das Ganze hat mit einem "Orkan" im Sinne eine mehr oder minder großräumigen Sturmtiefs nichts zu tun, die Orkanböen in diesem Falle sind durch extrem starke konvektive Fallwinde hervorgerufen ... aber was rede ich, ordentliche Recherche trifft man eh kaum mehr an inzwischen.
spmc-12653168937531 13.06.2014
3. Warum erst jetzt?
Nach diesem verheerenden Unwetter frage ich mich, warum erst jetzt die Bundeswehr auf den Plan kommt. Ja,ja - Deutschland wir am Hindukusch verteidigt.
abcdxyz 13.06.2014
4. Jeep?
Die Bundeswehr benutzt amerikanische Fahrzeuge? Interessant! Das ist als würde ich jemanden fragen, ob ich ein Tempo haben könnte statt eines Taschentuchs. Bitte korrigieren und Geländewagen benutzen...
sachsenbirne 13.06.2014
5.
Warum werden alle Gelände gängigen Autos als Jeep bezeichnet? Wenn wir schon bei der BW-internen Bezeichnung anfangen sollte es der Wolf sein, hergestellt von Mercedes-Benz.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.