Jade-Bergbau Viele Tote bei Erdrutsch in Burma

In Burma wurden bei einem Erdrutsch Dutzende Menschen verschüttet, etwa hundert gelten noch als vermisst. Die Opfer suchten offenbar gerade nach kostbaren Jade-Stücken, als sich ein 300 Meter hoher Schuttberg löste.

Helfer und Soldaten in Kachin: Viele Tote und Verletzte
AFP

Helfer und Soldaten in Kachin: Viele Tote und Verletzte


Bei einem verheerenden Erdrutsch in einer Jade-Mine im Norden Burmas sind mehr als 90 Menschen ums Leben gekommen. 79 Leichen seien am Samstag in der Nähe von Gold- und Jade-Bergwerken in der Kachin-Region geborgen worden, sagte ein Vertreter der Regionalverwaltung in Hpakant. Am Sonntag hätten die Rettungskräfte bislang mehr als elf weitere Todesopfer entdeckt. Weitere 100 Menschen gelten als vermisst, berichteten örtliche Behördenvertreter der Nachrichtenagentur dpa.

Es sei unklar, wie viele Menschen noch unter den Erdmassen begraben seien, sagte der örtliche Regierungsvertreter Nilar Myint. Nur ein Verschütteter habe lebend aus dem Geröll herausgezogen werden können, er sei aber kurze Zeit später gestorben. Mitarbeiter des Roten Kreuzes, Soldaten, Polizisten und Helfer aus den Gemeinden waren im Einsatz, um nach Überlebenden zu suchen. Ihre Arbeit wurde durch schlechte Wetterbedingungen erschwert.

Nach ersten Informationen war ein etwa 300 Meter hoher Abraumhügel abgerutscht und hatte knapp 50 Häuser unter sich begraben. Auslöser der Katastrophe sei Regenwasser gewesen, sagte der Dorfvorsteher der Ortschaft Hpakant, Tint Swqe Myint.

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Burma: Jade-Abbau - ein brutales Geschäft
Bei den Todesopfern handelte es sich offenbar um Menschen, die im Schutz der Dunkelheit nach Jade-Stücken in einem Schuttberg suchten, der von Baggern aufgeschüttet worden war. Sie hofften in dem Aushub der Bergwerke Stücke des kostbaren Schmucksteins zu finden.

Da der Schutt in den Minen nur lose aufgeschüttet ist, kommt es dort immer wieder zu tödlichen Erdrutschen. Allein in diesem Jahr kamen in Burma Dutzende Menschen bei ähnlichen Unglücken ums Leben.

Nach Angaben von Einwohnern verstärkten die Bergbaufirmen, die vielfach mit der früheren Militärjunta in Verbindung stehen, zuletzt ihre Aktivitäten in Kachin. In dem politisch unruhigen Teilstaat, in dem mehrere Rebellengruppen aktiv sind, operieren die Bergbaufirmen weitgehend im Verborgenen.

Das bettelarme Burma in Südostasien verfügt über das größte Jade-Vorkommen der Welt. Das Geschäft mit dem grünen Gold kontrollieren Politiker und Militärs, der Schmuckstein wird nach China verkauft - und hinterlässt eine zerstörte Umwelt. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Global Witness wurden alleine im vergangenen Jahr in Myanmar Jadesteine im Wert von umgerechnet knapp 29 Milliarden Euro produziert, dies entspräche beinahe der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts. Laut offiziellen Zahlen setzte die Branche lediglich 3,4 Milliarden Dollar um.

mxw/AFP/dpa



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