Großbrand in Chile Präsidentin will Valparaíso neu aufbauen lassen

Hoffnungsschimmer in der chilenischen Hafenstadt Valparaíso: Eine Feuersbrunst zerstörte dort Tausende Häuser, nun verspricht Präsidentin Michelle Bachelet Hilfe beim Wiederaufbau. Doch die neue Stadt soll anders aussehen als bisher.

Zelte statt Häuser: Valparaíso kämpft mit den Folgen einer Feuersbrunst.
DPA

Zelte statt Häuser: Valparaíso kämpft mit den Folgen einer Feuersbrunst.


Valparaíso - "Ich habe noch niemals zuvor etwas so Furchtbares gesehen", sagte der chilenische Innenminister Rodrigo Peñailillo beim Besuch in Valparaíso. Eine Feuersbrunst hatte am Wochenende in der Hafenstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, etwa 2500 Häuser zerstört, mindestens 15 Menschen starben. Noch immer sind die Flammen nicht vollständig gelöscht. Jetzt versprach Präsidentin Michelle Bachelet den Menschen schnelle Hilfe.

"Es gibt 12.500 Menschen, die einen Platz zum Leben brauchen. Bald kommt der Winter, deshalb brauchen sie zumindest für die Übergangszeit eine würdige Bleibe", sagte Bachelet am Mittwoch in einem TV-Interview. Sie sprach von dem "schlimmsten städtischen Brand in der Geschichte des Landes".

Zuvor hatte sie die Erstellung eines Rahmenplan angekündigt, nach dem die Valparaíso in "angemesser Weise" wieder aufgebaut werden soll. Das will Bachelet zum Anlass nehmen, das Stadtbild neu zu konzipieren: "Die Stadt hat sich ohne Plan ausgebreitet", sagte sie einem Radiosender.

Fotostrecke

8  Bilder
Valparaíso: Feuerwalze zerstört Hunderte Häuser

Die Staatschefin kündigte zudem die Ernennung eines Regierungsbeauftragten an, der nicht nur die Arbeiten in Valparaíso koordinieren soll, sondern auch in den von einem Erdbeben am 1. April verwüsteten Regionen im Norden des Landes. Auch zahlreiche Privatpersonen und Organisationen wollen den Menschen in Valparaíso helfen: Das Ausmaß der Spendenbereitschaft übersteige alle Erwartungen, sagte Innenminister Peñailillo. Zum Teil seien die Straßen durch die vielen Hilfslieferungen verstopft.

Derweil sind noch nicht alle Flammen in der Hafenstadt gelöscht. Jedoch begünstigen leichte Bewölkung und nur schwacher Wind in der Region die Arbeiten der Löschmannschaften. Schwierigkeiten treten in den ärmlichen Wohnvierteln auf: Diese liegen abgelegen auf steilen Hügeln und sind nur schwer zu erreichen.

Auslöser für den Großbrand sollen zwei Truthahngeier gewesen sein, die auf einer Hochspannungsleitung gesessen haben. Brandermittler vermuten, dass die Geier verbrannten, als sich zwei Kabel im Wind berührten. Die entstandenen Funken hätten die trockenen Blätter am Boden entzündet.

Valparaíso gehört seit 2004 zum Weltkulturerbe und wird jährlich von Tausenden chilenischen und ausländischen Touristen besucht. Die Kupferausfuhr aus dem Hafen von Valparaíso war nicht beeinträchtigt. Chileist einer der weltweit wichtigsten Kupferexporteure.

jbe/dpa/AFP

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hardyhardy 17.04.2014
1. Das Inferno erinnert an das antike Rom...
welches während Neros Abwesenheit abbrannte, weil überwiegend aus Holz und viel zu eng bebaut. Man hat daraufhin Stein verwendet und Brandschutzwände in den Häusern verbaut, die durch breite Straßen im Brandfall schnell erreichbar waren. Dies muss nun beim Neuaufbau Valparaisos unbedingt berücksichtigt werden. Auch wenn die romantische Ansicht der Stadt darunter leiden wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.