Chronik Die spektakulärsten Flugzeugentführungen


Hamburg - Die Aufsehen erregendsten und längsten Flugzeugentführungen ereigneten sich zwischen 1968 und 1988. Weltweites Aufsehen erregte zuletzt vor fünf Jahren ebenfalls über Weihnachten die Entführung einer französischen Airbus-Maschine:

23.7.1968: Die erste Entführung eines Passagierflugzeugs war die bisher längste. Sie dauerte über einen Monat. Palästinensische Terroristen bringen eine Maschine der israelischen Gesellschaft El-Al auf dem Flug von Rom nach Algier in ihre Gewalt. Die letzten Passagiere kommen erst am 1. September gegen die Entlassung von 19 in Israel verurteilten Arabern frei.

6.9.1970: Mitglieder der "Volksfront für die Befreiung Palästinas" entführen drei Flugzeuge mit insgesamt mehr als 400 Menschen nach Zarka in der jordanischen Wüste: Eine Boeing 707 der US-Gesellschaft TWA, eine DC-8 der Swissair und eine VC-10 der britischen Gesellschaft BOAC. Die letzten Geiseln werden erst nach über drei Wochen freigelassen, die Maschinen werden gesprengt. Im Gegenzug werden in Israel 307 inhaftierte Araber sowie weitere sieben in München, Zürich und London freigelassen.

27.6.1976: Pro-palästinensische Terroristen bringen über Libyen einen Airbus der Air France mit 258 Menschen auf dem Flug nach Entebbe/Uganda in ihre Gewalt. Etwa 150 nicht-jüdische Passagiere werden bis zum 1. Juli freigelassen. Eine israelische Kommando- Einheit befreit die übrigen 100 Geiseln am 4. Juli.

13.10.1977: Auf dem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt wird die Lufthansa-Maschine "Landshut" mit 87 Menschen über Rom, Zypern, Bahrain, Dubai und Aden nach Mogadischu/Somalia entführt. In Dubai fordern die Luftpiraten in Übereinstimmung mit den Entführern des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer die Freilassung von elf inhaftierten deutschen Terroristen und zwei in der Türkei einsitzenden Palästinensern. Die deutsche Spezialtruppe GSG 9 befreit die Geiseln am 18. Oktober. Drei der vier palästinensischen Terroristen werden erschossen, die kürzlich aus der Haft entlassene Suhaila Andrawes überlebt schwer verletzt.

2.3.1981: Drei pakistanische Luftpiraten kapern eine Maschine der pakistanischen Fluggesellschaft PIA mit etwa 150 Menschen und erzwingen die Landung in Kabul/Afghanistan. Nach zwölf Tagen geben die Entführer auf, nachdem die pakistanische Regierung in die Freilassung von 53 politischen Häftlingen eingewilligt hatte.

14.6.1985: 153 Insassen einer TWA-Maschine geraten im Mittelmeerraum in die Gewalt schiitischer Moslems. Diese verlangen unter anderem die Freilassung von 700 Gefangenen aus israelischer Haft. Nach einem 15-tägigen Irrflug Athen-Beirut-Algier-Beirut kommen die letzten Geiseln am 30. Juni frei.

23.11.1985: Luftpiraten bringen eine ägyptische Boeing 737 auf dem Flug Athen-Kairo in ihre Gewalt und landen auf Malta. Bei der Erstürmung der Maschine durch eine ägyptische Eliteeinheit kommen 60 Passagiere und Besatzungsmitglieder sowie vier der fünf Terroristen ums Leben. Eine "Revolutionäre Organisation für die Befreiung Ägyptens" wollte mit der Aktion gegen die "amerikanisch-israelische Präsenz in Ägypten" protestieren.

5.4.1988: Pro-iranische Terroristen zwingen einen Jumbo-Jet der Kuwait-Airlines mit 115 Passagieren nach einem Irrflug über Iran und Zypern zur Landung in Algerien. Sie töten zwei kuwaitische Geiseln und fordern die Freilassung 17 schiitischer Häftlinge in Kuwait. Die Erpresser bleiben erfolglos und entlassen nach und nach ihre Geiseln. Die Entführung endet nach 15 Tagen.

24.12.1994: 240 Menschen in einem französischen Airbus geraten in Algier in die Gewalt von vier algerischen Terroristen. Diese erschießen drei Geiseln, um der Forderung nach Freilassung algerischer Islamistenführer Nachdruck zu verleihen, und erzwingen den Weiterflug nach Marseille. Dort stürmt eine französische Eliteeinheit am zweiten Weihnachtstag die Maschine und erschießt die Luftpiraten.



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