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Chile: Mehrere Tote nach schwerem Seebeben

Von , Mexiko-Stadt

Ein schweres Seebeben der Stärke 8,2 auf der Richterskala vor der nordchilenischen Küste hat Panik in der Bevölkerung und Tsunami-Alarm in mehreren Ländern an der Pazifikküste Südamerikas ausgelöst. Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben.

Das heftige Beben der Stärke 8,2 ereignete sich um 20.46 Uhr Ortszeit (1.46 Uhr deutscher Zeit). Vier Männer und eine Frau seien in den Städten Iquique und Alto Hospicio ums Leben gekommen, teilte Innenminister Rodrigo Peñailillo mit. Den Behörden zufolge wurden sie von einstürzenden Mauern erschlagen oder erlitten einen Herzinfarkt.

Die Behörden des Nationalen Notfallbüros ONEMI ordneten die Evakuierung von Iquique und Arica sowie kleinerer Ortschaften entlang der chilenischen Küste an. Hunderttausende Menschen waren betroffen.

Wellen mit bis zu zweieinhalb Meter Höhe erreichten nach dem Beben die chilenische Küste. Die Auswirkungen des Bebens waren bis nach Ecuador und Kolumbien im Norden Südamerikas zu spüren. An der gesamten Pazifikküste Lateinamerikas wurde zunächst Tsunami-Alarm ausgelöst, der später in Mexiko und Zentralamerika wieder zurückgenommen wurde. Das Epizentrum des Bebens lag rund 90 Kilometer vor der Küste Chiles in 46 Kilometer Tiefe in der Region Tarapacá im äußersten Norden des Landes nahe der Grenze zu Peru.

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Chile: Tote und Verletzte nach Seebeben
Ein nahe der Stadt Antofagasta im Norden des Landes lebender Brite sagte der BBC, die Erde habe ungewöhnlich lange gebebt. "Normalerweise dauern die Erschütterungen höchstens 40 Sekunden - aber dieses Beben fühlte sich an, als würde es zwei Minuten anhalten", so Patrick Moore, der rund 420 Kilometer entfernt von Iquique wohnt.

Chiles Innenminister Peñailillo sagte kurz nach Mitternacht (Ortszeit), dass der Tsunami-Alarm für Chile noch mindestens sechs Stunden aufrechterhalten werde. Präsidentin Michelle Bachelet verfolgte im Präsidentenpalast in Santiago de Chile die Entwicklungen gemeinsam mit Mitgliedern ihres Kabinetts. Sie sagte ihre Termine für Mittwoch ab und wollte in die betroffene Gegend rund 2000 Kilometer nördlich der Hauptstadt reisen.

Stunden nach der Erschütterung meldeten die Behörden zunächst, dass es keine Opfer oder Schäden an der Infrastruktur gegeben habe. Lediglich einige Straßen im Norden Chiles seien nach kleinen Erdrutschen unpassierbar. Doch dann berichtete der Gouverneur Iquiques von zwei Toten und drei Verletzten, kurze Zeit später sprach Chiles Innenminister Rodrigo Peñailillo von fünf Toten. Zudem seien in der Stadt zwei Brände ausgebrochen und 300 Häftlinge aus einem Frauengefängnis der Stadt geflohen. 26 von ihnen konnten inzwischen wieder in die Strafanstalt zurückgebracht werden.

40.000 Menschen in Sicherheit gebracht

Die Landstraße von Iquique zur bolivianischen Grenze wurde beschädigt. In Arica, der größten Stadt im Norden, fiel die Stromversorgung aus, während die Wasserversorgung intakt blieb. Die Fluggesellschaft LAN strich vorsorglich alle Flüge nach Arica und Iquique. Der Bürgermeister Aricas, Salvador Urrutia, sagte, es gebe weder Tote noch Schwerverletzte. 40.000 Menschen wurden bis ein Uhr morgens in Sicherheit gebracht.

Vizeinnenminister Mahmud Aleuy betonte in Santiago, ein großes Problem sei im Moment das Verkehrschaos, zu dem es in den größeren Städten Chiles gekommen war, als die Menschen in Notunterkünfte fuhren.

Chile ist ein schmales und langes Land mit rund 4000 Kilometer Küste. Es hat eine lange Erdbebengeschichte, die Menschen sind auf solche Notfälle vorbereitet. In den vergangenen Wochen hatte es in Chile Hunderte kleinerer Erdbeben gegeben. Am 27. Februar 2010 waren bei einem Erdbeben der Stärke 8,8 in Südchile mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 200.000 Unterkünfte wurden damals zerstört. Anschließend kam es zu massiven Plünderungen von Supermärkten und Überfällen auf Geschäfte.

Auch der heftigste Erdstoß, der je registriert wurde, ereignete sich in Chile: Im Mai 1960 riss ein Beben der Stärke 9,5 mehr als 5000 Menschen in den Tod. In Nordchile waren allerdings seit dem 19. Jahrhundert keine Erdbeben dieser Stärke verzeichnet worden.

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