Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Chile: Regierung schickt Elitesoldaten in Erdbebenregion

Von , Mexiko-Stadt

In Chile wächst die Angst vor Plünderungen und Überfällen. Nach dem heftigen Beben der Stärke 8,2 entsendet Präsidentin Bachelet eine Eliteeinheit der Streitkräfte in den Norden des Landes.

Nur wenige Stunden, nachdem Chile von einem heftigen Beben der Stärke 8,2 heimgesucht worden war, trat in der Hauptstadt Santiago de Chile Präsidentin Michelle Bachelet in hellrotem Kostüm und Perlenkette vor die Presse. Vier Männer und eine Frau seien in den Städten Iquique und Alto Hospicio ums Leben gekommen, erklärte sie. Den Behörden zufolge wurden die Opfer von einstürzenden Mauern erschlagen oder erlitten einen Herzinfarkt.

"Das Land geht mit der Notsituation gut um", sagte die Präsidentin. "Ich rufe die Menschen auf, weiter Ruhe zu bewahren und den Anordnungen der Behörden Folge zu leisten." Der Bürgermeister der schwer betroffenen Stadt Arica im äußersten Norden des Landes ging vier Stunden nach den Erschütterungen an die Öffentlichkeit und gab vor allem eines - Entwarnung: Keine Toten, keine Verletzten, 40.000 Menschen aus Küstennähe in höher gelegene Gebiete evakuiert, lautete sein Bericht.

Die 200.000-Stadt an der Grenze zu Peru ist mit dem Schrecken davongekommen: "Das Beben ist ein großes Unglück, aber wir haben zum Glück nur ein paar Leichtverletzte, die in Krankenhäusern oder Notunterkünften behandelt werden", so Urrutia weiter. 8,2 auf der Richterskala - es war eines der schwersten Beben, die Chile je heimgesucht haben.

Fotostrecke

5  Bilder
Chile: Tote und Verletzte nach Seebeben

Im Norden des Landes hatte die Erde überhaupt noch nie so heftig gewackelt. Bilder von Überwachungskameras hielten den Moment des Bebens in einem Restaurant fest und zeigten von Panik ergriffene Frauen und Männer, die angesichts eines sich hin und her bewegenden Bodens zum Tresen rennen und sich dort festklammern oder Stützpfeiler umklammert halten.

Dass nicht mehr als fünf Todesopfer zu beklagen sind, ist auch der Routine zu verdanken, mit der die Chilenen auf solche Naturkatastrophen reagieren. Jedes Kind wächst in dem schmalen und langen Andenland sozusagen mit kleineren und größeren Erdstößen auf, und fast jeder Chilene weiß im Schlaf, welchen Regeln es bei Erdbebenalarm zu folgen gilt: raus aus geschlossenen Gebäuden, Ruhe bewahren, auf die Anweisungen der Behörden warten.

Karla Chandía Villar, eine junge Frau aus Arica, schrieb erleichtert auf Facebook: "Wir sind alle evakuiert und es geht uns gut in Arica. Nur ein paar Lehmhäuser im Zentrum sind zusammengefallen. Alle Bebenalarme funktionierten, und die Menschen wussten, wohin sie gehen mussten."

Das funktionierte weitgehend reibungslos in der langen Küstenregion Chiles, die von dem Seebeben betroffen war. Schon wenige Minuten nach den Erdstößen von 20.46 Uhr bevölkerten in Städten wie Iquique, Arica und Dutzenden kleineren Orten die Menschen Straßen und Plätze. Mütter stillten ihre Kinder am Straßenrand, Frauen und Männer trugen große Plastiktüten mit Vorräten an Lebensmitteln bei sich. Überall sah man große Gruppen von Menschen auf öffentlichen Plätzen, Mauern und Parkbänken weitestgehend ruhig und gelassen der Dinge und der 20 Nachbeben harren, die bis zum Morgengrauen das Land erschütterten.

Präsidentin Bachelet erklärte weite Teile Chiles zum Katastrophengebiet und kündigte an, dass mehrere Minister in die Katastrophenregion reisen würden, um sich ein Bild der Schäden zu machen. Außerdem werden etwa hundert Soldaten einer Eliteeinheit der Streitkräfte von Santiago aus in den Norden fliegen, um die "öffentliche Ordnung" aufrechtzuerhalten. Zu präsent ist den Behörden und besonders Bachelet, was vor vier Jahren im Süden Chiles in der Region Bío-Bío geschah.

In den letzten Tagen ihrer ersten Amtszeit als Präsidentin kam es am 27. Februar 2010 zu einem schweren Beben der Stärke 8,8 mit mehr als 500 Toten und 200.000 zerstörten Unterkünften. Aber fast schwerer als die Opfer und die Schäden wog in der öffentlichen Meinung seinerzeit das Versagen der Staatsmacht an den Folgetagen. In dem Nach-Beben-Chaos kam es zu massiven Plünderungen von Supermärkten und Überfällen auf Geschäfte, zu Brandstiftungen und Einbrüchen.

Vor vier Jahren zögerte die Präsidentin, die betroffene Region zum Katastrophengebiet zu erklären, was den Einsatz der Armee zunächst nicht möglich machte. Diesen Fehler wollte die gerade zum zweiten Mal gekürte Bachelet dieses Mal nicht wieder machen.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: