Todkrankes Baby New Yorker Krankenhaus will Charlie Gard behandeln

Gibt es doch Hoffnung für Charlie Gard? US-Präsident Trump und Papst Franziskus hatten sich bereits in den Streit um die Behandlung des todkranken Kindes eingeschaltet. Nun bietet laut einem Bericht ein US-Krankenhaus seine Hilfe an.

Charlies Eltern: Chris Gard and Connie Yates
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Charlies Eltern: Chris Gard and Connie Yates


Ein renommiertes New Yorker Krankenhaus hat angeboten, das todkranke Baby Charlie Gard in Behandlung zu nehmen. Das berichtet die "Washington Post". Das New York Presbyterian Hospital erklärte sich demnach bereit, Charlie Gard aufzunehmen und zu untersuchen.

Voraussetzung dafür ist laut einer Stellungnahme der Krankenhausleitung, dass alle rechtlichen Hürden genommen werden. Ebenso müsse der sichere Transport des Babys nach New York gewährleistet sein. Schließlich müsse die für Arzneimittelüberwachung zuständige US-Behörde FDA eine Genehmigung für eine experimentelle Behandlung erteilen.

Das elf Monate alte Baby leidet an einer seltenen genetischen Krankheit, sein Gehirn ist stark geschädigt. Die behandelnden Ärzte am Londoner Krankenhaus Great Ormond Street hatten daher die Abschaltung der lebenserhaltenden Geräte beantragt. Die Mediziner und andere Experten halten eine Heilung der mitochondrialen Myopathie, auch mitochondriales DNA-Depletionssyndrom genannt, für ausgeschlossen.

Die Eltern Chris Gard und Connie Yates wehren sich jedoch dagegen, ihr Kind sterben zu lassen. Sie wollen Charlie mit einer experimentellen Methode in den USA behandeln lassen. Sie klagten in Großbritannien und sammelten im Internet Spenden. Außerdem rief das britische Paar den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an. Dieser entschied vergangene Woche jedoch, dass die Beatmung und andere lebenserhaltende Maßnahmen bei Charlie eingestellt werden dürfen.

Auch US-Präsident Donald Trump und Papst Franziskus schalteten sich in den Streit ein. "Wenn wir dem kleinen Charlie Gard helfen können, wie es unsere Freunde in Großbritannien und der Papst möchten, würden wir uns freuen, dies zu tun", schrieb Trump bei Twitter.

Papst Franziskus erklärte, er verfolge die Angelegenheit "mit Anteilnahme". Er bete für Charlies Eltern und hoffe, "dass ihr Wunsch, ihr Kind bis zum Ende zu begleiten und für es zu sorgen, nicht missachtet" werde. Etwa hundert Menschen demonstrierten am Sonntag in London für eine Weiterbehandlung des Kindes. Sie riefen: "Rettet Charlie Gard", auf einem Spruchband stand "Mörder".

Charlie Gards Mutter zeigte sich dankbar für die Unterstützung. Die Aussagen des US-Präsidenten und des Papstes hätten dazu beigetragen, die lebenserhaltenden Maßnahmen für ihr Kind zu verlängern, sagte Connie Yates in der TV-Sendung "Good Morning Britain". Sie betonte ferner, dass ihr Sohn "nicht leide".

Die Krankheit des Babys kann unterschiedliche Organe wie die Leber, das Hirn und die Nieren betreffen. Meist führt sie nach wenigen Monaten bis mehreren Jahren zu Multiorganversagen und zum Tod. Einige Studien deuten aber darauf hin, dass die Gabe von Aminosäuren und Enzymen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen könnte.

asa/AP



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