China Schwein gehabt

Vor zehn Jahren sind 70.000 Menschen bei einem Erdbeben in China gestorben. Ein Eber überlebte - und wurde 36 Tage später gefunden. Das Tier wird seitdem gefeiert wie ein Nationalheld.

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Es war der 12. Mai 2008, als in der chinesischen Provinz Sichuan das Beben begann. "Die Erde tat sich plötzlich auf, die Häuser versanken in der Tiefe", sagte ein Bauer später.

Bei dem Erdstoß der Stärke 8 auf der Richterskala rutschten Berge ab, neue Seen entstanden, das Drachentorgebirge wurde um vier Meter nach oben gedrückt. Städte und Dörfer verschwanden von der Landkarte.

Mindestens 70.000 Menschen starben, darunter etliche Schulkinder. Später stellte sich heraus, dass beim Bau der Schulen gepfuscht worden war: Stahlträger fehlten, der Beton war schlecht gemischt. Wütende Eltern verlangten Erklärungen von der Regierung.

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Holzkohle und Regenwasser: Die Heldensau

Die Staatsmacht brauchte einen Hoffnungsschimmer, eine positive Geschichte - und fand ein Schwein. Der Eber wurde erst 36 Tage nach dem Beben gefunden, wie die Zeitung "China Daily" damals berichtete.

Verschüttet in einem Stall ernährte er sich von Regenwasser und einem Sack Holzkohle, der ebenfalls in dem Stall begraben worden war. Soldaten fanden das Tier abgemagert: Statt 150 wog es nur noch 55 Kilo, wie der chinesische Sender "CCTV" berichtete.

Es bekam den Spitznamen "Zhu Jianqiang" - was übersetzt etwa "Willensstarkes Schwein" heißt. In China wird das Tier laut "CCTV" als Symbol für den Überlebenswillen gefeiert.

Schwein "Zhu Jianqiang" im April 2018 umgeben von Schulkindern
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Schwein "Zhu Jianqiang" im April 2018 umgeben von Schulkindern

Heute ist der Eber wohlauf, 200 Kilo wiegt er dem Bericht zufolge. Ein Museum in Sichuan nahm das Tier auf; es bekommt Besuch von Fans, die Selfies mit ihm machen.

Laut einem Bericht des "Berliner Kuriers" ging es dem Schwein nach dem Erbeben sogar zu gut. Das Tier fraß demnach sieben Mahlzeiten am Tag; im Museum vermutete man, es dachte, dass jede Mahlzeit die letzte sein könnte.

Sportprogramm mit Hund

250 Kilo hat der Eber laut dem Bericht zwischenzeitlich gewogen. So viel, dass er kaum noch habe laufen können. Das Museum verordnete ein Sportprogramm, ein Hund sei dem Tier als Spielpartner zugeteilt worden. So kam das Schwein laut dem Bericht wieder auf sein Normalgewicht von 150 Kilo.

2011 wurde das Schwein laut einem Bericht der "Sunday Morning Post" sogar geklont. Wissenschaftler der südchinesischen Stadt Shenzen hätten sechs Ferkel mit dem Erbgut des Tieres produziert, hieß es.

In einer früheren Version dieses Textes hieß es, bei dem Schwein handele es sich um eine Sau. Es ist aber ein Eber - zugegeben, ein saublöder Fehler.

jpz

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