Fußballturnier in Chemnitz "Wir wollen das durchziehen, jetzt umso mehr"

In Chemnitz finden am Samstag nicht nur rechte Demos statt - sondern auch ein interkulturelles Fußballturnier. Organisator Daniel Gehrt erklärt, warum er sich nicht einschüchtern lassen will.

Teilnehmer beim Cup der Guten Hoffnung 2017
Daniel Gehrt

Teilnehmer beim Cup der Guten Hoffnung 2017

Ein Interview von Felix Keßler


Daniel Gehrt arbeitet als Koordinator in der Sportjugend des Stadtsportbundes Chemnitz. Er ist einer der Organisatoren des "Cups der Guten Hoffnung". Das jährliche Fußballturnier findet am Samstag zum dritten Mal statt. Gehrt, 27, ist Brandenburger und lebt seit mehr als einem Jahr in Chemnitz.

SPIEGEL ONLINE: Was ist der Hintergrund Ihres Fußballturniers?

Gehrt: Wir haben uns vor zwei Jahren überlegt, wie wir Sport und Kultur zusammenbringen können. Ein interkulturelles Fußballturnier mit Live-Musik im Anschluss hat sich da gut angeboten. Von Beginn an haben auch Menschen aus einem nahen Asylbewerberheim bei der Planung mitgewirkt. Dadurch kamen viele der Konzerte überhaupt erst zustande.

SPIEGEL ONLINE: Offenbar ein erfolgreiches Konzept.…

Gehrt: Absolut. Im letzten Jahr waren rund 150 Zuschauer da, zusätzlich zu den Spielern. Mittlerweile haben wir auch ein paar große Sponsoren aus der Region. Das Turnier ist eine Erfolgsgeschichte. Wir haben damit schon zwei mal gezeigt, dass Chemnitz eine bunte, weltoffene Stadt ist.

Daniel Gehrt
Daniel Gehrt

Daniel Gehrt

SPIEGEL ONLINE: Seit den Vorfällen am Wochenbeginn prägen andere Bilder aus Chemnitz die Schlagzeilen. Für Samstag sind neue Demonstrationen angekündigt. Wird das Fußballturnier trotzdem stattfinden?

Daniel Gehrt: Auf jeden Fall. Wir haben sowieso keine Sekunde überlegt, das Turnier komplett abzusagen. Höchstens eine Verschiebung auf ein anderes Wochenende wurde diskutiert. Ich finde aber, schon das wäre ein falsches Signal gewesen. Wir wollen das durchziehen, jetzt umso mehr.

SPIEGEL ONLINE: Gab es seitens der Behörden keine Sicherheitsbedenken?

Gehrt: Nein, auch wenn die Sicherheit ein Thema war. Wir haben uns dann mit der Stadt und der Polizei verständigt - beide haben grünes Licht gegeben. Die Stadt hat uns sogar ausdrücklich die Unterstützung durch einen Sicherheitsdienst zugesagt. Und Polizisten werden ja ohnehin zahlreich in der Stadt sein.

SPIEGEL ONLINE: Das Turnier findet zum dritten Mal statt. Gab es in der Vergangenheit Probleme?

Gehrt: Nie! In den letzten beiden Jahren hat das Turnier immer störungsfrei stattgefunden. Das Schlimmste, was wir mal hatten, war eine kleine Rangelei auf dem Platz. Dabei soll es auch bleiben.



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