Buschfeuer in Australien: Ministerpräsident spricht von "Massenmord"

Rund tausend niedergebrannte Häuser, mehr als 130 Tote, völlig zerstörte Städte: Die Buschfeuer sind die größte Katastrophe Australiens in der Nachkriegszeit - viele wurden durch Brandstifter gelegt. Wie kann man die Menschen jetzt schützen?

Hamburg - Mindestens 131 Menschen kamen in den Flammen um, 400 wurden verletzt, Tausende sind obdachlos: In Australien tobt das schlimmste Feuerinferno der vergangenen Jahrzehnte. Die Behörden vermuten, dass Brandstifter für viele der Feuer verantwortlich sind. "Es gibt keine anderen Worte, dies zu beschreiben, als Massenmord", sagte Australiens Ministerpräsident Kevin Rudd.

Zwei Männer wurden bereits wegen des Verdachts der Brandstiftung festgenommen: Ein 31-Jähriger soll ein Feuer gelegt haben, das im Bundesstaat New South Wales wütete. Er soll am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Einem 15-jährigen Jungen wurde vorgeworfen, durch Zündeln ein kleines Buschfeuer in den Blue Mountains bei Sydney ausgelöst zu haben. Es wurde am Sonntag gegen eine Kaution freigelassen und muss im März vor Gericht erscheinen.

Die beiden mutmaßlichen Brandstifter seien nicht für den Tod von Menschen verantwortlich, teilte die Polizei mit. Sie vermutet aber auch hinter einem der schlimmsten Brände im Nachbarstaat Victoria, wo bislang sämtliche Todesfälle zu beklagen sind, Brandstiftung.

Polizeikommissarin Christine Nixon sagte dem Radiosender ABC, alle Waldbrandgebiete würden daraufhin untersucht. Im Kinglake-Gebiet, von Hunderte Häuser zerstört wurden, wurden Ermittlungen eingeleitet.

"Unsere Brandexperten und erste Untersuchungen haben gezeigt, dass die Art, in der die Feuer ausgebrochen sind, und das Tempo, mit dem sie sich ausgebreitet haben, dafür sprechen, dass es sich um Brandstiftung handelt", sagte Nixon. Jeder Todesfall werde zunächst als Kriminalfall behandelt, Brandstiftern drohe eine Verurteilung wegen Mordes.

Das australische Institut für Kriminologie hat in der vergangenen Woche eine Untersuchung veröffentlicht, nach der die Hälfte der jährlich rund 20.000 bis 30.000 Buschfeuer im Land von Menschen gelegt werden.

Umstritten ist auch die Politik des Bundesstaates Victoria, nach der es keine Verpflichtung gibt, das eigene Haus bei drohenden Buschbränden zu verlassen. Die Bewohner können sich aussuchen, ob sie bleiben oder die Flucht ergreifen wollen.

Laut ABC News will die Regierung von Victoria diese Praxis nun von einer Sonderkommission untersuchen lassen. Nixon sagte, viele Menschen seien ums Leben gekommen, weil der Wind sich gedreht und das Feuer plötzlich aus einer anderen Richtung gekommen sei. Viele von ihnen seien auf der Flucht gestorben.

"Wir finden ihre Leichen am Straßenrand oder auch in ausgebrannten Autos", sagte Nixon. "Es ist schwierig, die Leute dazu zu zwingen, ihre Häuser zu verlassen - immerhin handelt es sich um Erwachsene."

Unter den Opfern ist auch ein prominenter Nachrichtensprecher, der vor 26 Jahren über die bis dahin größte Brandkatastrophe berichtet hatte. Das Parlament gedachte am Montag des 78 Jahre alten, pensionierten Brian Naylor und der anderen Todesopfer. Naylor und seine Frau starben am Samstag in ihrem Haus in Kinglake West, in dem sie seit vielen Jahren gelebt hatten.

han/AFP/dpa

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