Ni Yulan: Chinesische Bürgerrechtlerin muss erneut ins Gefängnis

Ni Yulan saß bereits zweimal im Gefängnis, seit der ersten Haft ist sie gesundheitlich schwer angeschlagen: Nun hat ein Gericht in Peking die chinesische Bürgerrechtlerin erneut verurteilt. Bei Protesten während des Prozesses wurden mehrere Menschen festgenommen.

Peking - Sie machte sich mit Protesten gegen Zwangsräumungen vor den Olympischen Spielen von Peking weltweit einen Namen, nun muss sie erneut ins Gefängnis: Die bekannte chinesische Bürgerrechtlerin Ni Yulan ist zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden, ihr Ehemann Dong Jiqin muss für zwei Jahre ins Gefängnis. Das Xicheng Volksgericht in Peking verurteilte das Ehepaar einem Sprecher zufolge wegen "Unruhestiftung und der Zerstörung fremden Eigentums".

Ni Yulan wird zudem vorgeworfen, ohne Lizenz als Anwältin tätig gewesen zu sein - deswegen erhielt sie eine höhere Strafe als ihr Mann.

Vor dem streng abgeriegelten Gericht kam es zu Zwischenfällen. Mehr als ein Dutzend Menschen wurden laut Augenzeugen festgenommen. Ein großes Aufgebot von Sicherheitskräften in Uniform und Zivil war im Einsatz. Einige gingen auch handgreiflich gegen Unterstützer der Aktivistin vor. Ein Dutzend Diplomaten, unter anderem aus Deutschland, den USA, Österreich, und ein EU-Vertreter versuchten vergeblich, an der Urteilsverkündung teilzunehmen.

Die Polizei führte rund zehn Frauen ab und steckte sie in einen bereitstehenden Linienbus. "Die Polizei hält uns fest", riefen die Frauen und reckten sich aus dem Fenster. Als Diplomaten zu ihnen gehen wollten, wurden die Frauen von Polizisten "brutal in den Bus gezogen", wie ein Diplomat schilderte. Der Bus transportierte die Frauen dann ab.

Als ein Mann den Diplomaten eine Petition übergeben wollte, riss ihm ein Zivilpolizist das Papier aus der Hand. Unter lauten Protestrufen der Diplomaten kam es zu einem heftigen Gerangel. Polizisten führten den Mann schließlich ab.

In einer gemeinsamen Stellungnahme im Namen der Europäischen Union äußerten sich die EU-Diplomaten "zutiefst besorgt" über die Urteile und den schlechten Gesundheitszustand von Ni Yulan.

Die gehbehinderte 51-Jährige saß schon zweimal im Gefängnis. Eigenen Angaben zufolge wurde sie in der ersten Haft so schwer verletzt, dass sie heute meist auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Ni Yulan gehört zu einer Reihe von Dissidenten, die vor einem Jahr nach Internet-Aufrufen zu Protesten festgenommen worden waren. Die Behörden fürchteten damals, die Revolten in den arabischen Staaten könnten auch die Volksrepublik erfassen.

"Das Urteil ist absolut unfair", sagte Dong Xuan, die Tochter des Ehepaars. Sie sorge sich um die Gesundheit ihrer Eltern. Beide seien abgemagert, ihre Mutter habe sehr schwach gewirkt. Sie habe nur mit ihrem Vater kurz sprechen können, berichtete Dong, die bei der Urteilsverkündung anwesend war. "Er sagte mir, ihm gehe es gut". Ihre Eltern wollten gegen das Urteil Berufung einlegen.

hut/dpa/AFP

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1. Diplomatie
so sieht das aus 10.04.2012
Zitat von sysopNi Yulan saß bereits zweimal im Gefängnis, seit der ersten Haft ist sie gesundheitlich schwer angeschlagen: Nun hat ein Gericht in Peking die chinesische Bürgerrechtlerin erneut verurteilt. Bei Protesten während des Prozesses wurden mehrere Menschen festgenommen. Ni Yulan: Chinesische*Bürgerrechtlerin muss erneut*ins Gefängnis - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,826460,00.html)
Das Wort Diplomatie muss neu definiert werden, vor allem die Beschraenkungen die die heutige Diplomatie mit sich bringt. Das sehen wir nicht nur hier in diesem Artikel sondern auch in Syrien oder in vielen Afrikanischen Laendern. Solange der Rubel rollt, sehen sich solche Regierungen in keinster Weise genoetigt irgendetwas zu aendern. Und je mehr Rubel rollen, umso langsamer werden Reformen angegangen. Ich glaube es waere noetig ein voellig neues weltpolitisches, von mir aus UN-politisches Kapitel aufschlagen, mit voellig neuen Kommunikationsmethoden, Verantwortlichkeiten und Handelsstrafen. Man sieht doch eindeutig dass die alte Diplomatie gar nichts zu Stande bringt, und dass ehrgeizige Diktaturen sich ueberhaupt nicht auf diplomatische Sprueche eingehen.
2. Die einzige Antwort: BOYKOTT chinesischer Waren!
user543 10.04.2012
Wer Waren aus chinesischer Produktion kauft, hat Blut an den Händen kleben und ist direkt mitschuldig an den Menschenrechtsverletzungen in China. Schließlich sind es diese Menschenrechtsverletzungen, die die chinesische Bevölkerung so am Boden halten, dass ihr nichts anderes übrig bleibt, sich als billige Arbeitssklaven in Fabriken für westliche Auftraggeber aufzureiben. Solange sich die chinesische Bevölkerung nicht selbstorganisiert und selbstbestimmt regieren darf, boykottiere ich alle Waren aus China. Macht alle mit!
3. Boykott, Boykott, Boykott, Maschinenstürmer auf die Barikaden
fessi1 10.04.2012
Zitat von user543Wer Waren aus chinesischer Produktion kauft, hat Blut an den Händen kleben und ist direkt mitschuldig an den Menschenrechtsverletzungen in China. ... boykottiere ich alle Waren aus China. Macht alle mit!
Darf ich fragen, welchens Auto sie fahren, welche Elektrogeräte sich in ihrem Haushalt befinden, wo ihre Kleidung gefertigt wurde? Auf welchem Gerät sie ihre Zeilen ins Internet gestellt haben? Ich gehe jede Wette ein, dass man auch bei Ihnen Made in China finden würde. Wieviel % China darf in einer Ware stecken um nicht boykottiert zu werden.
4. .
markus_wienken 10.04.2012
Zitat von user543Wer Waren aus chinesischer Produktion kauft, hat Blut an den Händen kleben und ist direkt mitschuldig an den Menschenrechtsverletzungen in China. Schließlich sind es diese Menschenrechtsverletzungen, die die chinesische Bevölkerung so am Boden halten, dass ihr nichts anderes übrig bleibt, sich als billige Arbeitssklaven in Fabriken für westliche Auftraggeber aufzureiben. Solange sich die chinesische Bevölkerung nicht selbstorganisiert und selbstbestimmt regieren darf, boykottiere ich alle Waren aus China. Macht alle mit!
Gähn... Mit diesen "Argumenten" wird es aber dünn mit den Staaten mit denen Sie noch Geschäfte machen können, kein Öl, kein Gas und auch bei vielen anderen Rohstoffen und Dienstleistungen wirds eng...
5.
Anna-Maria-49 10.04.2012
Tut mir leid, die Aufregung kann ich weder verstehen noch nachvollziehen. Wenn ich sehe, wie sich alle Welt um Chinas Gunst reist...?? Vielleicht sollte das jemand mal den Bürgerrechtlern sagen.
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