Reaktion auf Proteste China beendet Organentnahme bei Hingerichteten

Ab 2015 will China Hingerichteten keine Organe mehr entnehmen. Das kündigte der Chef des staatlichen Transplantationskomitees an. Die Volksrepublik reagiert damit auf internationale Proteste.

Chinesische Polizisten mit Todeskandidat (im Jahr 2006): Anpassung an internationale ethische Standards
REUTERS

Chinesische Polizisten mit Todeskandidat (im Jahr 2006): Anpassung an internationale ethische Standards


Peking - Als Reaktion auf Proteste durch Menschenrechtsgruppen will China ab dem 1. Januar Hingerichteten keine Organe mehr für Transplantationen entnehmen. Das berichten staatliche Medien unter Berufung auf den Leiter des staatlichen Transplantationskomitees, Huang Jiefu.

Bereits seit Längerem ist bekannt, dass China die international geächtete Praxis beenden will. Erstmals hat sich jetzt allerdings ein hochrangiger Vertreter des Systems auf einen Termin festgelegt. Ab 2015 müssten sämtliche Organe für die Transplantation von freiwilligen Spendern stammen, sagte Huang laut "South China Morning Post".

Noch bis Ende 2012 stammten 64 Prozent der in China verpflanzten Organe von exekutierten Gefangenen. Nach einem SWR-Bericht wurden in dem Land bis heute mehr als 100.000 Organe bei getöteten Häftlingen entnommen. Statt wie früher per Kopfschuss werden Gefangene dazu oft in Hinrichtungsmobilen per Injektion getötet.

Vorwürfe von Menschenrechtsgruppen, wonach den Hingerichteten Leber, Herz oder Nieren oft ohne vorherige Zustimmung und ohne Information an die Angehörigen entnommen werden, hatte die Regierung stets zurückgewiesen. Dennoch kündigte ein hochrangiger Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums bereits 2013 an, China werde sich internationalen ethischen Standards anpassen und die Praxis der Organentnahme beenden.

Dadurch dürfte allerdings eine große Versorgungslücke für die Transplantationsmedizin des Landes entstehen. In China ist die Bereitschaft zur freiwilligen Organspende enorm niedrig. Das liegt zum Teil am traditionellen chinesischen Glauben, wonach Tote nur komplett beerdigt oder verbrannt werden sollen. Zudem müssen Angehörige ihr Einverständnis für eine Organentnahme geben, auch wenn es eine ausdrückliche Absichtserklärung des Spenders gibt.

"Die Menschen haben außerdem Bedenken, ob eine Organtransplantation fair, gerecht und transparent ablaufen kann", sagte Huang nach einem Bericht der Zeitung "Southern Metropolitan Daily".

rls/AP



insgesamt 19 Beiträge
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dbrown 04.12.2014
1. Ich lach mich tot!
Wer will das denn kontrollieren? Der Chinese hält sich doch an keinerlei Standards, vor lauter Korruption und Machtgeilheit funktioniert da drüben doch gar nichts mehr, außer daß ein paar die Tasche voll haben und der Rest gebeutelt wird. Und dann soll ich so einer Aussage Glauben schenken? Eher steht der wahrhaftige Weihnachtsmann vor mir!
Traudhild 04.12.2014
2.
Naja, dann werden denen eben Pseudo-Spender-Ausweise untergejubelt. Ich bin sowieso dafür, dass man automatisch Organspender ist, außer man reicht bei der Krankenkasse oder so ausdrücklich Widerspruch ein dagegen
umdenker62 04.12.2014
3. Daher werden jetzt unschuldige sterben müssen
die auf ein Spenderorgan warten. Gerade die chinesische Praxis sollte als vorbildliche Gutmachung der Täter an der Gesellschaft gesehen werden. So aber verursachen die fehlenden Organe in Zukunft zusätzliches Leid!
carranza 04.12.2014
4. Überlebensstrategie in China
Der einzige Schutz, sich vor diesen Verbrechern zu schützen, scheint der, seinen Körper so weit zu vergiften, dass er für eine Organentnahme nicht (mehr) in Frage kommen kann. So etwas kann und darf einfach nicht sein!
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 04.12.2014
5. hä?
Und was macht das jetzt für einen Unterschied? Die Abschaffung der Todesstrafe wäre wirklich eine positive Veränderung. Ob nach einer Hinrichtung nun Organe entnommen werden oder nicht ist doch ethisch völlig irrelevant, wenn man bedenkt dass es hier um legalen Mord geht. Tot, töter, am tötesten macht keinen Sinn.
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