Café in Stuttgart "Ich will keine Jogginghosen-Träger diskriminieren"

Mit einem vermeintlichen Jogginghosen-Verbot macht ein Café in Stuttgart Furore. Was ist da los? Der Besitzer erklärt sich im Interview.

Schild an der Eingangstür eines Cafes
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Schild an der Eingangstür eines Cafes

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"Wer eine Jogginghose trägt, der hat die Kontrolle über sein Leben verloren", sagte einst Modezar Karl Lagerfeld. Bruder im Geiste scheint ein Gastronom in Stuttgart zu sein. Er hat am Eingang seines Cafés "Le Théatre" ein Schild aufgehängt: We say "no" to sweatpants - thank you for understanding.

Bei Facebook ereiferten sich danach einige über den "Spießerladen". Keinen Fuß solle man dort über die Schwelle setzen, hieß es in manchen Kommentaren. Reporter berichteten schließlich über das "Jogginghosen-Verbot" - und damit steht bei dem Betreiber Stefan Gauß das Telefon nun nicht mehr still. Auch wir waren neugierig.

SPIEGEL ONLINE: Warum sollen Ihre Gäste keine Jogginghosen tragen?

Gauß: Da lache ich mich ja schlapp. Ich hätte nie damit gerechnet, dass dieses Schild plötzlich so eine Aufregung auslöst, zumal es schon seit April hängt. Es ist überhaupt nicht so, dass ich irgendeinem Gast in Jogginghose verbieten würde, in mein Café zu kommen. Ich habe auch noch keinen Gast in Jogginghose wieder weggeschickt.

SPIEGEL ONLINE: Was steckt dann dahinter?

Stefan Gauß
SPIEGEL ONLINE

Stefan Gauß

Gauß: Ich arbeite seit mehr als zwanzig Jahren in der Gastronomie und stelle gewisse Veränderungen im Ausgehverhalten fest. Früher machte man sich schick, wenn man abends ins Kino oder Theater ging und zum Beispiel auch in mein Café kam. Heute ziehen sich viele Leute zum Ausgehen genauso an wie für ihre Couch zu Hause. Das möchte ich gerne wieder ändern.

SPIEGEL ONLINE: Sie unterstellen also den Verlust einer gewissen Ausgehkultur und möchten dem entgegenwirken.

Gauß: So ist es. Das Schild ist einfach ein persönliches Statement von mir. Ich will ein bisschen an Werte erinnern. Oder finden Sie, dass Jogginghosen schick und sexy sind? Ziehen Sie so etwas im Büro an?

SPIEGEL ONLINE: Nein, aber vielleicht oute ich mich damit als Modebanause. Ein Kollege aus dem Kultur-Ressort kommt öfter in Jogginghose. Vielleicht haben Sie den Trend verschlafen?

Gauß: Natürlich gibt es auch stylische Jogginghosen. Von denen rede ich nicht. Aber ich erkenne schon, ob ein Gast mit einer Jogginghose kommt, die er gerade frisch aus dem Wäschekorb gezogen hat, oder ob er insgesamt ordentlich angezogen ist.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es nicht wichtigere Werte als schicke Klamotten, die sich übrigens vielleicht nicht jeder leisten kann? Oder wollen Sie nur bestimmte Gäste in ihrem Café haben?

Gauß: Nein, überhaupt nicht. Ich will gar keine Jogginghosen-Träger diskriminieren. Meine Gäste müssen sich auch nicht in Schale schmeißen oder besonders zahlungskräftig sein. Zu mir kann jeder kommen, und selbstverständlich gibt es Wichtigeres als die Jogginghosen-Frage. Das Schild ist einfach ein netter Anlass, ins Gespräch zu kommen. Wenn jemand in katastrophalem Outfit erscheint, sag ich schon mal: Zieh dir beim nächsten Mal was Ordentliches an. Wir lachen, und das Thema ist erledigt.

SPIEGEL ONLINE: Sie werben auf Ihrer Website mit der Live-Übertragung von Bundesliga-Spielen. Ist eine Jogginghose bei solchen Events nicht fast ein Must have?

Gauß: Das ist etwas ganz anderes. Wenn ein Sportverein zu mir zum Fußball schauen kommt und ein Bier trinkt, können die natürlich ihre Jogginghosen tragen. Das mach ich beim Sport auch.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie denn in Ihrem Café an?

Gauß: Jeans, Sneaker und ein weißes Hemd.

SPIEGEL ONLINE: Klingt auch eher leger.

Stefan Gauß
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Stefan Gauß

Gauß: Ja, aber das Hemd reißt es heraus.



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