Chupacabra Vampir-Köter in Texas

Was auch immer Phylis Canion da der Weltpresse präsentiert, schön ist es nicht: Das hundeartige Vieh soll ein "Chupacabra" sein. Das Untier ist gefürchtet, weil es angeblich Ziegen und Hühner aussaugt, galt aber als reine Legende: Fotos gab es bisher nicht.


Was dem Schotten das Seeungeheuer Nessie, den Nordamerikanern der Big Foot und den Völkern im Himalaya der Yeti ist, ist seit Mitte der Neunziger in Mittel- und Südamerika der Chupacabra: Ein mythisches Untier, das alle Jahre wieder das Sommerloch der Boulevardmedien füllt und die Phantasie der Landbevölkerung beflügelt.

Anders als seine Kollegen, die längst Teil der Pop-Kultur sind, taugt der Chupacabra aber kaum zum Symphatieträger. Das Vieh, dessen bisher vorliegende Beschreibungen eher an die Schilderungen diverser Aliens aus trashigen Sci-Fi-Filmen erinnerten, soll sich blutsaugend über Ziegen und Hühner hermachen. Der Chupacabra ist ein Nachtmar, vor dem die Kinder zittern.

Mag sein, dass dies sich nun ändert, denn das nächtliche Grauen hat nun zumindest ein Gesicht - oder besser eine Fratze. Innerhalb von nur vier Tagen fanden Bewohner eines texanischen Landstrichs 140 Kilometer von San Antonio gleich drei mysteriöse, von Autos getötete Tiere, die so in gar kein Schema passen wollen. Und weil sie in letzter Zeit auf ihrer Farm gleich 26 tote, blutleere, ansonsten aber unberührte Hühner gefunden hatte, ist sich Phylis Canion sicher: Dieses hässliche Tier muss der gefürchtete Chupacabra sein!

Einen hatte sie im Juli gefunden und als passionierte Jägerin direkt fotografiert und präpariert. Gleich im Anschluss schnitt sie ihrem Fund den Kopf ab und legte ihn in die Tiefkühltruhe, um seine DNA analysieren zu lassen und ihn hernach als Trophäe direkt neben den Zebrakopf in ihrem Wohnzimmer zu hängen - das ist geistesgegenwärtig, wenn auch nicht gerade geschmackvoll.

Denn eine Schönheit ist ihr seltsamer Fund nicht: Hundeartig ist er, wenn auch so gut wie unbehaart. Mächtige, filmvampirhafte Zähne trägt er im langen Maul. Einfach ein enorm hässlicher Kojote sei das aber nicht, sagt Canion, die nach eigener Aussage schon "eine Menge hässliche Dinge" gesehen habe, "aber so etwas noch nie".

Und sie hat auch schon eine Theorie, was der Blutjäger sein könnte: Eine Kreuzung "aus drei oder vier" Tierrassen, es "könnte Wolf mit drin sein". Vielleicht sei der, zumindest aber ihr Chupacabra eine Art Mutation oder Kreuzung, die eine Vorliebe für Blut entwickelt habe, statt seine Beutetiere zu fressen. Auf satte 20 Kilo brachte es ihr Fund.

Der Tierarzt Travis Schaar, der Gelegenheit hatte, sich Canions Fundtier anzusehen, ist da nicht so sicher: "Ich will nicht behaupten, dass das kein Chupacabra ist. Meiner Meinung nach ist der Chupacabra nur einfach ein Hund." Und zwar möglicherweise eine "seltsame Züchtung", oder die drei Kadaver stammten von Tiere aus einem Wurf mutierter Hunde.

Absonderliche Hunderassen gibt es gerade in Süd- und Mittelamerika tatsächlich eine ganze Menge. Insbesondere extrem Kurzfellige, wenn nicht nackte Hunde sind dort nicht selten - auch, wenn bisher keine 20-Kilo-Züchtungen aufgefallen sind, die aussehen wie eine Mischung aus Hyäne, afrikanischem Wildhund, Erdferkel und Chihuahua.

Was auch immer Canion da in einem texanischen Straßengraben fand, gehörte dort bisher zumindest nicht hin. Sie glaubt, dass es extreme Regenfälle waren, die die Tiere "aus ihren Höhlen" getrieben hätten. So oder so wirkten sich die Chupacabra-Funde für ihre Heimatgemeinde Cuero, 80 Meilen von irgendwo, aber positiv aus. Sie selbst druckt und verkauft seit kurzem Chupacabra-T-Shirts. Selbst Skeptiker Travis Schaar hat eines. Phylis Canion: "Wenn jeder seinen Spaß damit hat, machen wir weiter. Es ist gut für Cuero."

pat/AP



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