
Der "CSD" bescherte den Kölnern ein Stück Karneval zur Sessionspausen-Halbzeit
Köln - Rund 700.000 Menschen haben am Sonntag in Köln die schrill-fröhliche Parade zum Christopher Street Day (CSD) begleitet. Nach Angaben der Veranstalter demonstrierten etwa 40.000 Lesben und Schwule mit 120 Festwagen für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen. Unter dem Motto "Taten statt Worte" zogen die Homosexuellen bei der Parade fünf Stunden lang tanzend durch das Spalier der Zuschauer. Von der Bundesregierung nahmen Umweltminister Jürgen Trittin und Gesundheitsministerin Andrea Fischer (beide Grüne) teil.
"Zusammen mit den Besuchern beim Straßenfest kommen wir auf knapp 900.000 Zuschauer und Teilnehmer. Damit hatten wir in Köln die größte CSD-Parade Europas", freute sich CSD-Sprecher Gerhard Malcherek. Die Polizei wollte keine Zuschauerzahlen nennen.
Schrille Partie mit politischer Botschaft
Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) zog an der Spitze des Zuges im ersten Festwagen durchs tanzende Volk, ihr Kabinettskollege Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) präsentierte sich hoch auf dem grünen Wagen seiner Partei. Dicht gefolgt von den selbst ernannten gelben "Früchtchen" der Jungen Liberalen (Julis), die mit Bananen zur Jagd auf die rot-grünen Regierungen in Bund und Ländern bliesen.
Dem Kölner Verband schwuler Väter ist die Registrierung schwuler Partnerschaften mit Blick auf ihre Kinder ein besonderes Anliegen. "Meine beiden halbwüchsigen Töchter wohnen inzwischen bei mir und meinem Freund", erläuterte der Kölner Peter Harms. "Wie soll sich mein Partner um die Mädchen kümmern, wenn mir mal etwas passiert?"
"Gleiches Recht für gleich viel Liebe" forderte auch eine zehnköpfige Fußtruppe, die in den roten Roben der Verfassungsrichter durch die Altstadt marschierten. "Auch von Karlsruhe müsste ein deutliches Signal für unsere rechtliche Gleichstellung ausgehen", meinte die einzige Frau in der Richter-Runde, Gerda Siller.

Jürgen Trittin bekannte Farbe
Eine Gruppe von etwa 50 Ford-Mitarbeitern schickte einen Kleinwagen aus eigener Produktion in den Regenbogen-Farben der Lesben und Schwulenbewegung ins Rennen. "Auf Angestellten-Ebene sind wir inzwischen anerkannt", meinte Diplom-Ingenieur Tobias Nowak. "Dagegen gibt´s am Fließband manchmal noch dumme Bemerkungen."
Die "Lesbischen Stewardessen" unterhielten unterdessen das Publikum mit der jedem Fluggast bekannten Sicherheits-Pantomime, während bei dem Schwulen Sportclub Janus männliche Cheerleaders und weibliche Football-Spielerinnen gewohnte Bilder auf den Kopf stellten. Türken vom Verband "Türkgay" bekannten sich wahlweise tief verschleiert oder aufreizend aufgeknöpft zur Lesben- und Schwulengemeinde.
Zum Auftakt der Parade forderte Manfred Bruns, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), die CDU auf, der geplanten rechtlichen Anerkennung von homosexuellen Partnerschaften im Bundesrat zuzustimmen. Der LSVD demonstrierte daher mit der Parole "Merkel und Merz, habt ein Herz! Jetzt 'ne gute Tat: Ja im Bundesrat!".

Und hoch die Puschel: Auch in Oldenburg waren rund 12.000 Menschen auf der Straße
Gegendemonstrationen in Rom
In Rom werden zu einem einwöchigen Welttreffen rund 200.000 Schwule und Lesben erwartet. In der Spanischen Hauptstadt Madrid trafen sich am Samstagabend rund 60.000 Vertreter der gleichgeschlechtlichen Szene. Auch in London zogen am Samstag rund 10.000 Menschen durch die Straßen der britischen Metropole. In Kiel trafen sich etwa 600 Schwule und Lesben. Im Mittelpunkt aller Treffen standen die Forderungen nach Toleranz und gleichgeschlechtlicher Ehe.
Begleitet von Gegendemonstrationen rechter Gruppen begann am Samstagnachmittag in Rom das Welttreffen der Homosexuellen in Rom. Rund 300 Gegner der homosexuellen Szene zogen mit einem Spruchband durch die Stadt mit der Aufschrift: "Das Kolosseum den Schwulen? Nur mit den Löwen darin!" Entgegen den Befürchtungen kam es bei der Auftaktveranstaltung des heftig umstrittenen Treffens jedoch nicht zu Zusammenstößen, berichtete das italienische Fernsehen am Sonntag.
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