Vorwurf aus Südkorea: China prüft Berichte über Menschenfleisch-Pillen

Peking ermittelt im Zusammenhang mit einem grausigen Vorwurf: Der südkoreanische Zoll will Tausende Pillen beschlagnahmt haben, die angeblich aus pulverisiertem Fleisch von Babys und Föten hergestellt wurden. Die Kapseln sollen in China produziert worden sein.

Handout-Foto des südkoreanischen Zolls: Pulver angeblich aus Fleisch von Babys und Föten Zur Großansicht
AFP / Korea Customs Service

Handout-Foto des südkoreanischen Zolls: Pulver angeblich aus Fleisch von Babys und Föten

Peking - Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua zitierte im Zusammenhang mit dem Fall einen Sprecher des chinesischen Gesundheitsministeriums. Die Gesundheitsbehörden des Landes würden mit Polizei, Zoll und Handelsverantwortlichen zusammenarbeiten, um den aktuellen Vorwürfen nachzugehen, sagte der Sprecher der Agentur zufolge. Die Vorwürfe: In China sollen Pillen aus Menschenfleisch hergestellt und dann nach Südkorea geschmuggelt worden sein.

Am Montag hatte der südkoreanische Zoll gemeldet, in den vergangenen zehn Monaten mehr als 17.450 Kapseln sichergestellt zu haben, die aus pulverisiertem Fleisch von Babys und Föten hergestellt worden sein sollen. Die Pillen seien bei dem Versuch, sie in Koffern von Touristen oder per Post aus China nach Südkorea zu schmuggeln, entdeckt worden, teilte die Behörde mit. Insgesamt sollen seit vergangenem August 35 Schmuggelversuche dieser Art aufgedeckt worden sein.

Die Pillen sollen im Nordosten Chinas hergestellt worden sein, überwiegend in den Provinzen Jilin, Liaoning und Heilongjiang. Woher die toten Babys stammten und wer hinter der Produktion stecke, wollten die koreanischen Behörden jedoch nicht sagen - unter Verweis auf mögliche diplomatische Missstimmungen mit Peking.

Menschen nähmen die Pillen als Potenz- oder Allheilmittel ein, erklärten die Zollbeamten. Eine Kapsel werde in Südkorea für 40.000 Won (etwa 27 Euro) verkauft. Die Behörde warnte, die Kapseln stellten ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar: Sie enthielten Bakterien und andere Substanzen, die tödlich wirken könnten. Bisher seien aber keine Krankheitsfälle gemeldet worden.

TV-Dokumentation brachte Ermittlungen in Gang

Das Thema beschäftigt seit August 2011 Behörden in China und Südkorea. Anstoß war laut "Wall Street Journal" und der staatseigenen chinesischen Zeitung "China Daily" eine Dokumentation des koreanischen TV-Senders SBS, die am 6. August ausgestrahlt wurde.

Laut "China Daily" wollen die SBS-Reporter recherchiert haben, dass ein chinesisches Krankenhaus die menschlichen Überreste verkauft und eine geheime Fabrik daraus die Pillen gefertigt haben soll. Um welches Hospital es sich handeln soll, wurde nicht gesagt. In der Sendung wurden dem Blatt zufolge Bilder gezeigt, die während des Herstellungsprozesses entstanden sein sollen. Außerdem kamen mutmaßliche Insider zu Wort, die erklärt haben sollen, die Pillen kämen über Koreaner, die in China lebten, nach Südkorea.

Der Sprecher des chinesischen Gesundheitsministeriums sagte laut Xinhua nun, im vergangenen August eingeleitete Untersuchungen hätten keinerlei Beweis erbracht, dass derartige Kapseln in China hergestellt würden. Man werde nun aber zu den neuen Vorwürfen ermitteln. Eine telefonische Anfrage der Nachrichtenagentur AP zu dem Thema bliebt unbeantwortet. Auch sei auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums keine entsprechende Meldung zu finden gewesen, so AP.

"Klingt wie ein Gerücht"

Im vergangenen Sommer hatte der Ministeriumssprecher erklärt, China habe strenge Regeln für den Umgang mit Überresten von toten Kindern, Föten und Plazenten. "Es ist strikt verboten, menschliche Überreste wie medizinischen Müll zu behandeln", zitierte die "China Daily" den Sprecher im August 2011. Medizinischen Einrichtungen und ihren Mitarbeitern sei es den staatlichen Vorgaben zufolge streng verboten, mit sterblichen Überresten zu handeln. Sie müssten Leichen in ein Krematorium schicken oder mit der Familie eine anderweitige Behandlung besprechen. Dem Ministeriumssprecher zufolge war damals die Provinzregierung von Jilin beauftragt worden, der Sache nachzugehen.

Die "China Daily" befragte im vergangenen August mehrere chinesische Mediziner zu dem Thema. Diese wollten noch nie von derartigen Fällen gehört haben. "Das ist schwer zu kommentieren, weil es wie ein Gerücht klingt", sagte ein Professor der Jilin-Universität dem Blatt zufolge. Aus seiner beruflichen Erfahrung heraus halte er dies für unmöglich.

Drei weitere Experten für chinesische Medizin und Geburtshilfe aus Peking und Shanghai sagten auf Anfrage der "China Daily", sie hätten noch nie von derartigen Fällen gehört.

siu/AP/dpa

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