Clowns-Kongress in Mexiko Die große Lachnummer

Ein Treffen von Clowns ist eine lustige Angelegenheit, sollte man meinen. In Mexiko haben sich mehr als 500 Spaßmacher versammelt - und sehen sich mit ungeahnten Schwierigkeiten konfrontiert. Ein Mord droht ihren Ruf zu ramponieren. Da hilft auch ein Lachmarathon wenig.

AP

Mexiko-Stadt - Eigentlich wollen sie nur um die Wette schminken, jonglieren oder Tiere aus Luftballons machen, neue Kunststücke lernen und sich austauschen: Mehr als 500 Clowns aus Lateinamerika treffen sich dieser Tage in Mexiko-Stadt. Statt harmloser Spielereien und Gesprächen mit Kollegen müssen sie sich nun mit einem Thema beschäftigen, das ihren Ruf zu ruinieren droht.

Nachdem ein mexikanischer Drogenboss vergangene Woche erschossen wurde, haben die Spaßmacher jede Beteiligung an dem Vorfall abgestritten. Der Schütze hatte ein Clownskostüm, eine Perücke und eine falsche Nase getragen. Ein Teilnehmer des Festivals, Alberto Villanueva, sagte, es sei traurig, dass es so weit gekommen sei.

Bei dem Täter habe es sich nicht um einen echten Clown gehandelt, sagte Tomás Morales, einer der Organisatoren der Versammlung. "Leute, die so etwas tun, sind keine Clowns. Wir sind nicht so, wir sind nicht gewalttätig", sagte Morales. Clowns litten selbst unter Raubüberfällen. "Kriminelle stehlen unsere Fahrzeuge, unsere Kostüme, unsere Audioanlagen, unsere Schminke. Und mit diesen Mitteln, die wir zum Arbeiten benutzen, begehen sie dann ihre Raube."

Am vergangenen Freitag war einer der bekanntesten mexikanischen Drogenbosse - Francisco Rafael Arellano Félix - bei einem Kinderfest von einem Unbekannten getötet worden. Der Ermordete war der älteste der berüchtigten Brüder Arellano Félix. Ihr Tijuana-Drogenkartell im Nordwesten des Landes war in den achtziger und neunziger Jahren eines der mächtigsten in Mexiko.

Um ein Zeichen gegen Gewalt in ihrer Heimat zu setzen, lachten die Clowns bei dem jährlich stattfindenden Treffen 15 Minuten lang. "Wir lachen die Dinge aus, die uns verletzen", sagte Villanueva. "Das ist ein ganz besonderer, sehr mexikanischer Humor."

ulz/dpa/AP



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